Viehhändler aus Staufersbuch fährt Tiere zum Schlachten: Manche sehen seine Arbeit kritisch

Schweine, Kühe und Co. sind seit über 20 Jahren Reinhold Kollers Geschäft. Der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes gewährt Einblicke in seine Arbeit als Viehhändler. Er spricht über eine Branche, die seiner Meinung nach „ganz unten in der Gesellschaft“ angesehen ist.
Wenn es sich andere am frühen Sonntagabend auf dem Sofa bequem machen, beginnt für Reinhold Koller die Arbeitswoche. Ab 17Uhr fährt der Mann aus Staufersbuch (Berching) zu Landwirten in Bayern, lädt bis zu 90Schweine auf seinen Lastwagen und begibt sich mit den Tieren auf ihre letzte Reise.
Kollers Ziel: Schlachthöfe. Ab 22 Uhr wird sonntags geschlachtet, sagt der Staufersbucher Viehhändler. Damit die Kühltheken unter der Woche mit frischem Fleisch voll sind.
Im Vorsitz des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes
Reinhold Koller ist seit über 20 Jahren im Geschäft. Der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes gewährt einen Einblick in seine Arbeit – und spricht über eine Branche, die seiner Meinung nach „ganz unten in der Gesellschaft“ angesehen ist.
Dass Tiere geschlachtet und transportiert werden, sehen manche Menschen kritisch. Das weiß auch Koller und hat Kritik teilweise sogar schon im eigenen Arbeitsalltag erlebt. Vor dem Schlachthof in München, den auch Koller immer wieder ansteuert, protestieren hin und wieder Aktivisten. „Jeder darf seine Meinung äußern und vertreten“, sagt der Viehhändler dazu.
Viehhändler Koller aus Staufersbuch: Tierschutz ist wichtig
Der Vater von drei Jungs betont aber auch, dass ihm und seinen Viehhändler-Kollegen Tierschutz sehr wichtig sei. „Wir achten wirklich sehr darauf, dass es den Tieren beim Transport gut geht“, sagt der 44-Jährige und zeigt die Ventilatoren an seinen Lastwagen, die für Luftzirkulation sorgen, falls der Lkw bei Hitze im Stau steht. Außerdem haben die Tiere die ganze Fahrt über Zugang zu Wasser, sagt Koller.
„Heute gib es strenge Kontrollen und Auflagen.“ Die Tierschutztransportverordnung regelt unter anderem, wie viel Platz ein Schwein bei Fahrten haben muss. Nach den Berechnungen dürfen bei Reinhold Koller im Lkw 90 Mastschweine pro Fahrt auf drei Etagen an Bord sein.
Wer den vorgegebenen Mindestplatz für Tiere beim Transport nicht einhält, muss mit Strafen rechnen. „Bei den Schlachthöfen werden wir immer gefilmt“, sagt Koller. Es kontrolliere jedes Mal ein Veterinär, ob der Viehhändler alle Vorschriften einhalte. Auch ob der Lkw nach dem Tiertransport gewaschen und desinfiziert wurde, werde überprüft. „Sonst kann man den Schlachthof gar nicht verlassen“, sagt Koller, der im Familienbetrieb nach eigenen Angaben „Mädchen für alles“ ist.
Während seine Frau Elena für die Buchhaltung zuständig ist, kauft er die Tiere bei Landwirten in Bayern ein und verkauft sie dann wieder, wenn sie geschlachtet werden. Dabei ist viel Logistik gefragt: Koller klärt bei den Metzgereien ab, wie viel Fleisch welcher Haltungsstufen sie brauchen. Dann koordiniert er die Fahrten zu den Schlachthöfen und transportiert die Tiere. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist auch die Kundenpflege.
„Der Kontakt mit den Landwirten ist mir besonders wichtig“, sagt Reinhold Koller. Außerdem liebt er an seiner Arbeit, dass er viel unterwegs sei. Und der Umgang mit Schweinen, Ferkeln, Kälbern, Bullen, Rindern und Kühen bereite ihm Spaß. „Das ist mein Leben“, sagt Koller über seinen Job, der für ihn mehr als das ist.
Bereits als kleiner Junge erlebte er, wie sein Vater als Viehhändler gearbeitet hat. Die Ursprünge der heutigen Viehhandelsgesellschaft Koller in Staufersbuch reichen aber weiter zurück. Reinhold Kollers Urgroßvater gründete einst den Betrieb.
Bekannt als der „Schweine-Koller“
Reinhold Koller selbst stieg im Jahr 2000 ein, nachdem sich der gelernte Metzger, Vieh- und Fleischhandelskaufmann und später Groß- und Außenhandelskaufmann in Kaiserslautern an einer Schule für Unternehmensnachfolger weitergebildet hatte. Den heimischen Betrieb übernommen hat Koller dann offiziell im vergangenen Jahr.
Unter den Landwirten ist der Staufersbucher als der „Schweine-Koller“ bekannt, wie sein Viehhändler-Kollege Alfons Ferstl aus Langenthonhausen verrät. Denn als Koller 2000 angefangen hat, gab es viele Händler für Großvieh. Deshalb habe sich Koller vor allem auf Schweine konzentriert. Ferstl und Koller bündeln ihre Kräfte als Viehhändler und helfen sich gegenseitig aus.
Denn Koller und seine sechs Mitarbeiter decken zehn Landkreise in vier Regierungsbezirken ab. Auch an diesem frühen Sonntagabend rollt Koller mit seinem Lkw wieder los – während viele noch den Rest des Wochenendes genießen.