Der Stadtrat in Furth im Wald wartet auf die Bahn – Aber es gibt eine gute Nachricht

Von Johannes Schiedermeier · 28. März 2024 um 15:00

Auf der Suche nach einer geeigneten Zufahrt durch eine Überführung zum Gewerbegebiet Dr. Georg-Schäfer-Straße (Furth im Wald) verhandelt der Stadtrat seit geraumer Zeit auch mit der Bahn. Das bleibt auch so. Der Vertreter der Bahn, Fachreferent Jakob Bauer, fand es selbst schon symptomatisch, dass er eine Stunde Verspätung hatte. Diesmal war es allerdings nicht die Bahn, sondern er selbst, der den Termin falsch notiert hatte.

Auf die Stunde scheint es allerdings nach Ansicht aller Beteiligten ohnehin nicht mehr anzukommen. Es wird wohl bis 2028 dauern, bis die letzten notwendigen Unterschriften auf dem Papier sind. Dann kann es losgehen – theoretisch. Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Die Stadt wird weitgehend kostenfrei zu der lang ersehnten neuen Zufahrt kommen.

Kosten gegen Null

Bei der Sitzung wurde das Planungskonzept vorgestellt. Karl-Heinz Dietl vom Ingenieur-Büro Kempa und der Bereichsleiter des Straßenbauamtes für den Landkreis Cham, Dr. Richard Bosl, waren deshalb gekommen. Der höhengleiche Bahnübergang soll durch eine Überführung beim Gewerbegebiet Furth-Ost ersetzt werden.

Planer Dietl erklärte, der Startschuss für die Planungen sei die Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes gewesen. Dadurch gingen die Kosten für die Stadt Furth bei Ersatz eines bestehenden Bahnüberganges gegen Null, weil die Voraussetzung der erhöhten Sicherheit gegeben sei. Momentan sei der Bahnübergang durch eine Schrankenanlage gesichert.

Der Bahnübergang am Dieberg werde von der Bahn nach dem Motto einbezogen: Beide oder keiner! Wenn die Überführung an der Dr.-Georg-Schäfer-Straße komme, werde automatisch der Übergang Dieberg geschlossen.

Es handle sich um ein sehr bewegtes Gelände. Zwischen den beiden Straßen liegen 400 Meter und acht Meter Höhenunterschied. Bis ganz nach unten seien es sogar 18. Zu vermeiden seien provisorische Bahnübergänge. „Das kostet sechsstellig“, so Dietl.

Am Ende sei eine südliche Variante zum Zug gekommen. „Wir sind ganz am Anfang und reden über eine Projektidee“, so Dietl. Die Straße solle 6,50 Meter breit werden. Die Überführung brauche eine lichte Höhe von 5,70 Metern. Von der Bundesstraße führt die Straße über die Überführung und dann hinunter zur Dr.-Georg-Schäfer-Straße und von dort werde der Verkehr verteilt durch einen kleinen Kreisel.

Warum dauert das so lange? Dietl erklärte, dass der Projektstart 2021 gewesen sei. 2023 sei die gegenwärtige Planung gestanden. Dann sei es um die Vereinbarungen mit der Bahn gegangen. Hier erlebe er den dritten Ansprechpartner der Bahn. Im schlimmsten Falle müsse die Planung europaweit ausgeschrieben werden, eventuell könne die Stadt aber auch selbst nach ihren Richtlinien ausschreiben.

Dieses Verfahren bis zum Eisenbahnbundesamt werde wohl bis 2025 dauern. Nach der Genehmigung komme es zur Kreuzungsvereinbarung zwischen Stadt und Bahn. „Dann wird es 2028 sein. Und dann kann es Richtung Entwurf, Bauausschreibung und Spatenstich gehen. Recht viel kürzer wird es nicht“, so Dietl.

Stadt beteiligt sich finanziell bei Kreisverkehr-Bau

Bürgermeister Sandro Bauer stellte fest, dass es in dieser Sitzung um reine Information gegangen sei. Zur Überführung gehöre Anfahrt, Abfahrt und eventuell die Verteilung durch einen Kreisverkehr. Deswegen sei die Stadt bereits im Kontakt mit Dr. Bosl Vom Staatlichen Bauamt, der für die Zufahrt zuständig sei. „Beim Bau eines Kreisverkehrs ist die Stadt finanziell mit dabei“, stellte Bauer klar.

Dr. Bosl erklärte, die Dr. Georg-Schäfer-Straße sei ein heikles Thema, weil sie bei einigen Vorhaben keine geordnete Erschließung dargestellt habe. 120 Meter bis zum Bahnübergang und ein Gefälle von acht Metern wäre mit einem immensen Aufwand verbunden gewesen. „Wir waren alle über die Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes froh“, so Bosl.

Möglichkeit, Straße höhengleich zu machen

Dadurch eröffne sich die Möglichkeit, die Straße höhengleich zu machen. Die gangbare Lösung dafür sei der Kreisverkehr: „Da sind noch einige Bretter zu bohren bis hin zur Kostenverteilung. Und ich sehe mich derzeit auch von der Planung her nicht als denjenigen, der den Hut aufhat.“Bürgermeister Bauer erinnerte sich an den Ausspruch des Ex-Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier: „Es muss so gebaut werden, dass die Stadt nichts zahlen muss.“

Die nächsten Schritte müssten nun mit der Bahn zeitnah geklärt werden. Der Repräsentant der Bahn sei jedoch nicht da und auch telefonisch nicht erreichbar, so der städtische Geschäftsführer Stefan Schmidberger.

Die gute Nachricht

Dann erschien Fachreferent Jakob Bauer doch noch mit einer Stunde Verspätung. Er sei von 19 Uhr ausgegangen, statt 18 Uhr. „Typisch Bahn“, nahm sich Bauer selbst auf die Schippe. Auf die Frage nach dem Zeitablauf legte er sich nicht fest: „Kommt auf die Schnelligkeit des Durchlaufs an.“ Seine gute Nachricht: Der Anschluss des bestehenden Straßennetzes an das neue Brückenbauwerks sei ebenfalls finanziell nicht Sache der Kommune.

Der Eingriff in die B 20 werde dort zu einer neuen Kostenaufteilung führen, ebenfalls ohne die Kommune: je ein Drittel treffe den Bund, die Bahn und als Baulastträger der B 20 das das staatliche Bauamt. Leider war dessen Abteilungsleiter Dr. Bosl zu diesem Zeitpunkt schon gegangen.

Bei Kreisellösungen, die in weiterer Entfernung vom Bauwerk liegen, müsse die Kostenbeteiligung während der Planung geklärt werden. Außerdem, so Planer Dietl, handle es sich dabei nur um einen sogenannten Minikreisel ohne eine Insel in der Mitte. Lastwagen könnten praktisch ohne Probleme quer drüberfahren.

Stadtrat in Kürze

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