Willmeringer ist verantwortlich für Kreuz auf dem Lohberger Steindl – Farbenspiele durch Epoxidharz

Von Sabrina Kauer · 19. April 2024 um 11:00

Arber, Osser, Zwercheck – auf diesen und weiteren Bergen im Bayerischen Wald gibt es Gipfelkreuze. Seit einigen Monaten thront ein solches auch auf dem Aussichtsfelsen Lohberger Steindl. Verantwortlich für die Markierung ist ein Willmeringer. Mit der Genehmigung dafür ging es ganz unkompliziert.

„Der Lamer Winkel ist für mich fast wie ein zweites Zuhause“, sagt Oliver Reisch (48) aus Willmering. „Ich arbeite im Innendienst und deswegen brauche ich viel Bewegung. Ich gehe sehr viel wandern, hauptsächlich im Lamer Winkel. Ich bin da wahnsinnig gerne hinten und auch sehr, sehr oft“, sagt er.

Sehr, sehr oft geht der 48-Jährige auch auf das Steindl in Lohberg. „Den Gedanken, da ein kleines Kreuz hinzumachen, habe ich schon seit Jahren. Ich habe mir schon immer gedacht: Mei wär’ das schön, wenn da ein kleines Kreuzerl stehen würde. Da hast du auch so eine schöne Aussicht runter ins Tal.“

Aus seinen Überlegungen wurde mit Hilfe des „Kreuzbauers“, der Tourist-Info Lohberg sowie des Jagdpächters und der Waldbesitzerin schließlich ernst. Seit Oktober 2023 ziert den Aussichtsfelsen nun ein kleines Gipfelkreuz. Es ist überwiegend aus Holz, in der Mitte besteht es aus einem gold-blau gefärbten Epoxidharz. „Je nach Licht- oder Sonneneinstrahlung schaut das Harz immer anders aus“, weiß Heinrich Saller (42), der das Kreuz gebaut hat.

Nicht sein erstes Werk

Saller kommt aus Kollnburg (Landkreis Regen) und ist gelernter Schreiner. Im Moment sei er zwar eher im Büro tätig, dennoch beherrscht er sein Handwerk nach wie vor. Zu seinen Werken zählen nicht nur das Kreuz auf dem Lohberger Steindl, sondern unter anderem auch Uhren, Sockel für Stehlampen und Brotzeitbretter. „Das ist so eine Sonntagsbeschäftigung bei schlechtem Wetter“, sagt er. Seine Arbeiten fertigt er hauptsächlich – wie sollte es auch anders sein – aus Holz. „Damit kann ich umgehen.“

Das kleine Gipfelkreuz in Lohberg ist nicht sein einziges, auch das auf dem Klausenstein (Gemeindegebiet Bernried, Landkreis Deggendorf) stammt von ihm. „Das haben zwei Spezln und ich gemacht. Es ist eine Ehre, dass man mit seinen Kreuzen schon auf zwei Gipfeln oben stehen darf“, sagt der Kollnburger.

All das macht Saller nach eigener Aussage hobbymäßig. Seine fertigen Werke, so auch das Klausenstein-Gipfelkreuz, postet er später auf Instagram. Auch Oliver Reisch hat das gesehen. „Er hat mich daraufhin angeschrieben und mich gefragt, wie das mit der Umsetzung klappt, denn es ist ja nicht ganz so einfach, dass man einfach wo ein Kreuz hinstellen darf. Aber wenn alles offiziell seine Richtigkeit hat, bin ich gerne bereit, so etwas zu machen“, sagt Saller.

Es komme nämlich darauf an, wem der entsprechende Wald gehört. Dann brauche es erst einmal Genehmigungen zur Errichtung eines Kreuzes „und das zieht weite Kreise, denn dass jeder dafür ist, ist gar nicht so einfach“, sagt der gelernte Schreiner. Doch über die Errichtung des Kreuzes auf dem Lohberger Steindl sei man sich schnell einig gewesen.

Wichtig, dass es erlaubt ist

„Mir war es wichtig, dass es erlaubt ist und es keinen Ärger gibt“, sagt Oliver Reisch. Deswegen habe er bei der Tourist-Info in Lohberg angefragt, ob es denn möglich wäre, dort oben auf dem Steindl ein Kreuz anzubringen. „Die waren auch gleich voll begeistert und haben mich dann an den Jagdpächter weitervermittelt“, so Reisch.

Das bestätigt die Gemeinde Lohberg auf Nachfrage: „Herr Reisch hat bei uns angefragt. Da es sich aber beim Lohberger Steindl nicht um Gemeindegrund handelt, haben wir ihn an die Grundstückseigner verwiesen. Auf alle Fälle muss der Grundstückseigentümer einverstanden sein.“

Erst skeptisch, aber dann überzeugt

Und so war es auch. „Ich muss sagen, zuerst war ich skeptisch, weil eh auf jedem Gipfel ein Kreuz steht. Es gehen ja auch immer weniger Leute in die Kirche. Aber Oliver hat mir ein Bild vom Kreuz gezeigt. Es ist filigran, nicht einmal einen halben Meter groß und handwerklich sowie künstlerisch gut gemacht. Ich finde es toll“, sagt Ullrich Mühlbauer (52) vom Berggasthof Eck in Arrach.

Er ist als Jagdpächter und Forstaufsicht für den Hang oberhalb des Steindls zuständig. Mühlbauer habe die Waldbesitzerin aus Straubing kontaktiert und diese habe ihr Einverständnis gegeben. „Wir haben ihr Bilder von mehreren Kreuzen geschickt und sie hat sich dann eines davon ausgesucht. Auch sie war begeistert, es hat ihr gefallen“, sagt Oliver Reisch.

„Es war mir wichtig, dass das Kreuz nicht in irgendeinen Wald kommt, sondern an ein ,offizielles Fleckerl’, wo die Wege da sind und die Leute eh hingehen. Ich finde es schön, wenn man da dann ein schönes Ziel hat. Wer hingeht, soll Freude daran haben “, sagt Reisch.

Als würde das Epoxidharz brennen...
Bei Sonnenuntergang erstrahlt das Kreuz.
„Ich habe mir schon immer gedacht: Mei wär’ das schön, wenn da ein kleines Kreuzerl stehen würde“, sagt Oliver Reisch, der für das Kreuz auf dem Lohberger Steindl verantwortlich ist.