Größte Herausforderung ihres Sportlerlebens: Lohbergerin wagt erstmals 100-Kilometer-Distanz

Von Sabrina Kauer · 12. Februar 2024 um 16:49

Sabine Wurmsam (34) ist Trailrunnerin. Seit Jahren ist sie regelmäßig mit Laufschuhen auf heimischen und internationalen Bergen unterwegs. Nun steht die Lohbergerin vor der größten Herausforderung ihres Sportlerlebens: Heuer wagt sie sich zum ersten Mal an die Distanz von mehr als 100 Kilometern, obwohl sie vor etwa zwei Jahren noch fest davon überzeugt war, dass sie, wie sie sagt, „einen 100er in diesem Leben niemals laufen wird“.

Sabine Wurmsam läuft seit 18 Jahren. „Es ist zunehmend mehr geworden. Ich bin dann einen Halbmarathon gelaufen, und wollte wissen, ob ich auch einen Ganzen schaffe“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch das Laufen auf der Straße sei nie „ihres“ gewesen, sagt die Lohbergerin. Lieber rauf auf die Berge, mitten hinein in die Natur.

Immer mehr Wettkämpfe

Beim ersten Ultra Trail Lamer Winkel (U.TLW) 2015 kam Sabine Wurmsam in Berührung mit der Trailrunner-Szene. 2018 siegte sie beim Arberland Ultratrail über 41 Kilometer Strecke und wurde ins Team xc-run.de aufgenommen. Von da an bestritt sie immer mehr Wettkämpfe. „Über das Team ist es einfacher, Startplätze zu bekommen, vor allem für begehrte Läufe“, sagt die 34-Jährige.

Seither hat sie schon an vielen Trailrunning-Wettkämpfen teilgenommen, beispielsweise beim Lavaredo Ultra Trail in den Dolomiten, dem Julian Alps Trail Run in Slowenien oder beim Ultra Trail auf dem Mont-Blanc, dem größten Trailrunning-Event der Welt. Doch da gibt es einen Ultramarathon, der für Sabine Wurmsam immer etwas besonderes sein wird: Der Eiger Ultra Trail. Auf dem Berg in den Berner Alpen in der Schweiz ist sie „den ersten Ultra Trail überhaupt gelaufen“, sagt Wurmsam. Zweimal hat sie dort schon die 51 Kilometer bei 3100 Höhenmeter bezwungen. 2021 wurde sie Zweite.

Dort, wo es einst anfing, möchte sie heuer im Juli ihren ersten 100er bestreiten. „Der 100er wird dieses Jahr mein Saisonhighlight“, sagt Wurmsam. Jährlich läuft die Lohbergerin zwischen fünf und acht Wettkämpfe. „Meine Paradedisziplin liegt bei Strecken zwischen 50 und 70 Kilometern“, sagt sie.

Doch wieso wagt sie sich heuer an die 100-Kilometer-Distanz? „Ich habe immer gesagt: Ich laufe niemals einen 100er“, so Wurmsam. Als sie 2021 beim Eiger Ultra Trail als Zweite bei den Frauen ins Ziel kam, habe der Moderator zu ihr gesagt: „Nächstes Jahr wollen wir dich beim 100er sehen“. Sabine Wurmsams Antwort sei ein klares „Nein“ gewesen, „aber irgendwie hat mich der Gedanke an den 100er seitdem nicht mehr losgelassen“, erzählt sie.

Noch nie so weit und lange am Stück gelaufen

Noch nie ist die Lohbergerin so weit und lange am Stück gelaufen. „70 Kilometer waren bis jetzt die längste Strecke. Aber ich war danach nie so kaputt, dass ich gesagt habe: Ich kann nicht mehr. Deswegen habe ich mir gedacht, dass die restlichen 30 Kilometer auch noch irgendwie möglich sein müssen.“

2023 habe sie sich noch nicht an diese sportliche Herausforderung herangetraut. Doch heuer möchte sie es endlich probieren. 101 Kilometer, 6700 Höhenmeter: Etwa 16 bis 18 Stunden wird Sabine Wurmsam bei diesem Trail laufen, schätzt die Athletin. „Angst habe ich nicht davor, aber Respekt.“ Was die Lauftaktik betrifft, braucht die gelernte Bürokauffrau keine Übung mehr. Eher müsse sie sich einen Plan überlegen, wie sie sich während des Laufs versorgt. Bisher habe sie sich beim Laufen immer nur mit Energie-Gels gestärkt. Doch nur die werden beim 100er nicht reichen. „Da werde ich auch an der ein oder anderen Verpflegungsstation halten und essen müssen“, sagt Wurmsam.

Ansonsten läuft sie in Vorbereitung auf den 100er „so wie immer.“ Ihre Wochenkilometer liegen bei um die 100. Im vergangenen Jahr legte sie nach eigener Aussage 5100 Kilometer und 235.000 Höhenmeter zurück. Das „Gefühl von Freiheit“, bewegt sie dazu, immer weiterzumachen, sagt sie. Ein „kurzer nach der Arbeit-Lauf“ führt sie regelmäßig auf den Großen Arber. Dann startet sie „von daheim“ – also in Lohberg.

Dennoch bleibt das Laufen bzw. das Trailrunning für Sabine Wurmsam ein Hobby. „Ich gehe ganz normal in meine Arbeit und laufe, wenn ich Zeit und Lust habe. Es gibt auch Tage, da hab’ ich keine Lust. Der Spaß steht bei mir an erster Stelle.“ Auch Familie und Freunde haben bei der Bergläuferin einen großen Stellenwert: „Ich schaue darauf, dass das nicht zurückbleibt.“

Sport wird negativ bewertet

In ihrer Vergangenheit habe sie schon häufig erlebt, dass andere das Laufen negativ bewerten und behaupten würden, dass die (Hobby)Sportler den ganzen Tag nichts anderes mehr machen als laufen. „Oft wird man blöd angesprochen. Ich finde es schade, dass immer gleich behauptet wird, dass Läufer süchtig nach ihrem Sport wären. Vielleicht liegt es daran, dass sich die meisten das einfach nicht vorstellen können, was wir da machen. Aber ich würde sagen, dass es egal ist, welches Hobby oder welchen Sport man betreibt: Wenn man Freude und Spaß daran hat, dann braucht man das einfach im Leben. Andere legen sich nach der Arbeit auf die Couch, ich laufe halt.“

Abseits der Straße

Trailrunning: Der Traillauf ist ein Langstreckenlauf abseits der asphaltierten Straße.

Siege von Wurmsam: 2018: 1. Platz Arberland Ultratrail 41 km; 2019: 1. Platz Kaitersbergtrail, 1. Platz Hochkönigman, 2. Platz Arberland Ultratrail 64 km, 2. Platz Altersklasse, 5. Platz gesamt Tour de Tirol, 3. Platz Cortina Trail, 3. Platz TAR Run2 mixed Team, 3. Platz IATF; 2021: 1. Platz Hochkönigman, 2. Platz Eiger Ultra Trail, 3. Platz U.TLW; 2022: 2. Platz IATF, 2. Platz Garda Trentino Trail, 3. Platz Madrisa Trail, 2. Platz Dachstein Torlauf; 2023: 1. Platz Julian Alps Trail

Nur eine kleine Auswahl an Preisen, die die Trailrunnerin schon abgesahnt hat Foto: Kauer
Nach Feierabend läuft sie gerne auf den Großen Arber – von Lohberg aus. Foto: woidlifephotographie