Dashcam filmte ihren Wolfsunfall auf der A93 bei Schwandorf – Gerüchte um Rudel am Wölsenberg

Diese junge Frau macht kein Geheimnis aus ihrem Unglück: Ende Februar lief Elena Weiß auf der A93 bei Klardorf (Stadtgebiet Schwandorf) ein Wolf vors Auto. Den Aufprall filmte eine Dashcam in der Windschutzscheibe ihres Kia. Während es am Unfallhergang keine Zweifel gibt, tauchen andere Fragen auf. Zum Beispiel die, ob am Wölsenberg bei Nabburg noch mehr Wölfe herumziehen.
Wie berichtet, gab es auf der A93 im Landkreis Schwandorf zuletzt zwei Unfälle, bei denen jeweils ein junger Wolfsrüde getötet wurde. Ob die beiden Tiere Geschwister waren, ist noch unklar. Fakt ist: Ein Wolf wurde zuletzt am 1. März bei Nabburg von einem unbekannten Autofahrer überfahren. Das zweite Tier hatte Elena Weiß kurz zuvor, in der Nacht zum 25. Februar, bei Klardorf mit ihrem Auto erfasst.
Diese Dashcam-Aufnahme zeigt den Zusammenprall mit dem Raubtier:
Die junge Wackersdorferin, die eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten in einer Arztpraxis in Teublitz absolviert, war in besagter Nacht auf dem Heimweg von einem Stammtisch in Regensburg. Einmal im Monat trifft sich die Runde und zieht danach immer noch in eine Diskothek weiter. Doch an diesem Abend fühlte sich Elena Weiß nicht ganz so fit, und in Feierlaune war sie auch nicht. Sie stieg also in ihren kleinen, weißen Kia Picanto und machte sich auf den Heimweg. Der wendige Wagen bedeutet ihr viel, ist er doch sogar mit Sitzheizung und Rückfahrkamera ausgestattet.
Kleine Kamera filmt den Fahrtverlauf kontinuierlich
Wie bei all ihren Fahrten ließ sich Weiß auch in jener Nacht von einer Dashcam begleiten, die an der Windschutzscheibe befestigt ist. Die kleine Kamera filmt kontinuierlich den Fahrtverlauf und zeigt zum Beispiel auch die Geschwindigkeit an. Derartige Videos erfreuen sich im Netz einer immer größer werdenden Fangemeinde – auch die junge Wackersdorferin gehört dazu und hat auf der Videoplattform YouTube den Kanal „DashcamDriversGermany“ abonniert.
Es war gegen 0.23 Uhr, als die Kamera einen Moment aufzeichnen konnte, den Elena Weiß wohl ihr ganzes Leben lang nicht vergessen wird. Vom Standstreifen aus lief ein Wolf auf die Fahrbahn. Kurz vor dem Zusammenstoß versuchte das Raubtier, noch einen kräftigen Satz nach links zu machen und auszuweichen – doch es war zu spät. Mit 123 km/h erfasste Elena Weiß den jungen Wolfsrüden. Bremsen konnte sie nicht mehr.
„Ich habe den Wolf sofort an seinen spitzen Ohren erkannt“, sagt die Wackersdorferin. Sie hatte Glück im Unglück. Unverletzt konnte sie aus ihrem Kia aussteigen. An dem Kleinwagen entstand freilich hoher Sachschaden. Die Stoßstange, das Tagfahrlicht und der Radschutz mussten erneuert werden. Rund 2850Euro Werkstattkosten stehen unterm Strich auf der Rechnung, die die Wackersdorferin nun an ihre Versicherung weitergegeben hat. Sie hofft, dass sie lediglich 150 Euro Selbstbeteiligung berappen muss.
Auch Spaziergänger können auf einen Wolf treffen
Elena Weiß will, dass es bei der einen ungewollten Begegnung mit dem Wolf bleibt. „Das nächste Mal schaue ich ihn mir lieber wieder in einem Zoo an“, meint die junge Frau. Längere Nachtspaziergänge im Wald vermeidet Weiß nun – auch weil sie Wildschweine fürchtet.
Dass Spaziergänger im Landkreis Schwandorf auf einen Wolf treffen können, ist nicht ausgeschlossen. Das hatte zuletzt auch schon der Landtagsabgeordnete Alexander Flierl (CSU), der sich auch als Bezirksvorsitzender beim Bayerischen Jagdverband engagiert, betont. Er rechnet mit einer Wolfspräsenz in der Region.
Die beiden Unfälle auf der A93 hatten unter anderem Gerüchte befeuert, dass sich zwischen Schwandorf und Nabburg bis zu sechs Wölfe herumtreiben. Deren Hauptgebiet sei der Wölsenberg bei Nabburg.
An der Behauptung sei nichts dran, sagt der zuständige Jagdpächter Ulrich Heigl. Der Nabburger Zahnarzt kennt die Gegend rund um den Wölsenberg wie seine eigene Westentasche. Seit 25 Jahren geht er hier schon auf die Jagd. Einen Wolf hat er in den vergangenen Jahren hier nicht gesehen. Heigl hat sich dazu auch mit seinen Reviernachbarn ausgetauscht. Die hätten nach Auswertung ihrer Wildkameras ebenso Fehlanzeige gemeldet. Gegen eine Ansiedlung von Wölfen in dem Bereich spricht laut dem Jäger auch eine kleine Schafherde, die hier zuhause ist. Hier habe es keinen einzigen Riss gegeben.
Gebiet rund um den Wölsenberg ist attraktiv für Wölfe
Der erfahrene Jagdpächter kann sich das Gerücht nur mit einem Namen erklären. Denn neben dem Wölsenberg gibt es in der Ecke auch noch den Wolfsberg. „Wahrscheinlich lebten hier zu früherer Zeit tatsächlich Wölfe“, meint Heigl. Dass das auch in Zukunft so sein könnte, will der Jagdpächter nicht ausschließen. „Das Gebiet rund um den Wölsenberg ist schon attraktiv für Wölfe. Es gibt hier ein großes Waldgebiet, und die Landschaft ist hügelig“, sagt er.
Bei seinen Streifzügen durch das Jagdrevier stellte Ulrich Heigl zuletzt nachts fest, dass das Rehwild häufiger als sonst „schreckt“. In der Waidmannssprache beschreibt man damit einen Laut der Tiere, der an das Bellen eines Hundes erinnert. „Das Rehwild schreckt, wenn es beunruhigt wird, die Gefahr aber noch nicht identifizieren kann“, erklärt der erfahrene Jagdpächter. Sind es Wildschweine, oder ist es am Ende doch der Wolf? Heigl will sich nun auf Ursachenforschung machen. Der Ausgang ist ungewiss.

