Geklaute Videos: Thomas Stecker aus Lam soll schweigen, damit er weniger Strafe zahlen muss

Inzwischen ist er bundesweit bekannt. Thomas Stecker, der YouTuber aus Lam (Landkreis Cham), der knapp 330.000 Euro Strafe zahlen sollte, weil er fremde Videos auf seinem YouTube-Kanal gezeigt hat, wird die ganze Aufmerksamkeit zu viel. Letzter Stand im Streit um die Urheberrechtsverletzung: Stecker soll eine Art Maulkorb verpasst bekommen.
„Ich will eigentlich nur noch, dass das alles vorbei ist“, sagt der 33-Jährige. Nachdem die MZ über sein Schicksal berichtet hatte, wurde das Thema von Nachrichtenmagazinen und Boulevardblättern in ganz Deutschland aufgegriffen.
Tückische Forderung bedroht Existenz
Neuerdings gibt es ein Vergleichsangebot der Gegenseite: Der Familienvater soll sich vertraglich verpflichten, kein Wort mehr über den Fall zu verlieren, dann werde seine Strafe auf rund 25.000 Euro verringert. Tückisch, findet Stecker, der Angst hat, sich auf solche juristische Spitzfindigkeiten einzulassen. Denn es sei schon so viel gesagt und geschrieben worden, da sei kaum einzugrenzen, dass eine alte Aussage von ihm nicht doch weiterverbreitet wird. „Bei Verstoß soll ich eine Vertragsstrafe zahlen, die der andere nach billigem Ermessen bestimmen kann.“
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Im Übrigen habe er den Namen seines juristischen Gegenspielers von Anfang an außen vor gehalten. Stecker ist zusammen mit seinem Viechtacher Anwalt noch immer um eine abschließende schriftliche, vor allem aber: außergerichtliche Einigung mit der Gegenseite bemüht. „Wenn es vor Gericht geht, kommen riesige Summen Anwaltsgebühr zusammen, das ist in der ersten Instanz schon fünfstellig“, ist Stecker geschockt.
Sohn schämt sich
Wegen seiner „Dummheit“, wie er selbst von Anfang an eingeräumt hat, steht sein gesamtes Leben und das seiner Familie auf dem Kopf. Seit der Brief mit der Forderung über 228.000 Euro Strafe ins Haus flatterte, ist der gelernte Papiertechniker nicht zur Ruhe gekommen.
Das sanierungsbedürftige Haus, für das er und seine Frau rund 300.000 Euro Schulden aufgenommen haben, steht auf dem Spiel. Die gesamte Lebensgrundlage.
Weil Stecker mit seinem Kanal und seinen rund 5800 Followern über das Youtube-Partnerprogramm 300 Euro verdiente, läuft er Gefahr, als gewerblich eingestuft zu werden – Grund für die hohen Forderungen und für seine Rechtsschutz-Versicherung, die Kostenübernahme zu verweigern.
Dazu kommt: Nicht nur er selbst, auch sein achtjähriger Sohn wird inzwischen „immer wieder blöd angeredet, der schämt sich schon“, bedauert Stecker.
Auch nach der Reduzierung der Forderung auf rund 35.000 Euro und einem nochmaligen Nachlass auf 25.000 Euro kämpft der gebürtige Geiersthaler noch mit der Frage, wie er das alles zurückzahlen soll. Immerhin: Auf der Spendenseite GoFundMe sind inzwischen rund 12.000 Euro zusammengekommen. „Wir sind sprachlos, wie viele Leute uns bei dieser Situation helfen. Dafür nochmals Danke Danke Danke“, meldet sich Stecker im Internet zu Wort.
Über 500 Leute spenden für den Lego-Infuencer
Aufgrund der vielen Spenden – bis zum Montag waren es 511 Spender, die den Youtuber unterstützten – konnte Stecker die 10.000 Euro Anzahlung leisten. Den Rest muss Stecker abstottern – zuletzt war von rund 300 Euro monatlich die Rede – „aber eigentlich ist das auch noch zu viel“, sagt Stecker. Er hofft, dass ihm die Gegenseite hier noch einmal entgegenkomme.
Im Internet hat Stecker neben einiger Häme auch viel tröstende und aufmunternde Worte erfahren. So schreibt ein anderer Youtuber, der 800 Euro gespendet hat: „Ich spende, da ich selbst in meiner Jugendzeit einen ähnlichen Fehler gemacht habe. Ich weiß, wie schwer diese Zeit und insbesondere die Ungewissheit über die vollständige Summe ist.“ Und er ermutigt Stecker: „Auch das geht rum und irgendwann lachst du darüber. Du wirst viel Erfahrung sammeln. (...) Ich bin daran gereift und habe daraus sogar mein Unternehmen entwickelt, um das Geld für die Abmahnung zu verdienen. Ich wünsche dir viel Erfolg. (...) Und denke immer daran: es ist nur Geld, die Welt wird nicht untergehen und du wirst am Ende eine Lösung finden.“
Auch andere sprechen ihm Mut zu: „Ich habe mir seit 2021 regelmäßig deine Videos angeschaut und wünsche dir und deiner Familie alles Gute!“
Zuspruch von Menschen aus ganz Deutschland
Und Jeremias S. schreibt: „Lieber Thomas, von einem Lego Fan zum anderen! Halte durch und verlier nicht den Mut. Und höre nicht mit deinem Hobby auf!“ Von seinem ehemaligen Hobby hat Stecker aber erst einmal genug: „Das Thema ist abgeschlossen.“ Viele seiner Legobausätze hat er mit Hilfe seiner Eltern zerlegt und verkauft, um die Strafe zu bezahlen. Sogar seinen ersten Bausatz, einen Bagger. „Das tut schon weh. Aber es hilft ja nichts.“
Auch die überregionale Berichterstattung, die ihm traurige Berühmtheit bescherte, wird Stecker zu viel. Neben Focus und Bildzeitung haben sich Sender wie Pro7 bei ihm gemeldet. „Ich will nicht ins Fernsehen, ich will nur, dass der Albtraum vorübergeht.“
Stecker hofft, dass sein Anwalt in den kommenden Wochen eine endgültige Einigung über die Sache erzielt.
Hintergrund
Der Fall: Thomas Stecker hatte jahrelang einen Youtube-Kanal unterhalten und darauf gezeigt, wie er Legosets zusammenbaut. Ende vergangenen Jahres zeigte er auf seinem Kanal „Lord Stexx“ Filme von Modelleisenbahnen, weil sein Sohn sich eine Bahn zu Weihnachten gewünscht hatte. Dafür verwendete er auch Filme anderer Youtuber, schnitt sie neu zusammen und veröffentlichte sie, ohne die Urheber zu fragen oder zu nennen.

