Eine durchgehende Linie nach Regensburg und der Rufbus als Geheimwaffe

Öffentlicher Nahverkehr in einem Flächenlandkreis ist ein weites Feld und ein schwieriges Thema. 70.000 zusätzliche Kilometer hat der Landkreis Cham alleine 2023 neu auf den Weg gebracht. Doch die Ausweitung von Takten ist in Zeiten von Busfahrermangel und angespannten Finanzen nicht beliebig überdehnbar. Eine Geheimwaffe hat der Landkreis aber unterwegs.
Landrat Franz Löffler präsentierte am Chamer Bahnhof gemeinsam mitÖPNV-Chef Thomas Edererdie Neuerungen, die demnächst den Nahverkehr im Landkreis bereichern sollen. Er wies aber auch darauf hin, dass der Landkreis auch von den Wehen einer Bundesregelung betroffen ist. Derzeit seien viele Züge voll, weil das 49 Euro-Ticket gut eingeschlagen hat. „Allerdings sind wir der Meinung, dass zuerst die neuen Strukturen geschaffen werden müssten, bevor man unzureichende Strukturen mit neuen Tarifangeboten überdehnt.“
Rückgrat und Lastentier
Für den Hintergrund der Veranstaltung hatte RBO einen Großraumbus geparkt und daneben der Further Taxiunternehmer Franz Riedl einen kleinen Rufbus. Die Schiene, sagte der Landrat, sei das Rückgrat des Nahverkehrs, der reguläre Bus der Lastenträger und der Rufbus eine sehr gute Antwort auf die Anforderungen der Fläche mit einer absoluten Stärke auf der letzten Meile zu den Weilern und kleinen Siedlungen.
Mittlerweise habe man 15 Rufbuslinien geschaffen. „Damit sind wir sicher nicht am Ende auf unserem Weg, eine möglichst gleichwertige Region zu werden“, so Löffler. Allerdings schränkte der Landrat das auch ein: „Ohne Auto werden wir nie auskommen in diesem Landkreis.“
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Löffler wies auf die Grenzen des ÖPNV hin. So trage der Rufbus-Unternehmer nicht nur ein finanzielles Risiko mit, was die Nutzung des Angebots betreffe, sondern müsse auch ständig in Bereitschaft sein, wenn Kunden anrufen. Deshalb habe er Respekt vor dem Taxiunternehmer Riedl, der nach der Hohenbogen-Linie nun auch den Lamer Winkel übernommen habe. Riedl sehe den Rufbus auch als Chance für das Taxi-Gewerbe.
Philipp Pitsch von der RBO dankte dem Landkreis für sein Augenmaß. Die Politik achte darauf, die Taktverdichtung nicht zu übertreiben, damit sie vom Unternehmer noch leistbar bleibe. Riedl verwies auf den modernen RBO-Bus im Hintergrund und warb für die Nutzung der neuen durchgängigen Linie nach Regensburg, die ohne Umsteigen angeboten werde. „Das ist konkurrenzfähig“, so Pitsch.
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Taxiunternehmer Franz Riedl berichtete von guten Erfahrungen mit den Rufbuslinien. Das gelte sowohl für die Kooperation mit dem Landkreis als auch für die Kunden. „Das wird gut angenommen“, so Riedl.
Bürgermeister und Vizelandrat Markus Müller erklärte aus der Sicht seiner Gemeinde Neukirchen beim Hl. Blut, dass es sehr positive Erfahrungen gebe, auch mit der Rufbuslinie zu den kleinen Weilern. „Es wird fast ein Stundentakt angeboten. Das ist beachtlich“, so Müller. Er sei sich aber auch bewusst, dass dies für die Unternehmer eine Herausforderung bedeute.
Der Rettenbacher Bürgermeister Alois Hamperl freute sich über das neue Angebot der Sonntagsfahrten. „Die Zahlen passen, sonst wäre es wohl nicht gemacht worden“, so Hamperl. Thomas Ederer, Leiter der benachbarten Mobilitätszentrale, war da etwas vorsichtiger: „Wir werden sehen...“
„Es wird immer besser“
Der Lamer Bürgermeister Paul Roßberger war insgesamt begeistert: „Wir hatten ja schon gute Angebote, aber es wird immer besser.“ Insbesondere die touristischen Fahrten zu den Wanderparkplätzen an Oser und Kleinem Arbersee fand er wichtig. Das ÖPNV-Angebot sei nachhaltig und es sei Aufgabe der Gemeinden, dies ihren Bürgern vorzuleben, so Roßberger.
Falkensteins Bürgermeisterin Heike Fries bezeichnete die neuen Angebote als „richtigen Schritt in die richtige Richtung“. Insbesondere der Rufbus sei eine echte Bereicherung. „Danke, dass ihr euch traut“, sagte sie zur Unternehmerfamilie Riedl.
Kreisrat und CSU-Fraktionssprecher Karl Holmeier berichtete, von Veranstaltungen im Lambacher Kolpinghotel. Dort habe man kürzlich noch beklagt, dass man völlig abgeschnitten sei vom Nahverkehr. Er sei jedoch überrascht, wie schnell diese Anregung umgesetzt worden sei, erklärte er und lobte Thomas Ederer.