Ausgerissen, ausgesetzt, überfahren: Was tun gegen die Not vieler Katzen?

Von Alexander Frimberger · 11. April 2024 um 11:00

An vielen Supermärkten hängen Zettel von Katzenbesitzern, die nach ihren Lieblingen suchen. Am Straßenrand liegen Streuner, die unter die Räder gekommen sind. Roswitha Engl von der „Tierhilfe Furth im Wald – für Katzen in Not“, weiß warum das so ist.

18 Katzen leben im Moment auf Zeit in dem ehemaligen Hof am Drachensee, in dem Roswitha Engl mit ihrem Mann eine Wohnung renoviert hat. Eine von ihnen trägt gerade. „In den nächsten Tagen wird sie ihre Jungen bekommen“, schätzt die Katzenfreundin. Vier weitere Samtpfoten halten sich im Freien rund um das Gebäude auf.

Ungezügelte Vermehrung

Die „Hauskatzen“ haben nicht nur schöne Räumlichkeiten, sondern auch einen geschützten Freilauf in dem es ihnen gut geht. So unterschiedlich die einzelnen Charaktere sind, eines haben alle gemeinsam: Die Kater sind kastriert, die weiblichen Tiere sterilisiert.

Das ist Engls oberste Maxime. Sie findet, „es ist ein blödes Klischee es nicht zu tun, das bringt niemandem etwas nur Leid für die Tiere.“ Sie rechnet am Beispiel ihrer tragenden Mitbewohnerin vor: Wenn die fünf Junge bekäme, könne sie innerhalb kürzester Zeit wieder schwanger werden. „Manchmal töten die Kater die Jungen sogar.“ So wollen sie möglichst bald wieder zum Zug kommen. Junge Katzen sind mit einem halben Jahr geschlechtsreif. Also können die jetzt geborenen schon im Herbst selbst Nachwuchs bekommen.

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Auswüchse dieser ungezügelten Vermehrung sieht man laut Engl beispielsweise auf Höfen, wo 30 Katzen und mehr herumlaufen. „Das ist dann häufig Inzucht, die ebenso, wie beim Menschen zu gesundheitlichen Problemen und Missbildungen führen kann.“ Und weil die weiblichen Tiere mehrmals im Jahr rollig werden können, sei eben auch die Sterilisation wichtig. „Es ist jedes Mal eine Qual.“ Der Geschlechtstrieb der Streuner ist also ein Hauptgrund dafür, warum sie „spurlos“ verschwinden oder auch überfahren werden. Findet man eine streunende Katze, die dem Menschen zugewandt ist, kann man sie zum Tierarzt bringen. „Das kostet den Finder nichts, die Kosten muss in solchen Fällen die zuständige Gemeinde übernehmen“, verspricht Engl. Der Tierarzt schaut zuerst, ob der „Patient“ gechippt ist und so einem Besitzer zugeordnet werden kann. „Ist das nicht der Fall, fragt er bei mir an, ob ich einen Platz frei habe.“

Bis zu 40 Tiere hat sie schon gleichzeitig beherbergt. Einmal auch drei Katzen, die sehr menschenbezogen waren. „Das hat man sofort gemerkt, dass die jemandem gehört haben.“ Abgeholt hat die drei Samtpfoten aber niemand. Sie ist sicher: „Wer sein Tier wirklich sucht, der ruft überall an, ob sein Liebling gefunden wurde, auch bei mir.“

Das zeigt ein weiteres Problem, das teilweise erschütternde Folgen hat. Viele Katzenbesitzer fahren weite Strecken und setzten ihr Haustiere dann aus. Besonders schlimm war es demnach nach der Corona-Pandemie. Die Gefährten, die im Lockdown erwünschte Abwechslung boten, wurden später lästig. Engl weiß von einer Katze, die fernab von Siedlungen im Wald ausgesetzt wurde. Als man sie gefunden hat, sei sie voll Würmer gewesen. „Die ist an das wilde Leben gar nicht gewohnt, hat halt immer irgendwas gefressen.“

Das Leid der Katzen

Viele hundert Fälle hat Roswitha Engl in ihrer 20-jährigen Laufbahn schon aufgenommen und weitervermittelt. Sie bestätigt, dass man manchmal ein dickes Fell braucht. Aber heute wie damals gilt, sie kann das Leid der Katzen nicht sehen.

Deswegen betont sie immer wieder, wie wichtig die Kastration ist. Wenn jemand ein Tier bei ihr adoptieren möchte, dann kostet das eine Schutzgebühr von 120 Euro. Die Tiere sind immer kastriert, geimpft und gechippt. Nach vier Wochen Aufenthalt in ihrem Katzenhaus vermittelt sie ihre Schützlinge weiter. Sie schaut sich schon genau an, wer da kommt und sich eine Katze holen will. Aber Engl hat offensichtlich ein gutes Auge. In ihrer Laufbahn hat sie nur fünf neuen Besitzern bei nachfolgenden Besuchen die Katzen wieder weggenommen, weil die Haltung ganz und gar nicht artgerecht war.

Sind Katzen kastriert, streunen sie nicht, halten sich eher in ihrem angestammten Umfeld auf.