Mord an Further Schuhhändler vor 31 Jahren: Wird der Täter doch noch gefunden?

Am 8. Februar 1993 wurde Karl Perlinger in seinem Schuhgeschäft in Furth im Wald (Lkr. Cham) ermordet. Die Tat konnte nie aufgeklärt werden. Kann das nach so langer Zeit noch gelingen? Die Kriminalpolizei Oberpfalz und das Landeskriminalamt (LKA) haben Antworten.
Vor allem den älteren Furthern wird der Fall in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Wie Polizeihauptkommissarin Corinna Wild von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Regensburg mitteilt, konnte im Zuge der Ermittlungen festgestellt werden, „dass Herr Perlinger um 9 Uhr morgens seine Bank aufsuchte, um die Einnahmen vom Wochenende einzuzahlen. Danach öffnete er sein Schuhgeschäft. Gegen 10 Uhr betrat ein Kunde das Geschäft und fand hier den Leichnam von Herrn Perlinger. Hinzugerufene Rettungskräfte konnten nur mehr den Tod von Herrn Perlinger feststellen, welcher einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war.
Sieben Messerstiche
Eine Obduktion ergab, dass das Opfer an sieben Messerstichen gestorben war. Weitreichende Ermittlungserfolge gab es damals und gibt es bis heute nicht. „Nach Auswertung aller gewonnenen Erkenntnisse gehen die Ermittler heute davon aus, dass der Täter das Schuhgeschäft bereits mit Tötungsabsicht aufsuchte und die Arglosigkeit des Opfers ausnutzte“, so Wild.
Trotz oder wegen der dünnen Spurenlage hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen nie ganz eingestellt, wie die Pressefrau erklärt: „In den vergangenen Jahren wurde der Fall mehrmals wiederaufgenommen. Hierzu wurde eine Vielzahl von Zeitzeugen im gesamten Bundesgebiet und in Tschechien nochmals befragt und die Angaben mit den vorhandenen Akten abgeglichen. Auch eine Hinzuziehung von Fallanalytikern aus München brachte keine neuen Erkenntnisse. Hinweise und immer wieder aufkeimende Gerüchte, der Getötete habe eine Beziehung zu einer Frau aus Tschechien gehabt, konnten im Rahmen der Ermittlungen nicht bestätigt werden.“
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„Mord verjährt nie“
Aber besteht denn überhaupt noch eine Chance, einen Schuldigen zu finden und den Fall abzuschließen oder werden die Akten gar irgendwann für immer geschlossen? „Mord verjährt nie“, sagt Fabian Puchelt, Pressesprecher beim LKA in der Bayerischen Landeshauptstadt. Die Akten blieben grundsätzlich beim zuständigen Polizeipräsidium, werden dort aufbewahrt. „Aber kein Fall wird vergessen, vielmehr immer wieder einmal geprüft.“ In unregelmäßigen Abständen werden Fälle gezielt herausgeholt und angesehen. Das macht deshalb Sinn, weil die modernen Ermittlungsmethoden zu Treffern führen können, die vor 30 Jahren noch nicht möglich waren. „Wir fungieren in diesen Fällen als Servicestelle für die Kriminalpolizei“, erklärt Puchelt. Beim LKA befinden sich Labore und das Know How, Kommissar Zufall auf die Sprünge zu helfen.
Vollständige DNA-Spur und mehrere Mischspuren gesichert
Das kann ein alter Fingerabdruck sein, den man vorher nicht zuordnen konnte. In einer Datenbank sind alle gesicherten Abdrücke gespeichert. Da kann es sein, dass es im Zusammenhang mit einem anderen, viel jüngeren Fall, plötzlich eine Übereinstimmung gibt. Der Fachmann nennt das „Spur-Spur-Treffer“, wenn ein Mörder ermittelt werden kann, weil er später andernorts beispielsweise einen Diebstahl begeht. Natürlich ermöglichen auch moderne Methoden, DNA-Spuren von vor 30 Jahren auszuwerten und so einen Mörder noch ausfindig zu machen. Die Regensburger Kommissarin bestätigt diese Vorgehensweise: „Die nach der Tat sichergestellten Asservate, allen voran die Kleidung des Mordopfers, wurden wiederkehrend nach neusten wissenschaftlichen Methoden auf Spuren von verschiedenen Instituten untersucht.
So konnten zwischenzeitlich eine vollständige DNA-Spur und mehrere Mischspuren gesichert und typisiert werden. Die Spuren sind in der DNA-Analyse-Datei eingestellt und werden tagesaktuell mit dem nationalen und europäischen Bestand abgeglichen - bis dato ohne Ergebnis.“
Chancen sind klein aber da
Also doch keine Chance mehr, den Fall nach so vielen Jahren zu lösen? Das sieht Puchelt anders. Auch wenn es Einzelfälle sind, Ermittlungserfolge gibt es immer wieder. Er erinnert sich zum Beispiel an eine Vergewaltigung, die mit modernsten Ermittlungsmethoden Jahrzehnte nach der Tat aufgeklärt werden konnte.

