Katharina Drescher-Seidl über das Landestormuseum an dem Stadtgeschichte erlebbar wird

Von Alexander Frimberger · 25. April 2024 um 11:00

4,6 Millionen Euro wird die Sanierung sowie die Neukonzeption des Landestormuseums kosten. Die Förderstellen überschlagen sich beim Lob für das Vorzeigeprojekt und greifen tief in die Tasche: 2,8 Millionen Euro steuern sie bei (wir berichteten).

Auch ein Verdienst von Katharina Drescher-Seidl, die eine genaue Vorstellung davon hat, wie die Zukunft des Hauses aussehen soll.

Erstmals mit einem neuen Museumskonzept für Furth im Wald hat sich die Kulturwissenschaftlerin schon vor mehr als zehn Jahren im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigt. „Wie führt man ein Heimatmuseum in die Zukunft?, lautete die zentrale Fragestellung“, sagt die 35-Jährige.

Was ist typisch Furth?

Dazu musste erst einmal geklärt werden, wofür Furth im Wald eigentlich steht, was ist der kulturhistorische Hintergrund und was ist typisch Furth? „Die Aufgabe eines Stadtmuseums ist es dabei, die Geschichte der Stadt aber auch das Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten“, findet Drescher-Seidl.

Erst dann versteht der Besucher demnach, welche Bedeutung beispielsweise der Drachenstich für Furth im Wald hat. Fakt ist für die Wissenschaftlerin: „So etwas wie der Drachenstich überlebt nicht 500 Jahre, wenn es nicht etwas mit uns macht und es uns betrifft.“ Deswegen müsse man die Zusammenhänge verstehen. Von zentraler Bedeutung sei daher, Geschichten zu erzählen und nicht einfach Geschichte zu präsentieren. Alles hängt mit allem zusammen, die Lage Furths an der Grenze genauso, wie der Einfluss der Hussiten, Vertreibung, der Begriff Heimat, Stadtgeschichte oder eben der Drachenstich im Wandel der Zeit und unter dem Einfluss der Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation. „Grundsätzlich hat sich die Einstellung gegenüber Museen geändert“, erklärt Drescher-Seidl. Es gehe nicht mehr darum, nur die schönen Dinge zu erzählen, man müsse sich auch mit der Vergangenheit auseinandersetzen. „Zukunft braucht Herkunft, und ein Blick in die Geschichte kann die Zukunft beeinflussen.“

Viele haben das Gefühl, sie hätten lange am Eisernen Vorhang gelebt, geschichtlich gesehen war es ein kurzer Zeitraum. Das zu verstehen und sich mit dem Nachbarn auseinanderzusetzen habe etwas Völkerverbindendes. Aus all den genannten Gründen wird es im neuen Museumskonzept auch keine starren Abteilungen sondern Verzahnungen geben. So soll der Besucher eine Ahnung davon bekommen: Was ist typisch Furth? „Wir wollen nicht die Oberlehrer-Keule schwingen, der Besucher soll den Aha-Effekt haben.“

Trotzdem scheinen 2,1 Millionen Euro nur für die Planungs- und Finanzierungskosten für die Dauerausstellung für den Laien sehr hoch. Das ist laut Drescher-Seidl aber so nicht richtig. „Wir wollen keine herkömmliche Ausstellung sein, sondern Emotionen wecken.“ Dazu müssen unterschiedliche Medien sinnvoll genutzt werden. Es soll ein Angebot für alle werden, ein Ort für die ganze Gesellschaft. „Wenn man zu uns kommt, braucht man nicht irgendeinen Wissensstand.“ Dafür braucht es beispielsweise leicht verständliche Sprache oder Inklusion. „Wir haben einen Bildungsauftrag, das stimmt, aber wir wollen nicht nur Geschichtsunterricht anbieten, das Landestormuseum soll ein völkerverbindender Ort der Kommunikation werden.“

Begeisterung bei Fachstelle

Geplant ist, das Museum im Jahr 2026 wieder zu eröffnen. Schon jetzt ist Franziska Haar von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern von der Neukonzeption begeistert. Sie sagt: „Moderne Museumskonzeption, die nicht simplifiziert, sondern komplexe Zusammenhänge aufbereitet, ein Deutungsangebot macht und darüber Diskussion ermöglicht.“ Sie spricht dem Haus, das bis zur teilweisen Schließung im Jahr 2018 das besucherstärkste Museum im Landkreis war, eine herausragende Stellung zu. Noch einmal Drescher-Seidl: „Nur zwei Museen im Landkreis beschäftigen sich mit der Geschichte und dem Leben im lokalen Kontext.“ Wobei das Kreismuseum Walderbach derzeit geschlossen ist.