Schwandorf verliert nächste Führungskraft: Stadtplanerin Albina Harito wechselt nach Amberg

Rund acht Wochen wird Albina Harito noch im Rathaus tätig sein. Ende Mai ist für die Leiterin des Bereichs Stadtplanung Schluss – nach elf Jahren verabschiedet sie sich von der Verwaltung.
Mit der 38-Jährigen verlässt erneut eine Führungskraft das Team rund um Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU). Innerhalb von nicht einmal einem halben Jahr sind unter anderem Stadtmanagerin Natalie Schmiede, Tourismusbüroleiter Johannes Lohrer und Kämmerer Gerhard Winterberger gegangen.
Nun folgt die Leiterin der Stadtplanung. Eigentlich wäre ihre Kündigungsfrist erst Ende September abgelaufen. Aber Albina Harito hatte um eine frühere Auflösung ihres Vertrages gebeten. Dem stimmte nun der Personalausschuss zu.
OB Andreas Feller hat ihr viel zugetraut
Gab es Konflikte im Rathaus? Die Wackersdorferin verneint: Sie habe den Umgang in der Stadtverwaltung als sehr kollegial empfunden. Dies habe sie immer geschätzt, sagt die 38-Jährige. „Meine Kollegen werden mir sehr fehlen.“ OB Feller ist sie für seine umgängliche Art dankbar. „Er hat mir von Anfang an viel zugetraut und das bedeutet mir sehr viel“, beschreibt sie die Zusammenarbeit.
Das Lob kann Feller nur zurückgeben: „Ich bedauere, dass wir Albina Harito als engagierte Architektin in unserer Stadtplanung verlieren. Sie hat über viele Jahre hinweg hervorragende Arbeit für unsere Stadt geleistet. Aber selbstverständlich akzeptiere ich ihre Entscheidung und wünsche ihr sowohl beruflich, als auch persönlich für die Zukunft alles Gute.“
Anfang 2013 begann Albina Harito als Mitarbeiterin in der Stadtplanung. 2021 übernahm sie die Leitung des gleichnamigen Sachgebiets und war gleichzeitig die stellvertretende Amtsleiterin für ihren Fachbereich.
Überraschende Ablehnung im Planungsausschuss
Es habe auch Diskussionen mit anderen Fachämtern gegeben, die zu bestimmten Themen andere Meinungen hatten, meint Harito. Dies habe sie aber nie als Konflikt gesehen, sondern eher als Lernprozess.
Erst kürzlich gab es im Planungsausschuss eine solche Situation. Entgegen der Empfehlung der Stadtplanerin votierten die Räte gegen die geplanten Mehrfamilienhäuser auf dem früheren Tonwarenfabrik-Areal. „Ich war sehr überrascht und hatte nach der positiven Beschlussformulierung nicht mit diesem Ablauf gerechnet. Ich empfand die Vorgehensweise für den Vorhabenträger und die Planer als sehr unglücklich“, beschreibt sie die Diskussion im Ausschuss. Als zuständige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung wurde sie nicht angehört. Auch den Investoren war dies negativ aufgefallen. Sie meinten im Nachgang, dass der Umgang mit der eigenen Stadtverwaltung unmöglich gewesen sei. Die Stadtplanerin habe „wie ein Schulmädchen“ dagesessen und durfte nichts sagen.
„Selbstverständlich hätte ich das Wort erbitten und mich für die Planung und die Planer, die alle Forderungen aus der vorhergehenden positiven Beschlussfassung erfüllt hatten, aussprechen können“, sagt Harito. Sie habe aber vermutet, dass es zu der Meinungsänderung erst nach dem Versand der Unterlagen gekommen sein könnte, da das Vorhaben bei den Anwohnern für Unmut sorgte und die Politik rechtzeitig nachjustieren wollte.
„Dies ist legitim, wenn auch sehr bedauerlich für die Interessen des Vorhabenträgers und die Bemühungen der Verwaltung.“ Es fanden laut Harito danach noch mal Gespräche statt. Der Investor sei kompromissbereit, sodass eine Umplanung im Konsens erfolge und zügig vorgestellt werden könne.
Leerstandsmanagement und Stadtentwicklung gehören zusammen
Ihr Aufgabengebiet sei zwar vielfältig gewesen, dennoch fehlte ihr ein Aspekt: das Leerstandsmanagement. Dafür war sie nicht zuständig. Die Verzahnung von städtebaulicher Leitbildentwicklung und Leerstandsmanagement mache aber für sie persönlich „einen wesentlichen Aspekt gelungener allumfassender Stadtentwicklung“ aus, erklärt Harito. Andernfalls sei nur eine Nachsteuerung möglich.
Schon länger hatte sie über einen Wechsel nachgedacht, so Harito. Aber auch lange mit sich gehadert, da sie ihre Arbeit liebe und seit dem fünften Lebensjahr in Schwandorf zuhause sei. „Ich habe alle positiven und negativen Stadtentwicklungsprozesse, wie sie jede Stadt durchlebt, in Schwandorf viel intensiver wahrgenommen.“
Bei ihrer Arbeit im Rathaus konnte sie später einiges zum Positiven verändern. So wurden bestehende Plätze – insbesondere durch die Schaffung der Pocket-Parks – umgestaltet und aufgewertet. Auch die Bürgerfreifläche auf dem Dach des Naab-Parkhauses brachte sie mit Kollegen auf den Weg. Die endgültige Umsetzung wird sie nun von außen mitverfolgen.
Stadt Schwandorf bekam 2023 IHK-Preis
Das Gleiche gilt für die Umgestaltung des Stadtparks. Die ersten Maßnahmen wie die Errichtung des Kleinkinderspielplatzes konnte sie noch mit begleiten. Diese und weitere Errungenschaften fanden auch über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung. Schwandorf erhielt 2023 den IHK-Award mit dem Sonderpreis für sozioökologische Stadtentwicklung. Stolz sei sie, sagt die 38-Jährige, auf die Fortschreibung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK), sagt Harito. Ab Anfang Juni wird sie für die Stadt Amberg tätig sein. Im dortigen Stadtentwicklungs- und Bauordnungsamt wird sie Beraterin für Altstadtsanierung und Leerstandsmanagement sein. „Es ist eine neue Herausforderung, auf die ich mich sehr freue“, sagt sie.
Derweil sucht Schwandorf nach einer neuen Leitung für den Bereich Stadtplanung. Interessenten können sich noch bis zum 10.April bewerben.
Auf den neuen Stadtplaner warten einige Projekte wie die Etablierung einer Fußgängerzone sowie die weitere Belebung der Altstadt. „Ich denke, das ist eine enorme Herausforderung, da sie die Teilhabe der Bevölkerung erfordert. Die Konzepte können noch so gut sein, wenn diese bei den Bürgern keine Akzeptanz finden, müssen sie partizipiert und getestet werden“, gibt Harito ihrem potenziellen Nachfolger mit auf den Weg.


