Warum Furth im Wald die Lorenz-Zierl-Straße noch einmal aufgräbt

Von Johannes Schiedermeier · 25. März 2024 um 19:00

„Da war doch schon alles fertig! Wieso graben die da nochmal auf? Und dann so tief?“ – Wer in der Lorenz-Zierl-Straße die Schaufel an die Verkehrsschlagader legt, muss wissen, dass ihm jeder dabei zuschaut. Dabei sind manche Fragen derzeit so offen wie die Straße. Jetzt gibt es Antworten.

Die beruhigende Nachricht zuerst: „Wir sind voll im zeitlichen und im finanziellen Rahmen!“ Das hat Günther Metzger versichert, der Oberbauleiter der Firma Rädlinger. Ende des Jahres ist die Schlagader also saniert – wie versprochen.

Wieso nochmal graben?

Aber wieso gräbt man dann die Straße nochmal so tief auf? Brotzeit vergessen? — Metzger lacht. Nein, das hat ganz praktische Gründe. Bis zum Winter hatte die Firma die tiefen Wasserleitungen in der Erde. Der alte Abwasserkanal wurde wieder mit hineingelegt und soll ganz am Ende mittels eines Inliner-Schlauches saniert werden.

„Wir haben dann einfach wieder zugefüllt und die Straße für den Winter provisorisch hergerichtet. Hätten wir offen gelassen, müssten wir zwar jetzt nicht noch einmal aufgraben, aber die Baugrube wäre vollgelaufen – mit allen Folgen für die Anlieger“, begründet Metzger.

Thomas Kaufmann und Josef Beer vom städtischen Bauamt erklären auch, warum jetzt der Aushub weggefahren wird: Es wird ein tragfähiger Untergrund aufgebracht, der auch den Unterbau der neuen Einbahnstraße stadteinwärts abbildet. Die ist nämlich nur noch 3,50 Meter breit und wird von zwei breiten Gehsteigen und dem Flutkanal der Kalten Pastritz flankiert.

Deutlich ist der Querschnitt zu sehen. Ganz unten liegen fast einen halben Meter hoch faustdicke Schroppen, obenauf ein Netz aus Geotex, darauf ein weiterer halber Meter Frostschutz. Am Ende werden dann 25 Zentimeter Trag- und Deckschicht aus Asphalt aufgebracht. Die Schichten berechnensich aus dem Ergebnis eines Bodenlast-Gutachtens, sagt Kaufmann.

Kompliziert wird die Lage noch durch den Flutkanal, der im Bereich der Lorenz-Zierl-Straße drei neue Brückenbauwerke benötigt. Eines davon erschließt ein Grundstück und muss für Autos befahrbar sein. Entgegen der ersten Planungen kann die Mauer des Triebwerkskanals an der Straße entlang stehen bleiben. „Die ist nicht so schlecht wie angenommen“, begründet Kaufmann. Der Kanal an sich wird in Richtung des Späthbräu-Geländes verbreitert. Damit ist er für ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt, so die Bauabteilung. Außerdem werden in den Verlauf des Baches Sitzstufen eingebaut, um ih n erlebbar zu machen, sagt Gartenschau-Bauleiter Ulrich Dölker.

In den nächsten Monaten wird sich die Firma Rädlinger stadteinwärts vorarbeiten und dabei auch oberflächlichere Leitungen wie Breitband und Stromleitungen für die Straßenbeleuchtung mit einbauen. Die Hausanschlüsse wurden bereits entlang der gesamten Straße verlegt.

Die Baustelle hat also ihre Tücken. Auf dem Weg stadteinwärts verweist Oberbauleiter Metzger auf das Burgtor. Seine Mitarbeiter nennen es „das Tor zur Hölle“, weil dort im engen Durchlass alle Leitungen untergebracht sind. Die Rädlinger-Arbeiter mussten das ganze Paket 1,70 Meter tief untergraben um die Wasserleitung in die nötige Tiefe zu bringen.

Zum Glück Stammkunden

Für die Anlieger bleibt die Situation angespannt. Steffi Altmann, Junior-Chefin der Metzgerei in der Lorenz-Zierl-Straße ist froh über ihre Stammkunden: „Ohne die wären wir verloren. Die sind treu.“ Für viele ältere Leute sei die Straße samt angrenzendem Parkplatz schwer zu queren, obwohl die Baufirma alles so eben wie möglich gemacht habe. Über die Rädlinger-Mannschaft lässt sie jedoch nichts kommen: „Die machen möglich, was möglich ist. Und wenn wir jetzt dann eine Woche in Urlaub sind, dann wird vor der Haustüre gearbeitet!“

Der kanalisierte Lauf der Kalten Pastritz erhält in der Lorenz-Zierl-Straße drei neue Brücken und wird wesentlich breiter ausfallen. Damit wird er auch 100-jährigem Hochwasser standhalten, sagen die Baufachleute. Fotos: Johannes Schiedermeier
Thomas Kaufmann am „Tor zur Hölle“ – wo alle Leitungen auf engstem Raum liegen.