Verdacht: Betrogen zwei Apotheken im Raum Regensburg den Staat im ganz großen Stil?

Zwei Männer aus Regensburg könnten mit Paxlovid den großen Reibach gemacht haben. Es geht wohl um weit mehr als eine halbe Million Euro. Doch die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall gestalten sich schwierig.
Mit dem Corona-Wundermittel Paxlovid sollen Apotheker illegal Millionen gemacht haben. In Bayern führt die Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg fünf Ermittlungsverfahren dazu – auch gegen zwei Männer in der Stadt und im Landkreis Regensburg. Die stechen nach MZ-Recherchen aber hervor, sie sollen mit die größten Mengen der einst kostenfrei bereitgestellten Tabletten verkauft haben. Um mehr als 3000 Packungen soll es dabei gehen – mit den Vorwürfen konfrontiert wollten sie sich jedoch nicht äußern.
Im Kampf gegen Corona hatte sich das Bundesgesundheitsministerium Anfang 2022 beim US-Produzent Pfizer gut eingedeckt. Eine Million Packungen wurden geordert, um schwerste Krankheitsverläufe behandeln zu können. Apotheken erhielten das antivirale Arzneimittel zur Versorgung von Risiko-Patienten kostenfrei. Das bestätigte die Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG). Maßgabe sei gewesen, dass es nur an Patienten abgegeben und kein Handel betrieben werde. Die Tabletten seien Eigentum des Bundesministeriums geblieben.
Bedeutender Fall führte Ermittler auch nach Regensburg
Doch an die Vorgaben scheinen sich nicht alle gehalten haben. Einzelne Apotheker sollen quer durch Deutschland Hunderte Packungen geordert und das staatlich gezahlte Medikament womöglich illegal weiter verkauft habe. Mit dem Verdacht erstattete das Lauterbach-Ministerium bei mehr als 25 Staatsanwaltschaften Anzeigen, wie WDR, NDR und Süddeutsche berichteten. Seit 15. Januar kann Paxlovid ganz normal von zugelassenen Ärzten verordnet werden. Abgerechnet wird das Medikament nun über Krankenkassen – laut dem AOK-Bundesverband für fast 1150 Euro pro Packung.
In den fünf bayerischen Fällen werden die Ermittlungen bei der ZKG geführt, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in München bestätigte. „Nach dem aktuell bestehenden Verdacht sollen Beschuldigte Paxlovid unter Missachtung der Vorgaben verkauft und dadurch unterschlagen haben“, erklärte Oberstaatsanwalt Philip Engl. Zum Tatvorwurf der Unterschlagung stünden auch Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz im Raum.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Regensburg hat ein massives Problem mit Intensivtätern aus Tunesien – doch wieso eigentlich?
Fakt ist: Am 19. Dezember rückte die Polizei zu Durchsuchungen in der Oberpfalz, in Ober- und Mittelfranken sowie Oberbayern aus – Ziele waren auch zwei Apotheken in Regensburg und im Umland sowie die Privathäuser der beiden Beschuldigten. Laut ZKG wurden „zahlreiche -auch digitale- Dokumente sichergestellt“, die aktuell gesichtet und ausgewertet würden. MZ-Recherchen ergaben, dass die Männer exorbitant große Mengen des Corona-Medikaments bestellt haben sollen – mehr als 1000 und über 2500 Packungen in mehreren Tranchen.
Doch wie viele der Tabletten wurden auf dunklen Kanälen womöglich ins Ausland verkauft? „Über die Zahl der vielleicht unterschlagenen Packungen Paxlovid kann derzeit nur spekuliert werden“, sagt Engl von der Münchener Generalstaatsanwaltschaft. Man stehe noch am Anfang der Ermittlungen. Zu weiteren Details hielt sich die ermittelnde Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen sehr bedeckt. Auch, zu welchem Preis das Paxlovid womöglich illegal weiterverkauft wurde, sei Gegenstand der Ermittlungen.
Lesen Sie zu diesem schlagzeilenträchtigen Fall: Drogen-Labor in Regensburg – Haftstrafe für Sohn des Captagon-Paten
Aus anderen Verfahren ist bekannt, dass die Apotheker die Tabletten vernichtet haben wollen. Dokumentiert werden muss das für Medikamente wie dieses laut geltender Bestimmungen jedoch nicht. Ein Aspekt, der den Spezialermittlern den Tatnachweis schwerer machen könnte. Fest steht jedoch auch: Wurde illegal verkauft, dürfte es Geldflüsse geben, die spätestens Finanzermittlungen an Licht brächten. Pro Packung Paxlovid sollen auf dem Schwarzmarkt bis zu 650 Euro gezahlt worden sein. Rechnet man nur ein Drittel der im Regensburger Fall wohl georderten Menge, wäre das weit mehr als eine halbe Million Euro, die zu Unrecht kassiert wurde.
Abschluss der Ermittlungen ist derzeit völlig offen
Weder dazu, noch zu den Vorwürfen an sich äußerten sich die Beschuldigten aus dem Raum Regensburg bislang. Ihre Strafverteidiger teilten auf MZ-Nachfrage nur mit: kein Kommentar. Wann und ob es in dem Fall überhaupt zu Anklagen oder einem Prozess kommt, ist aktuell völlig offen. „Wir sind erst am Anfang der Ermittlungen“, betonte Oberstaatsanwalt Philip Engl.