Der Fasching hat ihr Leben geprägt: Helga Proske sorgt in Nittenau seit mehr als 40 Jahren für Frohsinn

Von Renate Ahrens · 28. April 2024 um 11:00

In Nittenau und weit darüber hinaus hat Helga Proske 40 Jahre lang für gute Laune und Frohsinn bei sehr vielen Menschen gesorgt. Die heute 74-Jährige war die Initiatorin der legendären Weiberfasenachtsbälle am Unsinnigen Donnerstag. Im vergangenen Jahr ging diese Ära allerdings zu Ende.

Auf diese Zeit blickt Helga Proske mit ein wenig Wehmut, aber vor allem mit vielen schönen Erinnerungen zurück. „Der Fasching hat mein ganzes Leben geprägt.“ Aber ganz hat sich die Nittenauerin nicht aus dem „Veranstaltungsgeschäft“ zurückgezogen: Die 60plus-Partys finden unter ihrer Regie weiter statt.

Für Fröhlichkeit bleibe im Alltag viel zu wenig Zeit, bedauert Helga Proske. Dabei gäbe es doch so vieles, für das jeder Mensch glücklich und dankbar sein könne. Sie selbst sei ja eine geborene Frohnatur, sagt die Vorsitzende des Weiberkomitees. Geerbt habe sie ihr „närrisches Naturell“ von ihrem Vater: Ludwig Jehl, weit und breit bekannt als „Regental-Luki“, war ein begnadeter Gstanzlsänger, Musikant und Hochzeitslader. Wo immer er auftauchte, war Stimmung garantiert. Und so ist es auch bei Helga Proske, die in Eckartsreuth in der Nähe von Nittenau aufwuchs und ihren Vater bei Auftritten gerne begleitete. „Dabei habe ich viel gelernt“, sagt Proske.

Die Ideen für die Faschingsveranstaltungen sprudeln nur so

Vom Fasching war sie schon immer begeistert und besuchte sämtliche Nittenauer Veranstaltungen. „Die Kolpingbälle waren legendär“, schwärmt sie. Im Jahr 1967, mit 18 Jahren, wurde Helga Proske zur Faschingsprinzessin bei Kolping gekürt – eine unvergessliche Zeit. Als Heribert Prantl sen., der Vater des bekannten Journalisten, sie in den Stab der Kolping-organisatoren holen wollte, sagte sie sofort zu. Schließlich sprühte sie schon damals vor Ideen, nicht nur für ihre stets aufwendig kreierten Kostüme, die immer nur eine Saison getragen werden.

1980 machte Helga Proske dem Kolpingvorstand den Vorschlag, doch einen Weiberfasching abzuhalten. Sie sah alles schon genau vor sich: Ein hohes Niveau sollte der Ball haben und von Frauen für Frauen veranstaltet werden. „Alle waren sofort einverstanden“, erinnert sich Helga Proske. Von Anfang an, ab 1981, waren diese Bälle ein voller Erfolg.

Die beliebten Sketche leben bei den 60plus-Partys weiter

Die ganze Familie Proske, Ehemann, die drei Söhne und die Tochter, hatten Spaß am Fasching. Die Kinder gingen als Pagen oder Hofdamen und die Mutter in großer Robe, und ihr Mann schrieb für seine Frau die Rede. Denn das Programm des Weiberfaschings war praktisch unvergleichlich: Das Weiberkomitee mit Helga Proske in der Mitte trat in mehreren Sketchen auf. „Bei den Proben haben wir selbst immer den größten Spaß“, berichtet Proske lachend. Sie freut sich, dass das beibehalten wird, denn auch bei der 60plus-Party dürften natürlich die Sketche nicht fehlen.

Nach und nach weitete man das Programm des Weiberfaschings immer mehr aus – mit Showtänzen und natürlich mit guten Musikbands, die laut Proske sehr wichtig seien. „Die Frauen wollen vor allem tanzen und Spaß haben – und den Alltag hinter sich lassen.“ Im Laufe der Jahrzehnte habe sie eine Veränderung festgestellt: „In den 1980er Jahren war der Weiberfasching oft der einzige Abend im Jahr, an dem die Frauen alleine ausgingen. Ihre Männer wollten es so, und zu meiner Gruppe hatten sie Vertrauen.“ Auch technisch war natürlich alles anders: „Wir mussten die Lieder für die Sketche vom Radio auf Musikkassetten aufnehmen.“

Der Weiberfasching am Wendepunkt

Der Tod ihres Mannes riss eine Lücke, doch die drei Söhne der Proskes waren sich einig: Die Reden sollen erhalten bleiben. Und so halfen alle zusammen und schrieben sie weiter. Für ihre Verdienste wurden Helga Proske das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten und die Silberne Bürgermedaille der Stadt Nittenau verliehen.

Warum ist aber nun nach 40 Jahren Schluss mit dem Weiberfasching? „Wir standen an einem Wendepunkt. Der Aufwand wurde im Laufe der Jahre einfach zu groß. Die Regentalhalle musste jedes Mal noch in der Nacht aufgeräumt werden, und die Frauen des Weiberkomitees sind mit ihrem Beruf und ihren Kindern sehr eingespannt“, zeigt Helga Proske, die bald 75 Jahre alt wird, Verständnis. Auch die Pandemie habe allen zugesetzt.

Mit einem fulminanten letzten Ball und einer „närrischen Generalprobe“ mit einer Rekordzahl von 450 Gästen in fantasievollen Kostümen wurde also im Jahr 2023 das Ende einer Ära eingeläutet – ohne dass die Akteurinnen des Weiberkomitees es an diesen Abenden schon wussten. Beschlossen wurde es nämlich erst drei Wochen nach dem Ball. „Es war ein krönender Abschluss“, so Proske.

Sie weiß: Vermissen werden den Weiberfasching viele. Jedes Jahr rief Proske zum Beispiel ihre Stammgäste persönlich an und nahm Kartenbestellungen entgegen. Die Frauen hätten oft schon darauf gewartet und sich gefreut. „Nach Corona war der Gesprächsbedarf besonders groß.“

Ein Fackelzug durch Nittenau zum Abschied

Heuer, am ersten Unsinnigen Donnerstag ohne Ball, zog das Weiberkomitee mit einem Fackelzug durch die Stadt zur Regentalhalle, sang „Time to say goodbye“, vergoss Tränen – der Wehmut, aber auch der schönen Erinnerungen, und feierte anschließend in Lokalen.

Zurzeit ist Proske dabei, ihre unzähligen Fotos und Zeitungsartikel über den Nittenauer Fasching zu sortieren. So viele Anekdoten würden dabei wieder wach. Doch wie es eben ihre Art ist, blickt sie nach vorne. Langeweile kenne sie nicht. Das Leben gehe weiter. Ihr Motto für viele Lebenslagen sei ohnehin: „Es war schön, wie es war, und es ist gut, wie es ist.“