Paragon in Schwandorf profitiert von öffentlichen Aufträgen und wächst
Vom Katalogdrucker zum erfolgreichen Dienstleister für digitale Kundenkommunikation: Diese Entwicklung hat der ehemalige Standort von Meiller GHP seit der Übernahme durch den irischen Konzern Paragon 2014 hingelegt.
Und die Entwicklung geht weiter: Schwandorf spiele bei der Strategie für die nächsten Jahre eine bedeutende Rolle, sagt Vertriebschef Alexander Schäfer.
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Schäfer, seit 2018 für die Entwicklung des Unternehmens in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in der Tschechischen Republik und in Polen zuständig, ist zufrieden: Das soeben zu Ende gegangene Geschäftsjahr weist eine kräftige Umsatzsteigerung von 220 auf 235 Millionen Euro aus. Noch immer sei die Kommunikation auf Papierbasis mit 90 bis 95 Millionen Euro eine starke Umsatzsäule. Der Printbereich erlebe in den vergangenen zwei Jahren sogar eine kleine Wiedergeburt: Werbebotschaften zum Anfassen im Briefkasten spielten in Zeiten des allgegenwärtigen „digitalen Grundrauschens“ ihre Glaubwürdigkeits-Trümpfe aus, etwa bei Spendenaufrufen.
Jenseits des fälligen digitalen Aufbruchs bei Paragon hat Alexander Schäfer neue Aufgabenfelder für das gedruckte Dokument ausgemacht. Immer mehr Banken, Versicherungen oder große Telekom-Konzerne etwa ließen sich von Paragon die Druck- und Versendearbeiten, etwa für Kontoauszüge, Policen oder Rechnungen abnehmen, auf Kosten der Poststelle im jeweils eigenen Haus. „Da ist noch viel Luft nach oben“, hat Schäfer erkannt.
Die dezentralen Standorte sind ein Trumpf, sagt der CSO
Damit sich Porto- und Transportkosten und, immer gefragter bei den Kunden, der CO2-Ausstoß beim Versenden in Grenzen halten, setze man auf die bewährte dezentrale Struktur der Paragon-Standorte, sagt der „Chief Sales Officer“ (CSO). Und da spiele Schwandorf eine wichtige Rolle. Ebenso wie an den drei weiteren, im ganzen Land verteilten Standorten könne man von dort aus alternative, günstigere Postwege ausloten und für kurze Transportstrecken sorgen. Und beim Ausfall eines Standorts könne ein anderer rasch einspringen.
Denn bei einem Unternehmen für Kundenkommunikation gehe Zuverlässigkeit und Flexibilität über alles. „Wenn ein Kunde seine Rechnungen nicht versenden kann, ist das eine Katastrophe.“ Einen Telekommunikations-Riesen bediene Paragon sogar aus beiden Welten: Die monatliche Rechnung kommt per SMS aufs Handy, reagiert der Kunde darauf nicht, noch einmal per Brief – beides von Schwandorf aus gesteuert.
Bis zu 100 neue Jobs für Schwandorf
Nicht nur deshalb ist Schäfer nicht bange um das Konzern-Standbein in der Oberpfalz mit seinen rund 400 Mitarbeitern. Mit nennenswerten Abgängen wie vor zwei Jahren, als man sich von 60 Mitarbeiterinnen aus der defizitären „Tischarbeit“ trennte, rechnet er nicht. Im Gegenteil: Neue Gesichter würden dringend gesucht, wenn auch eher solche aus dem IT-Bereich als aus dem Pool der ungelernten, aber spezialisierten Mitarbeiter, wie sie zum Großteil in Schwandorf zu finden seien.
Großauftrag für Schwandorf: Briefwahlunterlagen
Auf Schwandorf wartet Schäfer zufolge ein Großauftrag: Vom hiesigen Standort würden Briefwahlunterlagen für die deutschlandweite Sozialwahl im kommenden Jahr entgegengenommen, bearbeitet und wieder verschickt. Dass der Konzern solche Volumen und noch viel größere stemmen könne, veranschaulicht Alexander Schäfer anhand eines weiteren Auftrags: „Wir haben in der Pandemie den kompletten Versand der PCR-Tests in Großbritannien erledigt.“ Bis zu 1,5 Millionen Päckchen habe man verschickt – pro Tag.
Diese Sonderkonjunktur habe geholfen, die Pandemiezeit vergleichsweise ohne Blessuren zu überstehen. Dies, obwohl 2020 das Mailing-Geschäft erst einmal „komplett zusammengebrochen“ sei: „Die Einzelhändler konnten im Lockdown keine Coupons wie Payback ausgeben, weil keiner in die Geschäfte durfte, und die Onlinehändler hatten es nicht nötig, zu werben.“ Das Geschäft mit Dokumenten habe auch dem Standort Schwandorf geholfen, auf Kurs zu bleiben. Papierdokumente seien immer noch wichtig, vor allem bei Behörden, sagt Schäfer. Überhaupt sei es teils noch ein sehr langer Weg, den mancher öffentlicher Auftraggeber bis zum Ziel der papierlosen Verwaltung zu gehen habe. Manchen Auftrag habe man in der Pandemiezeit sogar abgelehnt, weil er den Datensicherheits-Standards des Unternehmens nicht genügt habe.
2,5 Millionen Euro in Schwandorf investiert
Schwandorf aber lebe gut von den öffentlichen Aufträgen. 2,5 Millionen Euro habe man im abgelaufenen Geschäftsjahr investiert, unter anderem in eine neue Druck- und in eine Kuvertiermaschine. Sorgen bereiten Schäfer allerdings die Papierpreise, die nur in eine Richtung zeigten. Insgesamt aber sieht er viele Chancen, um das Standbein in der Oberpfalz weiterzuentwickeln: „Da bin ich guter Dinge.“