30 Jahre mietfrei: Wie geht es mit den kirchlichen Räumen des Fürstenkastens in Rötz weiter?

Am 28. Mai 1993 wurde der einstmals herrschaftliche Getreidespeicher, der Rötzer Fürstenkasten, nach über vierjähriger Bau- und Sanierungsarbeit offiziell seiner neuen Bestimmung übergeben – so kann es im Jubiläumsbuch zum 500-Jährigen der Stadterhebung nachgelesen werden.
Mit Zuschussmitteln aus verschiedenen Töpfen wurde der „historische, denkmalgeschützte Fürstenkasten zu einer ‘Stadthalle‘, einem ‘Haus des Gastes‘, kurzum zu einem ‘multifunktionalen Treffpunkt‘“, heißt es dort weiter.
Parallele Verwendung
Auch die Pfarrei St. Martin interessierte sich für den Fürstenkasten, der neben der „städtischen Nutzung“ eine parallele Verwendung als Pfarrheim erhielt.
Die Kirche beteiligte sich an dem Projekt, in den Umbau flossen hohe Summen aus Haushaltsmitteln der bischöflichen Finanzkammer ein. Und dafür habe man die Räume im ersten Stock über dem Tourismusbüro 30 Jahre lang mietfrei mit nutzen können, erklärt Kirchenpfleger Norbert Przybyla, einzig an den Betriebskosten habe man sich beteiligen müssen.
Die Räume befinden sich im Nebengebäude, dem sogenannten Reichlhaus, benannt nach einem Uhrmachermeister, dessen Privathaus es früher einmal gewesen war. Sie sind möbliert, außerdem gehören eine WC-Anlage und ein Putzraum mit dazu. Die wöchentlichen Treffen der Rötzer Mutter-Kind-Gruppe finden dort statt, die kirchlichen Vereine, wie die Kolpingsfamilie, der Frauenbund und die KAB nutzen die Räume ebenfalls mit. Auch der Rötzer Seniorenkreis trifft sich im Fürstenkasten, allerdings im Hauptgebäude. Der Belegungsplan für beispielsweise Saal und Museumstrakt kann im Veranstaltungskalender auf der Homepage der Stadt Rötz eingesehen werden.
Vergangenes Jahr im August ist nun, nach 30 Jahren, der Mietvertrag für die kirchliche Nutzung der Gruppenräume ausgelaufen. „Jetzt brauchen wir einen neuen Mietvertrag mit der Stadt“, erklärt Przybyla. Gerade, weil der Pfarrheim-Neubau 2022 nach jahrelangen Bemühungen gescheitert war, sei man auf die Räume angewiesen. Eine Alternative gibt es somit im Grunde nicht.
Momentan laufe alles noch zu den alten Bedingungen, die aber eigentlich nicht mehr zutreffen würden, weiter, so der Kirchenpfleger. Nichtsdestotrotz wolle man so bald wie möglich einen neuen Mietvertrag unterzeichnen, der wieder von Stadtrat und Kirchenverwaltung abgesegnet werden müsse. Momentan liege der Ball bei der Stadt, so Przybyla.
Auch dort will man an der Nutzung der Räume nichts verändern: „Es ist auf jeden Fall im Interesse der Stadt, dass die Kirche die Räume weiter nutzen kann“, sagt Bürgermeister Dr. Stefan Spindler auf Anfrage.
Er bittet um Verständnis, dass Vertragsinterna nicht nach außen gegeben werden könnten, unterstreicht jedoch, dass man an einem neuen Mietvertrag arbeite. Man befinde sich noch in der Abstimmung, aber: „Wir werden eine Lösung finden“, ist er sich sicher.
Räume werden viel genutzt
Das hoffen auch die kirchlichen Vereine und die Mutter-Kind-Gruppe. „Wir fühlen uns wohl in den Räumen“, sagt Michaela Hettler, die sowohl die MuKi leitet als auch Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes Rötz ist. Sie betont: „Wir brauchen die Räume für unsere Veranstaltungen und nutzen sie viel.“
Der Fürstenkasten:
Lage: Bei der Abzweigung der Hafner- von der Böhmerstraße steht der ehemalige Amts- oder Fürstenkasten, früher ein Getreidespeicher.
Stadtbild: Der mächtige viergeschossige Bau von 1840 bestimmt mit seinen Treppengiebeln nachhaltig das Stadtbild. 1979 erfolgte die Außenrestaurierung.
Quelle: Heimatbuch Rötz, S. 221