Paragon baut Stellen ab und rüstet auf
60 Menschen müssen gehen: Paragon schließt seine Abteilung für die Nachbearbeitung von Werbepost per Hand. Mit der Investition in siebenstelliger Höhe in neue Maschinen will der irische Marktführer für Direktkommunikation gleichzeitig die Bedeutung des Standorts Schwandorf unterstreichen.
Dass die „hochgradig defizitäre“ Nacharbeit keine Zukunft habe, sei schon länger Gesprächsthema im Management gewesen, sagt Unternehmenssprecher Bernd Hofmann. „Schon vor Corona.“ Bei der sogenannten Tischarbeit kleben Mitarbeiterinnen zum Beispiel kleine Zusatz-Geschenke auf Werbepostsendungen. Diesen Service werde man künftig nicht mehr anbieten, sagt Hofmann im Gespräch mit der Mittelbayerischen.
40 Stellen in Schwandorf konnten gerettet werden
Zunächst sei im Gespräch gewesen, alle knapp hundert Mitarbeiterinnen der Abteilung zu entlassen. Doch in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat könne es gelingen, durch Umschulungen und Umsetzungen in andere Abteilungen zumindest 40 Personen die Kündigung zu ersparen, sagt der Firmensprecher. Die Gespräch liefen derzeit noch. 40 Vollzeitstellen fielen aber künftig weg. „Maximal wenig“ Personalabbau sei das erklärte Ziel der Geschäftsführung.
Der Konzern: Meiller GHP:
Paragon Customer Communications ist ein führender Anbieter von Lösungen für Kunden- und Mitarbeiterkommunikation. Es ist Teil des Paragon-Konzerns mit Sitz in Irland, dem europäischen Marktführer für Dokumenten- und Marketinglösungen mit 7500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro. In Schwandorf arbeiten derzeit knapp 400 Menschen.Die Buchdruckerei Georg Meiller in Schwandorf wurde 1864 gegründet. Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahre eine Druckerei mit Spezialisierung auf Kataloge. 2011 entstand „Meiller GHP“ durch Verschmelzung der Direct Mail-Aktivitäten der österreichischen und schweizerischen Post. 2014 ging das Unternehmen in die Insolvenz.
„Umstrukturierungen“ wie die Schließung der Abteilung seien in einer Branche, die seit Jahren unter Überkapazitäten leide, unumgänglich, um das Unternehmen weiter konkurrenzfähig zu halten, sagt Hofmann. Der Sprecher erinnerte an den Erwerb von Meiller GHP vor fünf Jahren. Damals sei dasinsolvente Schwandorfer Traditionsunternehmen ein Sanierungsfallgewesen. Heute sei es Teil einer „wirtschaftlich gesunden Gruppe“ unter dem Dach der irischen Paragon mit Sitz in Dublin.
„Der Corona-Effekt war insgesamt nicht so groß.“Bernd Hofmann, Firmensprecher
Die wirtschaftlichen Einbußen im Zuge der Coronakrise seien bei Paragon bislang überschaubar. So sei die Abteilung Dokumenten-Output, eines der beiden Standbeine der Schwandorfer Niederlassung, kaum betroffen gewesen. Der Printbereich sei mehr in Mitleidenschaft gezogen worden, „aber nicht katastrophal“, sagt Hofmann. Im Lockdown sei es zu Verschiebungen und Stornierungen gekommen. „Aber der Corona-Effekt war insgesamt nicht so groß.“
Den Dokumenten-Output, also die Produktion von Formularen und Rechnungen, werde man in Schwandorf „massiv ausbauen“, kündigt der Sprecher an. Dahinter stehe das „Vier-Standort-Konzept“ der deutschen Niederlassung des Konzerns. Wenn die Dokumentenproduktion auf vier Regionen aufgeteilt werde, biete sich auch die Chance, auf günstige regionale Zusteller als Alternative zur Deutschen Post zuzugreifen. Bei teils vielen tausend Sendungen ein interessantes Einsparungspotenzial für die Kunden von Paragon.
Zuwachs für den Maschinenpark in Schwandorf
Der Maschinenpark in Schwandorf wird dementsprechend aufgerüstet. So wird dem Sprecher zufolge demnächst eine Hochgeschwindigkeits-Digitaldruckmaschine in der Werkshalle an der Gutenbergstraße aufgebaut. Zwei Kuvertiermaschinen und eine Anlage, mit der kostengünstiges Offsetdruckpapier mit einer speziellen Beschichtung für den Digitaldruck vorbehandelt wird, werden ebenfalls neu angeschafft. Insgesamt investiere Paragon damit eine siebenstellige Summe in ihren Schwandorfer Standort.
Betriebsratsvorsitzender Christian Rester sieht die Umstruktierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es ist natürlich immer eine Hiobsbotschaft, wenn Kollegen entlassen werden“, sagt Rester im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Die Coronakrise habe „auch nicht gerade geholfen“. Andererseits freut sich der Arbeitnehmervertreter, dass Stellen gerettet werden konnten. „Eine gute Nachricht“ sei auch die Investition in neue Maschinen.