Paragon will sich weiter verschlanken: Nach Stellenabbau steht nun Betriebsgelände zum Verkauf

Von Hubert Heinzl, Philipp Breu · 25. April 2024 um 05:00

Nach dem Abbau von rund 100 Arbeitsplätzen will Schwandorfs Mailing-Spezialist Paragon nun auch die Fixkosten senken. Das Unternehmen möchte das Betriebsgelände verkaufen und sich mit den verbliebenen Produktionseinheiten in einen Teil der Werksgebäude einmieten.

Das bestätigte Betriebsratsvorsitzender Christian Rester auf Anfrage unserer Zeitung. Nachzulesen ist die Offerte auf der Website des Immobilienmaklers Baumgärtner & Duscher GmbH. Unter der Rubrik „Gewerbeimmobilie kaufen“ findet sich seit kurzem auch ein besonders hochkarätiges Angebot. Zu erwerben ist ein „Betriebs- und Produktionsgelände mit Hallen und Büroflächen in Schwandorf“ auf einer Grundstücksfläche von rund 55.774 Quadratmetern. Als Kaufpreis ist ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag veranschlagt.

Als Extras werden unter anderem ein Fernwärmeanschluss an allen Gebäuden, der Gleisanschluss, die 200Stellplätze und die optimale Verkehrsanbindung „auch für Lkw-Anlieferungen“ hervorgehoben.

Eigentümer will sich in mehrere Gebäude selbst einmieten

Das Besondere an dem Angebot: Von zehn Gebäuden auf dem Betriebsgelände wolle der Eigentümer „die Gebäude Nr. 1 bis Nr. 5 in einem langfristigen Mietvertrag anmieten“, wie es heißt.

Bei dem Werksgelände handelt es sich um den Standort der Firma Paragon an der Gutenbergstraße. In den Gebäuden, die im östlichen Teil des Betriebsgeländes liegen, konzentriert sich zurzeit die verbliebene Produktion, wie Paragon-Betriebsratschef Christian Rester auf Anfrage erläuterte. Dazu kämen noch administrative Abteilungen wie etwa Verwaltung und Finanzen.

Das Angebot kommt nicht von ungefähr, denn produziert wird in dem Schwandorfer Unternehmen im Vergleich zu früheren Jahren nur noch mit angezogener Handbremse. Wie berichtet, hatte Paragon angesichts dramatischer Umsatzeinbrüche im vergangenen Jahr im Dezember einen großangelegten Stellenabbau in die Wege geleitet, von dem etwa 100Beschäftigte betroffen sein sollten. Parallel wurde nach Unternehmensangaben in die Produktionstechnologie investiert – nur eben mit weniger Personal.

Der Stellenabbau bei Paragon ist abgeschlossen

Durch die Fokussierung auf eine sehr effiziente und verschlankte Finishing-Produktion in reduzierten Gebäudeflächen sei ein Stellenabbau nicht vermeidbar, hieß es. Im sogenannten Finishing werden Mailing-Produkte in hoher Stückzahl hergestellt, unter anderem für den Versandhandel.

Laut Betriebsratschef Rester, der seit 2018 die Interessen der Beschäftigten federführend vertritt, ist der Personalabbau – intern „Projekt Lean“ genannt – inzwischen abgeschlossen. Wie geplant, seien rund 100 Stellen abgebaut worden. Neben der Verwaltung und der Finishing-Abteilung sei auch der Rollendruck am Standort Schwandorf verblieben – zusammen arbeiteten hier noch rund 130 Beschäftigte.

Dass Paragon nun langfristig bestrebt ist, das Betriebsgelände zu verkaufen und sich „in den Gebäuden, in denen jetzt produziert wird“, wieder einzumieten, ist aus Sicht des Mitarbeitervertreters durchaus nachzuvollziehen. „Unter wirtschaftlichen Aspekten macht es keinen Sinn, dieses Riesen-Areal vorzuhalten“, sagt der Betriebsratschef: „Ein Verkauf hat zwar einen faden Beigeschmack. Aber unter den verschiedenen Alternativen ist das wohl immer noch die beste.“

Die verbliebenen Mitarbeiter haben nach den Worten Resters erst vor kurzem von den Verkaufsabsichten erfahren. Seither sei die Stimmung „nicht so gut“, wie er es formuliert. Der Betriebsratsvorsitzende geht nach eigenen Angaben jedoch davon aus, dass wieder etwas mehr Ruhe einkehrt, wenn bei der nächsten Belegschaftsversammlung Anfang Mai die Hintergründe verdeutlicht würden.

Auch Vermietung von Gebäuden sei möglich

Dass der geplante Werksverkauf bei der Belegschaft nicht gerade zu mehr Sicherheit beigetragen habe, kann auch Thomas Simon, CEO der Paragon Dach & CEE, auf Nachfrage nachvollziehen. Die Veränderungen am Schwandorfer Werksgelände seien aber unausweichlich. Schließlich habe man die Produktion am Standort erheblich verschlankt, somit seien zwangsläufig Flächen frei geworden, die künftig natürlich nicht leerstehen sollten.

Nach Rücksprache mit den Immobilienexperten sei der Verkauf des Gesamtgebäudes, das im Besitz des Shareholders Paragon Schwandorf Realty GmbH ist, präferiert worden – inklusive teilweiser langfristiger Rückmietung. Es sei aber auch denkbar, dass man den gesamten Komplex behalte und die nicht genutzten Einheiten, die sich laut Simon im vorderen Teil des Geländes befinden, an einen externen Interessenten vermiete. „Falls es dazu ein lukratives Angebot gibt, könnte auch das die Lösung sein“, so der CEO, der aber gleich hinterherschiebt, dass ein Gesamtverkauf das aktuell wahrscheinlichere Szenario sei.

Für die operative Entwicklung des Standorts könnten die neuen Pläne laut Simon jedenfalls von Vorteil sein und den Weg frei machen für mögliche neue Investitionen in einem ohnehin sehr investitionsintensiven Geschäft.

RBM kaufte Werkshalle

Das jüngste Angebot ist nicht das erste, mit dem sich Paragon am Standort Schwandorf von unliebsamen Fixkosten entlasten will. Bereits im Dezember 2021 hatte das Unternehmen einen Teil seines Werksgeländes erfolgreich veräußert.

Die rund 8300 Quadratmeter große ehemalige Triumph-Halle im Norden des Paragon-Geländes erwarb samt dem 22000Quadratmeter großen Grundstück die R. Brücklmeier GmbH (RBM). Der Spezialist für Pulver- und Tauchbeschichtung war von Maxhütte-Haidhof in die Große Kreisstadt übergesiedelt. Auch damals hatte Baumgärtner & Duscher das Immobiliengeschäft eingefädelt.