Paragon plant großen Stellenabbau: Fast 100 Mitarbeiter in Schwandorf könnten Job verlieren

Von Jan Lange · 16. Dezember 2023 um 05:00

Es ist ein „Geschenk“ so kurz vor Weihnachten, über das sich die Mitarbeiter von Paragon kaum freuen dürften. Viele der Beschäftigten werden ihren Job verlieren. Das Unternehmen plant am Standort Schwandorf den Abbau von insgesamt 98 Stellen, wie Vertriebsleiter Alexander Schäfer der MZ bestätigte.

Der Betriebsrat sei am Donnerstag voriger Woche über den Schritt informiert worden, erklärt dessen Vorsitzender Christian Rester auf Nachfrage. Am vergangenen Montag sei dann die Belegschaft über die Stellenstreichung in Kenntnis gesetzt worden. Es gebe nie den richtigen Zeitpunkt für eine Nachricht wie diese, findet Rester. Sie aber wenige Tage vor dem Weihnachtsfest zu verkünden, darin sieht der Betriebsratsvorsitzende einen Überrumpelungseffekt.

Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) zeigte sich auf MZ-Anfrage von der Ankündigung des Unternehmens überrascht. Er wolle nun das Gespräch mit der Firmenleitung suchen.

Schlechte Konsumstimmung auch im Onlinehandel

Für die Streichung von fast 100 Stellen gebe es laut Schäfer gute Gründe: Paragon habe auf die sich massiv veränderte Nachfragesituation im Bereich Finishing-Produktionen reagieren müssen. Bei den sogenannten Finishing-Produktionen handelt es sich um hochvolumige Mailing-Produktionen, zum Beispiel für Kunden aus dem Versandhandel.

Die schlechte Konsumstimmung in Deutschland mache sich nach Schäfers Worten auch im Onlinehandel bemerkbar. Gegenüber dem Vergleichsquartal 2022 sanken die E-Commerce-Umsätze mit Waren von Anfang April bis Ende Juni 2023 um 12,2 Prozent.

„Der bereits vorher vorhandene negative Trend hat unsere Kunden überproportional erreicht. Wir müssen im Bereich unserer Top-Kunden zahlreiche Insolvenzen abfedern“, meint der Paragon-Vertriebsleiter. Zu diesen Kunden gehören unter anderem der Klingel-Versand, der Westfalia Werkzeughandel und die Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

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Knapp 19 Prozent Rückgang

Das habe laut Schäfer spürbare Folgen für das Unternehmen. Zuvor sei ein Rückgang des Volumens um rund fünf Prozent prognostiziert worden. Tatsächlich liege er im laufenden Geschäftsjahr aber bei 18,6Prozent. Allein im ersten Quartal 2023 lag der Rückgang bei 14 Prozent, deutlich mehr als im ersten Quartal 2022 (minus 6,8 Prozent).

„Vor diesem Hintergrund ist eine Anpassung der Ressourcensituation am Standort Schwandorf unumgänglich“, erklärt Schäfer. Hohe Gemeinkosten, auch durch Aktivitäten in anderen Geschäftsfeldern wie Document Output und Inputmanagement, müssten reduziert werden. „Um dies zu erreichen, wird der Standort auf eine moderne und effiziente Finishing-Produktion mit reduzierten Kapazitäten fokussiert“, beschreibt Schäfer die notwendigen Maßnahmen. Andere Tätigkeiten werden nach seinen Worten an weitere spezialisierte Standorte der Gruppe verlagert.

Parallel Modernisierung der Produktionstechnologie

Durch eine Fokussierung auf eine sehr effiziente und verschlankte Finishing-Produktion in reduzierten Gebäudeflächen sei ein Stellenabbau nicht vermeidbar. Der Schritt werde aber die Kosten- und Marktposition im Konkurrenzumfeld stärken, ist sich Schäfer sicher. „Es wurden parallel umfangreiche Investitionen in eine Modernisierung der Produktionstechnologie am Standort vorgenommen.“

Dass es einen Rückgang der Aufträge geben werde, sei vorausgesagt worden, meint Schäfer. Auch die Veränderungen im Schwandorfer Betrieb seien geplant gewesen. „Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der negativen Marktentwicklung inklusive der Kundeninsolvenzen waren aber so nicht abzusehen und lassen keine Zeit für eine schrittweise Diversifizierung“, begründet der Vertriebsleiter die anstehenden Veränderungen. „Schwindende Umsätze können nicht im benötigten Tempo durch andere Geschäftsfelder aufgefangen werden“, fügt er erklärend hinzu.

Umsetzung im Frühjahr 2024

Es sei beabsichtigt, so Schäfer, die Maßnahmen im ersten Quartal 2024 umzusetzen. „Durch ein vorgelagertes Freiwilligenprogramm und die Berücksichtigung altersbedingter Regelungen versuchen wir möglichst viele betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, werden diese leider aber auch aussprechen müssen“, teilt der Vertriebsleiter mit. Mit dem Betriebsrat seien hierzu die Gespräche aufgenommen werden.

Christian Rester versichert, dass man das Bestmögliche für die Mitarbeiter erreichen wolle. Das könne im besten Fall eine Verringerung der wegfallenden Stellen sein. Auch bei der Kündigungswelle vor drei Jahren hatte der Betriebsrat erreicht, dass statt der zuerst geplanten 100 Mitarbeiterinnen nur 60Beschäftigte ihren Job verloren haben. 40 Stellen konnten damals gerettet werden.