Familienvater aus Neustadt handelte mit Drogen – Spur führt in die Bodybuilder-Szene

Über vier Jahre Haft kassierte vor kurzem ein 34-jähriger Bodybuilder aus Neustadt (Lkr. Kelheim) für seinen illegalen Handel mit Dopingmitteln. Jetzt stand ein Kunde des 34-Jährigen vor Gericht. Der war bis zu seinem Kontakt mit Anabolika-Händler ein unbescholtener Familienvater.
Der 50-jährige Fabrikarbeiter aus Neustadt a.d. Donau hatte ein bisschen Speck angesetzt, wie er vor dem Regensburger Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Andrea Bauer bekannte. Der Bauch sollte weg, dafür wollte sich der zweifache Familienvater mit Hanteln und Fitnessgeräten quälen. Doch irgendwie, dachte der Mann, müsse das einfacher gehen. Er kam mit Jaroslaw O. in Kontakt.
Der galt als Koryphäe im Bodybuilding. 2022 war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere – frisch gebackener Deutscher Meister im Bodybuilding und, was damals offiziell niemand wusste, auch ein Händler für Anabolika, Wachstumshormonpräparate und leistungssteigernde Arzneimittel.
Was O. selbst nicht wusste: Zu seinen treuesten Fans gehörten nicht nur 20 Kunden – mutmaßlich aus der Kraftsportszene –, sondern auch das Zollfahndungsamt in Nürnberg.
Ermittler hörten Telefon ab
Deren Ermittler hörten regelmäßig die Gespräche des Kraftsportlers ab und wunderten sich deshalb, als Ende 2022 der Deutsche Meister mit einem Kunden über die „Weißen“ sprach. Das war keines der gebräuchlichen Decknamen für kraftspendende Mittel. Tatsächlich handelte es sich um Amphetamin. 200 Gramm wollte der Kunde kaufen, am Ende – und weil es Mengenrabatt gab – kaufte der Mann am anderen Ende der Telefonleitung 500 Gramm.
Die Ermittler vom Zollfahndungsamt hängten sich auch an ihn und erfuhren aus abgehörten Telefonaten, dass der 50-Jährige zumindest einen Teil des Amphetamins weiterverkaufte. Drei seiner Kunden wurden deshalb ebenfalls aktenkundig und landeten ebenfalls vor dem Strafrichter.
Bei dem Mann aus Neustadt a.d. Donau klingelten die Zollfahnder kurz vor Jahresende 2022 an der Wohnungstür. 251 Gramm Amphetamin waren och übrig, die Beamten fanden die Menge im Gefrierschrank der Wohnung. Auf dem Balkon stießen sie auch noch auf 76 Gramm Marihuana. Angeblich war die für den Vater des Mannes bestimmt, der, so sein Sohn, ein Bein verloren habe und unter starken schmerzen leide.
Schlechte Qualität
Vor Gericht blieb der 50-Jährige seiner bisherigen Linie treu. Er gab das Geschehen wie schon gegenüber den Ermittlern in vollem Umfang zu. Klar wurde bei der Verhandlung im Sitzungssaal 103 des Amtsgerichts Regensburg auch, warum der Angeklagte das Amphetamin genommen hatte: Das Mittel wirkt aufputschend. Der Familienvater wollte bessere Trainingsergebnisse erzielen und schluckte die Pillen.
Tatsächlich, räumte der Angeklagte jedoch ein, sei der Erfolg nicht besonders erfolgreich gewesen. Ein paar Tassen starken Kaffees hätten dieselbe Wirkung besessen. Die chemischen Untersuchungen bestätigten: Das Aufputschmittel, das ihm der Bodybuilding-Champion geliefert hatte, war von unterdurchschnittlicher Qualität und deshalb nur von geringer Wirksamkeit.
Der leichte Bauchansatz des 50-Jährigen blieb. Weit schlimmer für den Mann war, dass er seinen Führerschein verlor. Bis zu seiner Festnahme Ende Dezember 2022 hatte er als Berufskraftfahrer gearbeitet und Lkw gefahren. Weil aber der 50-Jährige nicht nur mit Amphetamin gehandelt, sondern es auch selbst konsumiert hatte, wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen.
Glück im Unglück hatte der Angeklagte, weil er in geordneten Verhältnissen lebt, regelmäßig arbeitet und sonst noch nie was gegen ihn vorgelegen hatte. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er 1000 Euro an einer gemeinnützige Einrichtung zahlen und dreimal zu Suchtberatungsgesprächen gehen. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin, die von einem minderschweren Fall ausgegangen war und die Sozialprognose als „denkbar gut“ einstufte.
Der Haftbefehl, der bereits außer Vollzug gesetzt war, wurde mit dem Urteil aufgehoben. Der 50-Jährige verzichtete noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel, weshalb das Urteil rechtskräftig ist.