Der Luchs und seine Freunde: Am Gibacht sollen Monitore über das Tier Aufschluss geben

Es ist eine Idee mit Folgen gewesen. Seit Oliver Brückl im Stadtratsarbeitskreis Tourismus und Umwelt einen Luchs-Wanderweg angeregt hatte, ist die Wildkatze zu seinem beinahe allgegenwärtigen Begleiter geworden. Nun steht ein erstes Projekt kurz vor der Verwirklichung, wenn auch ein anderes, weitreichend eher im übertragenen Sinn.
Denn das Luchs-Natur-Info-Terminal, das Brückl und seine Mitstreiter am Gibacht einrichten wollen, soll nur der Startschuss für den Förderverein zur Gründung der Natur-Stiftung Böhmerwald-Schwarzachtal sein, dem der Waldmünchner mittlerweile vorsteht.
Der Name verrät es, und die zwei Info-Monitore sind ein gutes Sinnbild für die Ziele. Es geht nicht nur um den Luchs, wenngleich ihm ein Hauptaugenmerk gilt. Bei der Aktualisierung der roten Liste im Jahr 2020 ist er von „stark gefährdet“ auf „vom Aussterben bedroht“ hoch gestuft worden. „Das ist wirklich dramatisch“, betont Brückl.
Sein Einsatz für die Pinselohren kommt nicht von ungefähr. Bereits seit Kindertagen fasziniert ihn alles rund um die Wildkatze, deren Schicksal er stets verfolgte. Als der Arbeitskreis über Touristenattraktionen sinnierte, kam dem 51-Jährigen besagter Wanderweg in den Sinn – „auf einmal war das Thema wieder da, präsenter denn je“.
Ein faszinierendes Tier
Der bundesweit gefragte Experte zur Systemsicherheit der Stromnetze begann, die Geschichten aufzuschreiben, die er früher gehört hatte, sammelte Fakten, hielt die Ohren offen, fuchste sich rein. „Je mehr ich weiß, desto faszinierender wird‘s“, gibt er gerne zu.
So kam und kommt eines zum anderen, mittlerweile werde er gezielt angesprochen, bekäme Tipps, Hinweise und Berichte über faszinierende Begegnungen mit dem scheuen Waldbewohner. Deren Schilderungen gleichen sich: Der Luchs flüchtet schnell und gezielt, aber nicht panisch.
Genau diese Rückmeldungen sind es, die Brückl und „seinen“ aktuell gut 30 Mitgliedern Rückenwind geben. Für sie steht der Luchs am Eingangstor zu Größerem. Der Verein mit Fernziel Stiftung, will sensibilisieren für Natur, Umwelt, Heimat, Kulturgeschichte. Entsprechend hoch gesteckt sind die eigenen Ansprüche.
Was motiviert: Es sind viele, viele, die sich einspannen lassen, Sachdienste nicht in Rechnung stellen. Logo, Homepage, Rechtliches, fachliches Know-How: „Es ist wirklich unglaublich“, betont Brückl dankbar und wohl wissend, dass „da noch eine Menge Baustellen sind“.
Auch das Projekt am Gibacht ist nur durch ehrenamtliches Engagement möglich, schließlich dürfen die 9000 Euro Zuschuss nur für Sachleistungen verwendet werden. Für das Info-Terminal selbst schweben Brückl wechselnde Inhalte vor, damit sich auch für Einheimische der wiederholte Blick lohnt. Auch er wird Beiträge liefern, die wie der gesamte Auftritt, „von überall“ aus gesteuert werden können.
Luchs und mehr
Langfristig sollen die Fakten um praktische Informationen angereichert werden. Öffnungszeiten, gastronomische Angebote, andere Ausflugsziele. Hier lobt der 51-Jährige ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Wie sich überhaupt Netzwerke und Gesinnungsgleiche als Gewinn erweisen.
Als erstrebenswert erachten Brückl und Co. die Erweiterung um andere heimische Tierarten. Der Auerhahn etwa, er könnte auf tschechischer Seite ein Schwerpunkt sein. Dies wäre ohnehin der Traum des 51-Jährigen: beidseits der Grenze zu spielen.
Dass der Luchs „bei uns“ wieder anzutreffen ist, beweisen Schnappschüsse von Wildkameras. Deren Dichte aber ist im Vergleich zu anderen Regionen gering und das bayernweite Monitoring sei vergleichsweise schlecht aufgestellt. „Da wäre mehr Professionalität wünschenswert“, formuliert der Familienvater bewusst zurückhaltend.
Die Waldmünchner bekommen die Zahlen ohne genaue Ortsangaben gemeldet, zur Sicherheit. Das und die in mancher Hinsicht geringe Aussagekraft der Statistik, macht Vieles rund um den scheuen Luchs und sein Leben in der Region zum Rätsel. Umso mehr „freuen wir uns über jede Sichtung“.
Der Luchs liebt und braucht Ruhe, erklärt der Fachmann, der in der Region überwiegend aufgeschlossene und tolerante Jäger ausmacht. „Einige freuen sich sogar ausdrücklich, dass wir ihn haben“, unterstreicht Brückl.
Der macht keinen Hehl daraus, dass der Standort der Terminals für ihn nicht erste Wahl ist. Noch ehe er das näher ausführt, kommt die Sonne zum Vorschein − und mit ihr ein augenscheinliches Problem: Die Einblendung auf die von der ILE Cerchov plus ausgewählte Fläche ist stark, wie sie mit den Bildschirmen in Einklang zu bringen ist, ist Brückl noch nicht klar.
Verein muss bekannter werden
Was ihn zudem umtreibt: Der zusätzliche und vergleichsweise hohe Stromverbrauch bei Minusgraden, wenn das Funktionsgebäude am Gibacht schon eine Menge Energie zieht. Mitunter müsse man über gezieltes Ausschalten nachdenken oder über Sommer- und Winter-„Öffnungszeiten“, vielleicht mit kleinen Veranstaltungen zu Eröffnung und Saisonabschluss wie beim Böhmischen Brunnen.
Denn, das ist auch klar, der Verein muss bekannter werden, um voran zu kommen. Auch um ein weiteres Herzensprojekt des Vereins anzuschieben: Landwirte beim Aufbau extensiver Beweidungen unterstützen. Brückl erklärt: Dies dann noch als Kreislaufwirtschaft ganzjährig konzipiert sei eine beste Förderung der Artenvielfalt. Realisiert werden könnte dies durch die Anpacht von Flächen, die der Verein dann Landwirten – Interessenten gibt es – zur Verfügung stellt, um auch wirtschaftliche Anreize zu schaffen. Vorstellbar sei zudem aktive Unterstützung bei der Direktvermarktung und... Vieles mehr.
Wie der Luchs-Wanderweg? Vergessen ist er nicht, lächelt Oliver Brückl gleichermaßen verschwörerisch wie motiviert. Schließlich stand der ganz am Anfang und zwar ganz egal, ob er jemals als solcher offiziell ausgewiesen wird oder nicht. Er war Startpunkt von etwas Außergewöhnlichem, Luchsoriösem.
Rund um Verein und Projekt
Aufbau: Ende 2022 wurde der Förderverein NaturStiftung Böhmerwald- Schwarzachtal gegründet. Sie ist ein eingetragener Verein mit Zweck, den Naturschutz zu fördern, für den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Aufwertung des Landschaftsbilds einzutreten.
Kontakt: Als Ansprechpartner stehen Oliver Brückl (Telefonnummer (09972) 8820) und Martina Ulschmid, (0173) 6440289, zur Verfügung, möglich ist eine Kontaktaufnahme auch per Mail: naturstiftung-bs@web.de. Zeitnah soll eine gleichnamige Homepage an den Start gehen.
Fakten: Der Mitgliedsbeitrag – 15 Euro jährlich – ist in voller Höhe von der Steuer absetzbar, gilt quasi als Spende. Über solche freut sich der Verein ebenso.
Förderung: Das Luchs-Natur-Infoterminal wird über das Regionalbudget der Integrierten Ländliche Entwicklung
(ILE) Cerchov plus gefördert.
Kooperation: Eng vernetzt haben sich die Verantwortlichen mit dem Naturpark Oberer Bayerischer Wald und dem Verein Luchs Bayern.
