Ehemalige Kaserne in Regensburg: Zwischennutzung um Kubus vor entscheidender Saison

Backsteinbau, Blühwiese, Beton in der Abendsonne: Auf dem Areal für Zwischennutzung, das in den Resten der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne (PLK) entstanden ist, versprüht Regensburg einen Charme, der an Berlin-Tempelhof erinnert, wo das Gelände des ehemaligen Flughafens heute als Park und Freizeitfläche genutzt wir. So exotisch die Knospen der Kreativität in der neuen Saison aber auch erblühen mögen – dieses Paradies ist in Gefahr.
Denn die Stadt will hier ein neues Wohnviertel errichten. Gerade darf der Verein Kulturviertel die letzten Gebäude auf der Brache noch mit Konzerten, Workshops oder Ausstellungen bespielen. Dazu gehören neben dem Gastestungs-Gebäude mit den großen Glasfronten, das alle nur noch Kubus nennen, ein Riegel mit Künstlerateliers, ein riesiges Carport, unter dem es nun wieder Konzerte geben wird, und eine Werkstatt, in der hinter besprühten Metalltoren ein Plumpsklo entsteht.
„Im Moment haben wir eine Zusage bis Juni 2025“, sagt Stephanie Reiterer vom Betreiberverein Kulturviertel. Weiterhin schützt ein Votum des Planungsausschusses vom 27. Juli 2022 das Gastestungsgebäude bis zu einem gegenteiligen Beschluss des Stadtrates vor der Abrissbirne. Die Zwischennutzung für den Kubus soll bis zum Abbruch dauern.
Plumpsklo und Debatten
Und so fiebern Reiterer und Hubertus Hinse vom Verein Kulturviertel der neuen Saison entgegen. Sie feilen am Programm für diesen Sommer. Einen oder zwei Aufräumtage werde es auf dem Gelände bis dahin schon noch brauchen, schätzt Hinse. Am 27. April aber steigt das Eröffnungsfest mit offenen Ateliers und Musik. Insgesamt seien etwa zehn größere Veranstaltungstage dieser Art geplant. Am 7. Mai hat der Architekturkreis mit Ben Pohl und Ivo Balmer von der Denkstatt Basel zwei Experten zu sich verändernden Stadträumen eingeladen. Auch das Programm mit den Veranstaltungen und Workshops der beteiligten Vereine soll nun wieder starten, verspricht Reiterer. Bereits für Gründonnerstag kündigt Karl Iaro in einer vor Fäkalausdrücken triefenden Einladung ab 16 Uhr eine Veranstaltung mit dem Titel „Scheißkultur“ an. Während der soll unter anderem das neue Plumpsklo mit Kompostierfunktion aufgestellt werden. Reiterer erklärt: „Es braucht hier eine Toilette. Außerdem wollen wir Blumenbeete anlegen. Deswegen kompostieren wir jetzt.“
Allen Nestbautriebs zum Trotz können die Menschen, die sich auf der PLK engagieren, die unsichere Zukunft des Projekts nie ausblenden. So berichtet Reiterer, dass Ende April eine Begehung mit der Abrissfirma terminiert ist.
Und das, obwohl zuletzt viele den Erhalt des Areals forderten und dieses Anliegen in der Stadtverwaltung auf offene Ohren zu treffen schien. Zum Beispiel sagte Planungsreferent Florian Plajer auf einem der Netzwerkdienstage ziemlich deutlich nicht „Nein“ zu dem Wunsch der Besucher im Degginger, diese Zwischennutzung zu verstetigen. Außerdem versprach er, dass sie so lange wie möglich erhalten bleiben soll. Und: „Dass wir darüber nachdenken, was wir weiter machen, ist wichtig.“ Aber auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) stehe dem dauerhaften Erhalt des Kubus positiv gegenüber, ließ sie über die städtische Pressestelle auf Anfrage wissen.
Etwa der Architekturkreis setzt sich dafür ein, dass die Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne erhalten bleiben. Die Experten wiederholten dieses Anliegen kürzlich in einem Positionspapier, mit dem sie generell mehr Umbaukultur in Regensburg fordern: Die Stadt solle die noch vorhandenen Hallen und Gebäude als Identifikationspunkte der künftigen Bewohner erhalten, ist darin zu lesen – etwa als Aussichtspunkt oder Dokumentationszentrum. Die Zwischennutzung wird in dem Schreiben als sozialer Treffpunkt bezeichnet, der verstetigt und weiterentwickelt werden soll.
Schützenhilfe haben die Regensburger Architekten dafür von Frank Schönert, Mitbegründer des Büros „Hütten & Paläste“ aus Berlin, bekommen, der sich mit nachhaltiger Bauweise einen Namen in der Branche gemacht hat. Auch er plädiert für die Sanierung statt des Abrisses der verbliebenen Gebäude auf dem Gelände im Regensburger Osten.
Großer Bedarf an Räumen
Reiterer wiederholt diese Argumente: Der Kubus und das Areal für Zwischennutzung seien für sie ein Ort der Kultur, der schon aus ökologischen Gesichtspunkten erhalten werden solle. „Das muss man nicht zwangsläufig ohne Plan abreißen“, sagt sie.
Deswegen wollen Reiterer und Hinse das Gelände in dieser Saison intensiv nutzen und dabei auch die Rolle des Kubus‘ herausstellen. Wichtig sei es ihnen, dass sich die PLK nicht zu einer Partywiese entwickle, sondern im Sinne der Vereine aus der Szene. Zudem sollen die Veranstaltungen darauf auch weiterhin politisch neutral gehalten werden.
Wie groß die Nachfrage nach solchen Räumen in Regensburg ist, sei ihr und Hinse erst vor kurzem wieder verdeutlicht worden. Im Januar hatten sie gemeldet, dass es noch Platz für Künstler auf dem Areal gebe. „Es meldeten sich 40 Interessenten“, sagt Hinse.