Ist Gleitzeit an Chamer Schulen denkbar? Schulleiter geben Einschätzung ab

In Plochingen in Baden-Württemberg wagen Siebtklässler eines Gymnasiums ein Experiment, das die traditionellen Grenzen des Schulalltags aufbricht: Ein Gleitzeitmodell, das ihnen erlaubt, den Unterricht später zu beginnen. Diese Initiative, die auf eine flexiblere Gestaltung des Schultages abzielt, stößt auf landesweite Resonanz. Ist ein solches Modell auch für die Schulen in Cham denkbar?
Mittlerweile macht sich auch der bayerische Landesschülerrat stark für eine Anpassung der Unterrichtszeiten im gesamten Freistaat und fordert einen späteren Start in den Schultag. Währenddessen hält das Kultusministerium an den bestehenden Strukturen fest und sieht keinen Grund für Veränderungen.
Für und Wider
Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern bewerten vier Chamer Schulleiter den Vorstoß und beleuchten die Möglichkeiten und Herausforderungen, die mit der Einführung von Gleitzeit an ihren Schulen verbunden wären.
Barbara Dietzko, Schulleiterin des Beruflichen Schulzentrums (FOS, BOS und WS) in Cham, spricht sich für einheitliche Schulzeiten und somit gegen ein Gleitzeit-Modell aus. Beim Großteil der Schüler sei die Disziplin sehr unterschiedlich ausgeprägt, weshalb sie befürchtet, dass durch mehr zeitliche Flexibilität die Leistungen vieler Jugendlichen abnehmen könnten.
Späterer Beginn vorstellbar
Allerdings hat die Schulleiterin des beruflichen Schulzentrums nichts gegen einen späteren Schulbeginn einzuwenden: „Der Unterricht sollte grundsätzlich etwas später beginnen. Ich fände es sinnvoll, eine halbe Stunde später in den Schultag zu starten. Bei einem noch späterer Unterrichtsbeginn würde sich der Schultag aber zu sehr in den Nachmittag ziehen – das wäre für Schüler, die beispielsweise Förderunterricht besuchen, unvorteilhaft.“
Ein Gleitzeit-Modell für Schulen unterstützt Dietzko auch deshalb nicht, weil gerade Schüler der Abgangklassen, etwa die elften Klassen der FOS, lernen sollen, Verantwortung für ihr späteres Berufsleben zu übernehmen: „Wir wollen die Jugendlichen möglichst gut an die Arbeitswelt heranführen – und dazu gehört eben auch das frühe Aufstehen. Die meisten Betriebe fangen ja auch relativ früh mit ihrer Arbeit an. Deshalb tut man den Schülern auch keinen Gefallen, wenn man sie in dieser Hinsicht verhätschelt.“
„Die Idee ist grundsätzlich nicht verkehrt“
Rudolf Zell, Schulleiter des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham, zeigt Verständnis für den Wunsch der Schüler nach einem flexiblen Unterrichtsbeginn: „Die Idee ist grundsätzlich nicht verkehrt, da jeder Mensch einen anderen Tagesrhythmus hat. Ich kann den Wunsch nach einem Gleitzeitmodell nachvollziehen.“ Gleichzeitig sei die Umsetzung dieser Idee am Robert-Schuman-Gymnasium aus organisatorischen Gründen aktuell nicht machbar.
„Unsere Schüler kommen aus dem gesamten Landkreis und sind zum Teil auf öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Züge angewiesen. Deshalb brauchen wir nach wie vor einheitliche Unterrichtszeiten“, so Zell. Was einen späteren Unterrichtsbeginn angeht, zeigt sich der Gymnasialschulleiter wie seine Kollegin Barbara Dietzko offen.
Acht Uhr morgens als „optimale Uhrzeit für Unterrichtsbeginn“
Anders sieht die Situation Irene Träxler, Schulleiterin der Chamer Johann-Brunner-Mittelschule: „Acht Uhr morgens ist die optimale Uhrzeit für Unterrichtsbeginn. Diese Zeit hat sich über Jahre hinweg bewährt und ist auch heute sinnvoll.“ Zum einen sind die Schüler ihrer Einschätzung nach – trotz eines kleinen Morgentiefs – vormittags am aufnahmefähigsten: „In der ersten Unterrichtsstunde brauchen Kinder und Jugendliche nun mal Zeit, um in die Gänge zu kommen. Aber auch dieses Tief würde sich mit einem späteren Schulbeginn zeitlich einfach nur nach hinten versetzen.“
System ist noch relativ starr
Auf der anderen Seite würde ein späterer Schultagbeginn auch ein späteres Unterrichtsende bedeuten, was Träxler ihren Schülern nicht zumuten möchte: „Gerade im Sommer wollen die Jugendlichen nach der Schule noch etwas vom Tag haben. Dazu kommen außerschulische Termine und Vereinsaktivitäten, die nachmittags stattfinden. Unser System ist nun mal komplett auf eine bestimmte Zeit ausgelegt.“
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Viele Schüler sind auf Busse angewiesen
Dem stimmt auch Siegfried Zistler, Schulleiter der Werner-von-Siemens-Berufsschule in Cham, zu: „Unser System ist noch relativ starr. Dies zeigt sich bereits anhand der Schülerbeförderung. Da viele Schüler auf die Schulbusse angewiesen sind, brauchen wir einen einheitlichen Unterrichtsbeginn.“ Gleichzeitig zeigt sich der Berufsschulleiter offen für neue Ansätze: „In der Regel ist Flexibilität gut und sinnvoll. Wenn es gute Argumente gibt, kann man gerne neue Dinge ausprobieren. Ich bin überzeugt, dass sich durch diese Debatte in den nächsten Jahren etwas tun wird, doch alles braucht seine Zeit.“



