Drogenrazzia in Regensburg: Dealer verkaufen Rauschgift an die Polizei

Rauschgift-Fahndern gelang in Regensburg ein großer Schlag – in einer Wohnsiedlung im Südwesten der Stadt stellten sie 30 Kilo Drogen sicher und fanden mehrere Zehntausend Euro in bar. Die Hintergründe des Falls sind bemerkenswert.
Großer Schlag gegen die Drogenszene: Monatelang sind Telefone abgehört, zig Adressen observiert und sogar verdeckte Ermittler eingesetzt worden. Am vergangenen Mittwoch (6. März) griffen Kräfte der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI-Z) in Regensburg zu – und stellten kiloweise Rauschgift sowie Zehntausende Euro Bargeld sicher. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher war das „mit der größte Rauschgift-Fund in den vergangenen eineinhalb Jahren“. Drei Regensburger sitzen seitdem in Untersuchungshaft, die Ermittlungen gegen sie laufen weiter.
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Zwei Männer hatten Kripo und Staatsanwaltschaft in Regensburg nach aktuellsten MZ-Recherchen offenbar seit geraumer Zeit im Fokus: Hintergrund soll ein größerer Drogendeal vom Mai 2022 gewesen sein, zu dem die Ermittler offenbar einen Tipp bekamen. Damals soll ein 31-jähriger Deutscher zwei Kilo Methamphetamin verkauft haben. Im Juni 2023 sollen weitere kleinere Geschäfte gefolgt sein, bis der Mann wohl an den Falschen geriet – er und ein 34-jähriger Tscheche verkauften ihren Stoff nämlich an einen verdeckten Ermittler.
Die beiden Männer hatten, ohne es zu wissen, wohl im August und Oktober jeweils 100 Gramm Methamphetamin und Kokain an die Regensburger Kripo verkauft. Im Januar sollen weitere 400 Gramm der synthetischen Droge den Besitzer gewechselt haben; wieder an einen Beamten in Zivil. Rechtlich gesehen ist das allerdings ein Drahtseilakt für die Ermittler: Die Polizei darf laut Gesetz nämlich nicht zu den Taten anstiften – das Rauschgift muss ihnen angeboten werden. Details gab es dazu folglich keine. Spätestens im Prozess dürfte weitere Hintergründe dazu ans Licht kommen.
Bei Razzia 30 Kilo Crystal, Koks, Gras und Amphetamin beschlagnahmt
Der Dritte im Bunde, ein ebenfalls 34-Jähriger aus Regensburg, ging den Fahndern erst am Tag des Zugriffs ins Netz. Er soll der Mieter einer Wohnung im Stadtteil Kumpfmühl gewesen sein, die den Männern wohl als Bunker für die Drogen gedient hatte. Seit Monaten observierte die Kripo die Adresse und zahlreiche weitere Objekte. Am 6. März konnte in der Wohnung im Südwesten der Domstadt dann Rauschgift im Straßenwert von mehreren Hunderttausend Euro sicher – sechs Kilo Marihuana, zwei Kilo Kokain sowie 16 Kilo Amphetamin, ein halbes Kilo Crystal Meth sowie weitere sechs Kilo, deren Stoffbestimmung noch aussteht. Womöglich handelt es sich um Streckmittel für die anderen Drogen, hieß es.
Alle drei Beschuldigten sollen für die Polizei keine Unbekannten sein, hieß es. Der mutmaßliche Mieter der Drogen-Wohnung hatte zuletzt 2021 vor Gericht gestanden. Er kam damals mit einem blauen Auge davon – weil Ermittler geschlampt hatten, wie Strafverteidiger Michael Haizmann sagte. Ende 2019 hatten sie in einer Wohnung in der Altstadt mehr als drei Kilo Drogen und ein wahres Waffenarsenal gefunden.
Der Regensburger kam wegen bewaffnetes Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor Gericht – doch die Wohnung, in der Gewehre, Armbrüste und Beil sichergestellt wurden, gehörte gar nicht dem 34-Jährigen. Nach einem Deal durfte er trotz einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten sofort auf einen Entzugstherapie.
Fahnder der KPI-Z finden fünfstelligen Bargeldbetrag bei der Groß-Razzia
Im aktuellen Fall hat der Beschuldigte Strafverteidiger Johannes Büttner an seiner Seite. Dessen Kanzleikollege Haizmann sowie Strafverteidiger Helmut Mörtl und seine Kollegin Prabhlin Sidhu vertreten die beiden anderen Männer. Zu Details wollten sich die Anwälte auf Nachfrage nicht äußern. „Wir haben noch nicht einmal die Akten“, erklärten sie. Nicht kommentieren wollten sie auch die Sicherstellung ein mittleren fünfstelligen Betrages in bar.
Den Bargeldfund bestätigte das Polizeipräsidium am Montag nachmittag in einer Pressemitteilung. Bei der konzertierten Aktion am 6. März seien demnach fast zeitgleich elf Objekte im Stadtgebiet von Regensburg akribisch durchsucht worden. Dabei konnten Polizeikräfte zudem eine Vielzahl an Datenträgern, mehrere Mobiltelefone sowie einen verbotenen Teleskopschlagstock sicherstellen.
Der aktuelle Fall weckt Erinnerungen an eine Groß-Razzia, bei der im April 2022 sogar ein Spezialeinsatzkommando anrückte: In einem Keller stellten Kripo und Staatsanwaltschaft damals mehr als 3,5 Kilo Heroin sicher. Im Prozess vor dem Landgericht ging es für die sogenannte Heroinbande um fast 45 Kilo harter Drogen – die fünf angeklagten Männer (35 bis 48 Jahre alt) wurden Ende Februar zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sie bekamen zwischen 14 Jahren sowie fünf Jahren und drei Monaten.