Ein teurer Fehlalarm: Wer zahlt für den Apple-Watch-Einsatz bei Bodenwöhr?

Von Martin Kellermeier · 26. Februar 2024 um 14:12

Einen solchen Einsatz hat es in dem Sieben-Seelen-Örtchen Turesbach bei Bodenwöhr noch nie gegeben. Nachdem am Freitagabend die Integrierte Leitstelle (ILS) Amberg Großalarm ausgelöst hatte, machten sich 100 Retter samt Hubschrauber auf den Weg. Doch eine Apple Watch hatte Fehlalarm ausgelöst. Wer zahlt den Einsatz?

Ermittlungen der Polizeiinspektion Neunburg haben ergeben, dass die Kosten für den Einsatz wohl der Steuerzahler tragen muss. Deren Chef Markus Schmitt rechnet mit „etlichen 1000Euro“, die da wohl in den Sand gesetzt wurden. Doch in Rechnung stellen könne man die Summe niemandem. „Wir konnten keinerlei schuldhaftes Verhalten feststellen“, informiert der Erste Polizeihauptkommissar.

Um 19.59 Uhr kam der Alarm – und die Rettungskette setzte sich in Bewegung

Auf den Plan gerufen wurden die Rettungskräfte von einer Apple Watch. Die übermittelte an die ILS einen Notruf samt Koordinaten, die sich direkt im Neuerweiher bei Turesbach befanden. Der Disponent ging folglich von einer oder mehreren Personen in Wassernot aus, und setzte um 19.59Uhr die Rettungskette in Bewegung.

Alles ging blitzschnell. 100Einsatzkräfte, darunter auch fünf Einheiten der Wasserwacht und die Crew des Rettungshubschraubers Christoph Regensburg, eilten nach Turesbach und begannen mit der Suche nach den Verletzten.

Sie waren in Turesbach (Gemeinde Bodenwöhr) im Einsatz

Feuerwehr: Pingarten, Bodenwöhr, Neunburg

Wasserwacht: Bodenwöhr, Neunburg, Nittenau, Schwandorf, Burglengenfeld

Rettungsdienst: Vier Rettungswagen, ein Rettungshubschrauber, zwei Notärzte sowie der Helfer vor Ort aus Neunburg

Einsatzleiter: Josef Seitz (Feuerwehr), Andreas Fuchs (Wasserwacht), Marco Sperl (Rettungsdienst)

Die Leitstelle versuchte derweil, mit dem Träger der hochmodernen Uhr in Kontakt zu treten. Mit Erfolg: Nach mehreren Versuchen meldete sich eine Seniorin aus dem nördlichen Landkreis Regensburg. Sie war zuhause, wohlauf und mit hoher Wahrscheinlichkeit in ihrem ganzen Leben noch nie in Turesbach.

Nun rätselt die Polizei, wie es zu dem Fehlalarm und der Übermittlung der falschen Koordinaten kommen konnte. „Es liegt wohl ein technischer Defekt an der Apple Watch oder deren System vor“, bilanziert Polizeichef Schmitt. Er findet: „Solche Fehlalarme dürfen eigentlich nicht passieren!“

Auch der Bodenwöhrer Bürgermeister Georg Hoffmann trägt eine Smartwatch

Das sieht auch Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann so. Der CSU-Kommunalpolitiker ist selbst aktiver Feuerwehrmann bei der FF Altenschwand. Zudem ist er Verbandsrat des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberpfalz-Nord, der auch die ILS in Amberg betreibt. Hoffmann beobachtet derartige Einsätze daher mit besonderem Interesse. „Der Einsatz am Freitagabend steht unter einer negativen Prägung, weil es am Ende ein Riesenaufwand für nichts war. Derweil sollte die Hilfe am Menschen immer im Vordergrund stehen“, erklärt er.

Der Bürgermeister gibt sich gern als Fan von Technik und Fortschritt. Er fährt mit Überzeugung einen Tesla, und am Handgelenk trägt er eine Smartwatch aus dem Hause Samsung. Technik sei ein Segen und würde gerade bei Unfällen zum Lebensretter werden, sagt Hoffmann. Doch immer wieder komme es zu Fehlalarmen.

Der Bürgermeister macht sich Gedanken, wie man diese verhindern könnte. „Man kann dem Disponenten in der Leitstelle keinen Vorwurf machen: Er arbeitet den Einsatz ab und muss natürlich immer von einer Gefahr im Verzug ausgehen. Anders kann er das nicht lösen“, so Hoffmann.

Lässt fehlende Ortskenntnis derartige Fehlalarme zu?

Eine Verbesserung der Lage würde man wohl nur mit der Schaffung lokaler Leitstellen erreichen. Hier könnten Mitarbeiter mit Ortskenntnissen am Telefon sitzen. „Dann hätte man draufkommen können, dass sich bei Turesbach ein derartiger Unfall mit Blick auf die Örtlichkeit eigentlich nicht ereignen kann“, findet der Rathauschef. Doch freilich könne man nicht in jeder Gemeinde eine eigene Leitstelle vorhalten. „Das wäre finanziell nicht leistbar“, sagt Hoffmann.

Auch bei der ILS Amberg macht man sich Gedanken zu dem Einsatz am Freitagabend. „Wir rätseln, wie es zu den falschen Koordinaten kommen konnte. Aber da fehlt auch uns der Ansatz“, erklärt Schichtleiter Manuel Büttner. Derartige Fehlalarme, die durch Smartwatches entstehen, seien im Zuständigkeitsbereich der Amberger Leitstelle „zum Glück eine Seltenheit“. Im vergangenen Jahr habe es sich lediglich um eine einstellige Zahl gehandelt.

Smarte Uhren sind durchaus beliebt. Symbolbild: R. Günther, dpa