Rufbus-Erfolg in Cham kommt an seine Grenzen: Busfahrer fehlen

Von Christoph Klöckner · 24. April 2024 um 19:00

Angeschoben auch durch das Deutschland-Ticket wächst der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis seit 2018 kontinuierlich. „Der ÖPNV bekommt in Zukunft mehr Bedeutung“, sagte Landrat Franz Löffler“ jetzt beim Ausschuss für Bau und Verkehr. Und dem trägt der Landkreis Rechnung, wie ÖPNV-Experte Thomas Ederer vom Landratsamt darstellte. Vor allem der Rufbus hat zuletzt eine Erfolgsgeschichte geschrieben – doch stößt er auch an Grenzen.

2020 waren 2144 Fahrgäste in diesem Busangebot unterwegs. 2023 – also innerhalb von drei Jahren – hat sich diese Zahl auf fast 12000 erhöht – also verfünffacht. Und auch der Weg zur Buchung hat sich geändert, wie Landrat Franz Löffler betonte. Wurden 2020 noch 95 Prozent der Rufbusse per Telefon bestellt, waren es 2023 bereits 46 Prozent, die online buchten, und nur noch 54 Prozent telefonisch.

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Thomas Ederer betonte, dass damit die zur Verfügung stehenden Mittel effizient eingesetzt seien. Mit 35 Euro je Beförderung, mit Fahrplan- und Schwachlastzeiten gerechnet, belege der Landkreis damit einen bayernweiten Spitzenplatz.

Der ÖPNV sei seit 2018 um gut ein Viertel ausgebaut worden. Habe man 2018 noch 2188520 Kilometer an ÖPNV im Angebot gehabt, seien es 2023 mehr als 2,9 Millionen Angebots-Kilometer gewesen. Die Zahl der Haltestellen sei in dem Zeitraum von 693 auf 987 angewachsen, die Zahl der Rufbusse von Null auf 19 Linien.

Die Steigerung des Angebots um 25 Prozent sei ein Erfolg, wie auch Löffler hervorhob. Weitere Zuwächse seien jedoch durch die „vorhandenen Ressourcen“ begrenzt, so Ederer. Damit meine er das personal, etwa Busfahrer. Dafür gebe es bereits heute erste Anzeichen. So sei ein Unternehmer aus dem Rufbus_System ausgestiegen , weil er Personalprobleme hatte.

Daher enden die Rufbus-Linien 912 und 910 zum 31. Mai 2024. Ähnliche Probleme, alle angebotenen Leistungen zu besetzen, habe es in der Skibussaison 2023/24 gegeben – statt Busse mussten zeitweise Taxen eingesetzt.

Ersatzverkehr nicht möglich

Und bei der Sperre der Bahnstrecken wegen Bauarbeiten konnte an drei Tagen der Schienenersatzverkehr wegen Personalmangels nicht besetzt werden. Das heißt, dem ÖPNV gehen die Busfahrer aus. Gleichzeitig brauche es aber dieses Angebot und mehr, um weitere Fördergelder zu erhalten, so Ederer bei seiner Darstellung. Denn die Förderrichtlinie beim Rufbus sehe ab 2025 einen täglichen Betrieb vor.

Zunehmend wird es auch in dem Berufsfeld ein Problem, wie Ederer ausführte, die Angebote am Wochenende mit Fachkräften zu besetzen: „Das Wochenende tut weh!“ Daraus ergäben sich neue Schwierigkeiten beim Blick in die nahe Zukunft. Die Nachtschwärmer-Linie etwa laufe noch bis April 2025. Die Nutzerzahlen seien mit 3000 Fahrgästen recht konstant – dem ständen Kosten von 120000 Euro je Saison gegenüber. Und weitere Kostensteigerungen und Engpässe bei der Neuvergabe 2025 seien zu erwarten, führte der ÖPNV-Experte aus.

Wie überhaupt die Kosten schon für den Erhalt des Bestands- und Grundangebots wachsen würden, prognostizierte Ederer. Eben weil sich der Betrieb für Busunternehmer nicht mehr lohne, also ein eigenwirtschaftlicher Betrieb nach und nach in einen gemeinwirtschaftlichen Betrieb übergehe. Das bedeute, dass der Landkreis für den Linienerhalt Zuschüsse zahlen müsse, da es keinen Wettbewerb darum mehr gebe. Das habe sich angedeutet durch die Rückgabe von Genehmigungen von Busunternehmen, etwa beim Linienbündel Kötztinger Land. Es gebe Anzeichen, dass weitere Genehmigungen zurückgegeben würden. Das bedeute im Umkehrschluss, Wettbewerbsvergaben würden etwa keine Kosteneinsparungen mehr bringen – es werde teurer.

Thomas Ederer wies auf anstehende Umstellungen in diesem Jahr auf den gemeinwirtschaftlichen Betrieb in diesem Zusammenhang hin, wie bei der Linie 610 Cham-Miltach-Bad Kötzting, die Linie 615 Lam-Eschlkam-Bad Kötzting, die Linie 680 Bad Kötzting-Wettzell-Viechtach (alle ab 6/2024), wie die Linien 221 (Nittenau-Bruck-Roding) und 229 (Roding-Nittenau-Marientahl-Regensburg) ab August 2024.

Dass hier ein eigenwirtschaftlicher Betrieb nicht mehr funktioniert, kann an hohen Anforderungen an das Verkehrsangebot liegen oder an nicht kostendeckenden Verbundfahrpreisen, die vorrangig nach politischen und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien festgelegt wurden. Das 49-Euro-Deutschland-Ticket ist so ein Tarif. Im Vordergrund stehen daher aktuell eher die Tarifverbunde. Zwei Studien würden laufen, wie ein größerer Verbund über den VLC hinaus möglich sei und wohin es gehen solle, erläuterte Ederer.

Zu zwei Verbunden würden gerade Verbundraumstudien laufen. Eine gehe um die Erweiterung des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV) mit dem Landkreis Cham bis Weiden, der andere zur Neugründung eines Verbundes Donau-Wald, der Richtung Straubing, Passau, Deggendorf gehe. Ederer führte die Vor- und Nachteile auf.

Verbund der Zukunft?

Landrat Franz Löffler betonte, es brauche den Verbund, der den Chamern am meisten entgegenkomme. Grünen-Kreisrat Michael Doblinger betonte, dass die zahlreichen Verkehrsverbunde nicht das Ziel sein könnten. Ziel müsse der Bayernverbund sein, wo alle überall mit einem Ticket fahren würden. Dafür brauche es einen Gesamttarif – das wäre die Zukunft, so Doblinger. Er gab Landrat Löffler recht, der den Preis von 49 Euro für das D-Ticket als zu gering bezeichnete – dieser Preis sei wohl nicht haltbar.

Im Zusammenhang mit dem D-Ticket wies Thomas Ederer darauf hin, dass es auch im Landkreis Betrugsfälle mit dem Ticket gegeben habe: „Das Ticket hat Betrüger angezogen!“ Es also über den Onlineshop abgerufen worden sei, ohne letztlich bezahlt zu werden. Daher gebe es seit diesem Monat für das D-Ticket eine vorherige Bonitätsprüfung der Kunden.

Das bedeute, man müsse etwas warten, bis es da sei: Fünf Werktage dauere diese Prüfung, danach komme das Ticket.