Schaf-Schönheiten in Pösing: Das jüngste Lamm heißt Leonie

Die Fotos der Schwarznasenschafe bei Pösing, die der Leserfotograf Josef Kerscher der Redaktion zugeschickt hat, rufen bei den Kolleginnen nur eine Reaktion hervor: „Oh, sind die süß“. Als unser Reporter das dem Besitzer der Tiere, Simon Weitzer (23), erzählt, reagiert der ziemlich gelassen: „Ja, das gibt es öfter!“ Diese Reaktion auf die Tiere sei ganz normal.
Tatsächlich habe er sich die Tiere auch angeschafft, weil sie ihm gefallen haben. Er habe die Schafhaltung seines Opas weiterführen wollen und sich dafür eine Schafrasse ausgesucht.
Die Walliser Schwarznasenschafe sind eine alte Gebirgsschafrasse aus dem Schweizer Kanton Wallis. Ursprünglich nur dort beheimatet, haben es die Tiere mittlerweile vielen Nebenerwerbs- und Hobbyzüchtern angetan, zeigt eine kurze Internetrecherche. Die Tiere von Simon Weitzer stammen zum Beispiel alle aus Bayern.
Aus sechs wurden 15 Schafe
Angefangen hat alles vor vier Jahren mit sechs Schafen, mittlerweile sind es 15 Tiere, die rund um die Weiher der Familie Weitzer grasen. Das ist der eigentliche Grund für die Anschaffung der Tiere. Die alteingesessene Gastwirtsfamilie in Pösing hat mehrere Fischweiher und hier halten die Tiere das Gras kurz. Mittlerweile hätten die Tiere auch „ihre Fans im Dorf“, erzählt Simon Weitzer, der mit dem Reporter und seinen Eltern Willibald und Andrea Weitzer an einem Wirtshaustisch in Pösing sitzt. Zum einen gebe es Spaziergänger, die immer wieder gerne bei den Tieren vorbeischauen, zum anderen wollten viele Kinder aus Pösing die Tiere streicheln.
„Das lassen sich die Schafe gerne gefallen“, sagt Weitzer. Trotz ihrer kräftig wirkenden Hörner sei die „Rasse recht gemütlich, ihr Aussehen täuscht“, sagt Simon. Wenn Menschen vorbeikämen, liefe die Herde oft auf sie zu. Die Tiere seien zutraulich. Dieses Rassemerkmal sei neben der Schönheit ein weiterer Grund für die Anschaffung der Walliser Schwarznasenschafe gewesen, erklärt Simon Weitzer.
Lamm mit der Flasche großgezogen
Ein besonders Erlebnis war es für Simon, dass er die Geburt eines Lämmchens miterleben konnte. Den engsten Kontakt hatte er aber zu einem Lämmchen, das von seinem Mutterschaf nicht angenommen wurde. „Wir haben es mit der Flasche großgezogen und alle drei Stunden gefüttert. Das war wie ein Baby und hat sich laut bemerkbar gemacht, wenn es was wollte.“ Amadeus, so haben die Weitzers das Schäfchen genannt, sei später „wie ein Haustier gewesen“, berichtet Simon. Es sei immer auf ihn zugelaufen wenn er die Tiere besucht habe. Leider sei das Tier aber später krank geworden und gestorben. Einen Namen hatte aber nicht nur diese Handaufzucht, sondern haben grundsätzlich alle Schafe der Weitzers. Auch das derzeit jüngste. Die gerade sieben Wochen alte Leonie, die Ostern nur knapp verfehlt hat.
Als Bergschafe hat die Walliser Rasse aber auch besondere Bedürfnisse. Zum Beispiel kommen die Tiere mit nassem Boden nicht gut zurecht. Deswegen habe man für die Herde auch eine Pflasterfläche angelegt, die die Tiere gerne als Ruhefläche nutzen. Als Gebirgsschafe und ziemlich wollige Genossen, haben es die Tiere auch lieber kühler. Im Sommer lägen sie gern im Schatten unter Bäumen und würden erst am Abend aktiv.
Viel Wolle am Schaf
Ein weiteres Rassemerkmal sei die Wolle. „Das sind zweischurige Schafe“, sagt Simon und erklärt dann, dass das bedeute, „man muss die Tiere zweimal im Jahr scheren. Das ist schon mehr Aufwand, als bei anderen Rassen.“ Die Weitzers verwenden die Wolle als Dünger. Mutter Andrea greift hinter sich und holt ein paar Seiten einer Zeitschrift hervor, wo diese Anwendungsmöglichkeiten beschrieben werden. Man könne die Wolle auch zu Pellet pressen, um es als Dünger zu verwenden, erklärt Vater Willibald. „Auch das habe man schon probiert“, sagt Simon. Nur eins hat es noch nicht gegeben, dass jemand die Wolle als Wolle genutzt habe. „das ist nämlich ziemlich aufwendig“, erklärt Simon.
Weil die Schafe auch als Fleischrasse gelten, fragt der Reporter auch nach dieser Nutzung. Obwohl die Weitzers eine eigene Metzgerei haben, merkt man Mutter und Sohn an, dass sie froh sind, dass diese Entscheidung noch Zeit hat. Wenn, dann höchstens zum Eigenbedarf, sagen sie.


