Trasching hat den kleinsten und gleichzeitig höchstgelegenen Kindergarten der Stadt Roding

Von Christoph Klöckner · 22. April 2024 um 05:00

Es liegt nicht an der ehemaligen Nutzung des Gebäudes, dass die Kinder heute besonders auf Zack sind. Hier war früher die Schule von Trasching, wo gerade Leon und Moritz mit Naomi oder auch Hannah um den herabhängenden Sitzkorb wuseln. Es ist der Raum, der im Kindergarten St. Christophorus viele Möglichkeiten bietet und Fantasien freisetzt.

Er ist zwar der kleinste Kindergarten der Stadt Roding, der mit 19 Kindern der Altersstufen zwischen fast drei Jahren bis zu angehenden Schulkindern reicht und gerade alle Plätze besetzt hat, doch vom Raumangebot zählt er zu den großen. Mehr als großzügig ist die Einrichtung im Untergeschoß der alten Schule von den Quadratmetern her, dazu wartet ein großer Spielplatz und viel Wald vor der Tür. Das wissen auch Einrichtungsleiterin Monika Nicklas und ihre Kollegin Karin Schweiger, die die Weite in ihr Konzept einbauen.

Eigeninitiative fördern

Was das heißt? Die gelernte Erzieherin und die Kinderpflegerin, die viel Erfahrung mitbringen, wollen die Kinder in dem bestärken, wo der Nachwuchs heute oft hinterherhinkt. Gesellschaftsbedingt werde Kindern heute oft zu wenig Raum für Eigeninitiative und Kreativität gegeben, sagt Monika Nicklas. Viele würden mit Medien, Events und Spielsachen überhäuft, manche so von Eltern und Großeltern umgarnt, dass sie keine Eigeninitiative und auch kein Sozialverhalten mehr entwickeln könnten. „Die Kinder geraten in Freizeitstress. Für die eigene Kreativität bieten wir den Raum und die Freiheit“, sagt die Leiterin, die seit 2011 hier arbeitet. Damit werde den elf Mädels und acht Jungens das geboten, was sie brauchen würden. „Das, was sie hier lernen, können sie mit keinem Arbeitsblatt oder sonst wie durch vorgegebene Spiele erlernen“, ist sich Karin Schweiger sicher.

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Das heißt etwa, wenn Anton und Leon die Stühle zusammenstellen, dann werden daraus in den Köpfen gewaltige Bulldogs und schnell einmal ein Fantasie-Rennen über den Acker. Oder das Keilkissen im Turnraum wird zum Flugobjekt für den Supermann, den Anton gerade verkörpert. „Es braucht nicht viel, damit die Kinder selbst Spiele erfinden“, sagt Karin Schweiger. Diese spielerischen Fähigkeiten, Dinge zu entwickeln und sich in der Gruppe zurechtzufinden, seien wichtig fürs spätere Leben. Früher sei das selbstverständlich gewesen – heute eher vernachlässigt. Ab und an wird auch der Computer gebraucht, um Dinge nachzuschauen, die im Alltag zur Sprache kommen, wie Sonne, Mond und Sterne oder auch das Aussehen von Schneeflocken. Dass den Kindern moderne Technik nichts Fremdes für sie ist, haben die beiden Fachkräfte vor Ort auch schon erlebt – als sich einer der Jungen das Handy von Karin Schweiger schnappte und einen Videoanruf zu deren Mutter schaltete. „Aufgelegt hat er dann auch wieder – weil ich das nicht konnte!“, lacht Karin Schweiger. Neben der Förderung der Kreativität der Kinder komme es ihnen auch auf eine Wertevermittlung an.

Manches Kind kenne keine Regeln und auch kein Mitgefühl mehr, da es zu Hause immer im Mittelpunkt stehe, meint Monika Nicklas. „Wir konzentrieren uns da auf Grundsätzliches, wie etwa Tischkultur oder auch die Sprachentwicklung. Es ist nicht so, dass nur ausländische Kinder Hilfe dabei brauchen.“ Da immer mehr Eltern komplett zur Arbeit gingen, werde die Freizeit oft zur Kinderverwöhnzeit, da falle dann manches unter den Tisch, was eigentlich nötig sei.

Als Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft der Kirchenstiftung von Trasching würden auch Glaubenswerte vermittelt, was jedoch für Kinder wie Eltern kein Problem darstelle. Die Eltern wüssten das – auch die, die aus anderen Ländern kämen oder deren Kinder ungetauft seien. Alle würden integriert – selbst, wenn sie kein Deutsch reden würden – „Kinder sind neugierig, die verständigen sich mit Händen und Füßen!“ Jedoch seien die meisten hier aus Trasching und Umgebung, noch katholisch verwurzelt, wie auch der Kindergarten mit dem Dorf und seinen Traditionen eng verwoben ist.

Start mit Morgenkreis

Der Kindergartentag starte ab 7.15 Uhr. Nach dem Bringen treffe man sich im Morgenkreis bei Liedern und Gebet. Der Tag endet mittags – spätestens um 13.45 Uhr – so lange sei buchbar, doch aktuell bleibe kein Kind bis zu der Uhrzeit.

Der Vorteil der kleinen Einrichtung, wie sie Trasching biete, sei die Übersichtlichkeit, jedes Kind habe man im Blick, so die beiden Fachkräfte. Schwierig werde es bei Krankheit – aktiviert werde in solchen Notfällen die Reinigungskraft des Kindergartens, Christl Hecht, so Monika Nicklas. Dann gehe es zuerst um die Beaufsichtigung der Kinder – einer allein dürfe nicht arbeiten.

Dass heute an vielen Stellen in Krippen und Kindergärten Fachkräfte fehlen würden, hänge mit Faktoren wie Bezahlung und Wertschätzung zusammen, sagt Monika Nicklas – da sei vieles versäumt worden. Dem Beruf fehle es an gesellschaftlicher Anerkennung, gleichzeitig wachse allgemein der Anspruch der Eltern an Einrichtungen wie Krippe oder Kindergarten.

Dennoch – die Arbeit macht Spaß, beteuern Monika Nicklas und Karin Schweiger. Und das geht auch auf die Kinder über, wie man beim Besuch schnell feststellt.

Das sind sie, die Kinder des kleinsten und höchstgelegenen Kindergartens der Stadt Roding. Foto: Nicklas
Manchmal gibt‘s auch Einzelbetreuung mit Karin Schweiger.
Eine kleine Turnhalle biete volle Bewegungsfreiheit, sagt Monika Nicklas – auch bei Regen.