Vandalismus in Cham: Was tun mit den Lounges am Marktplatz?

Der Marktplatz in Cham ist nicht nur das Herz der alten Stadt – er ist auch das Sorgenkind. Den großen, gepflasterten Platz attraktiver und gemütlicher zu gestalten, ist auch heute noch Ziel der Stadtpolitik. 2015 entschied sich der Stadtrat dafür, entsprechende Möbel ins Chamer Wohnzimmer zu holen. Die werden nun zunehmend zum Problem.
Denn – so schön sie auch waren – so anfällig sind sie doch vor allem die vergangenen Jahre für den Vandalismus der Loungebesucher geworden. Die zwei Sitzgruppen, einmal ausgestattet mit einigem Komfort wie Heizung und USB-Ladestation fürs Handy, wurden nach einigen Debatten im Stadtrat 2016 als bundesweite Premiere im öffentlichen Raum aufgestellt. Normalerweise seien sie für private Gärten oder Hotels gedacht, so der Hersteller aus dem Raum Köln, der die Sitzmöbel am Chamer Marktplatz 2016 aufbaute.
Gemütlich und sehenswert, so waren die ersten Reaktionen 2016 auf die Lounges. Kaum waren sie aufgebaut, genossen die ersten Chamer die weichen, wetterfesten Kissen der Luxusmöbel. Schon während des Aufbaus kamen Zweifel auf, ob die Sitzmöbel dem Wetter und auch dem Vandalismus standhalten.
Diese Fragen hatte sich auch der Chamer Stadtrat gestellt und diskutiert. Die Wetterfestigkeit garantierte der Hersteller auch aus langer Erfahrung heraus. Um den Vandalismus abzuschrecken, wurde die Installation eines Kamerasystems geprüft, doch wegen Persönlichkeitsrechten und aus Datenschutzgründen für nicht machbar erklärt, auch wenn einmal eine Kamera aufgebaut war.
Dennoch entschied sich das Gremium mit der damaligen Bürgermeisterin Karin Bucher für den Kauf der Möbel, die die Stadt gut 66.000 Euro kosteten. Ein teures Experiment, wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, und was schon beim Votum von Mitbürgern als Steuerverschwendung tituliert wurde. Dennoch haben die Sitzmöbel mit Gemütlichkeitseffekt lange das bewirkt, was sie sollten: Sie haben die Menschen zusammen- und ins Gespräch gebracht, gemäß dem Motto der Stadt „Begegnung erleben“.
Doch, waren sie einmal ein Hingucker, der zum Hinsetzen anlockte, sind sie heute ein eher trauriger Anblick. Vom Glanz vergangener Tage ist nicht viel übrig. Doch mit den acht Jahren, seit sie dort stehen, hat das weniger zu tun. Sie seien erst vor zwei Jahren zum Gartenschau-Erinnerungsjubiläum für mehrere Tausend Euro saniert und neu bezogen worden, sagte Bürgermeister Martin Stoiber.
Dennoch sind die Bezüge der Kissen aufgerissen, teils offensichtlich aufgeschnitten, innen feucht. Reste von Zigarettenkippen sind zu sehen wie auch Brandflecken. Dazu sind offensichtlich Zuleitungen für die Heizung oder den USB-Anschluss herausgerissen worden und liegen auf dem Tischrest. Kein Anblick, der zum Verweilen einlädt. Darüber habe man jetzt im Stadtrat debattiert. Was tun? Nochmals sanieren oder die Sache neu überdenken?
Stoiber schwebt eine Lösung vor, die nicht so einfach zerstörbar ist. Er denke da etwa an Holz, etwa für die Sitze, also Holzklasse statt Luxusversion. Das macht es sicher widerstandsfähiger, wenn auch nicht gemütlich.
Die Luxusmöbel am Marktplatz in Cham
Start: 2015 entschied der Stadtrat, 2016 zwei Sitzlounges für insgesamt 66.000 Euro am Marktplatz aufzustellen. Die Luxusmöbel haben Heizung und Ladestation, sind zudem wetterfest. Mittlerweile sind die Sitzgruppen vor zwei Jahren für viel Geld saniert worden, doch nun wieder in einem teils desolaten Zustand.
Ziel: Das Ziel der Investition war damals, die Besucherfrequenz in der Innenstadt Chams zu erhöhen und den Marktplatz attraktiver zu gestalten. Die Sitzmöbel wurden gut angenommen. Nun ist die Frage im Stadtrat, was damit geschehen soll: Ob nochmals sanieren oder vandalensicher umbauen, etwa mit Holzauflagen.



