„Ich kann mich gut erinnern“: Hans Schaidinger übergibt Nachlass an Stadtarchiv

Von Jürgen Scharf · 11. März 2024 um 17:00

Zum 75. Geburtstag von Hans Schaidinger lud die Stadt Regensburg zu einem Festakt ins Alte Rathaus. Nicht wenige der Gäste werden darauf gehofft haben, dass der ehemalige Oberbürgermeister bei seiner Rede ein paar alte Geheimnisse lüftet. Das tat er dann zwar nicht, Schaidinger kündigte aber an, dass er dies dafür bald sogar in ganz großem Stil machen wird.

„Es ist gut, wenn man loslassen kann“, sagte Schaidinger an seinem Geburtstag. Deswegen habe er sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt als Oberbürgermeister auch bewusst Abstand und öffentliches Schweigen verordnet. Auf alle Ewigkeit wird sein politisches Vermächtnis aber nicht im Verborgenen bleiben: „Ich werde mit der Stadt einen Vertrag schließen, dass ich meine ganzen persönlichen Akten und Erinnerungen dem Stadtarchiv übergeben werde. Und ich stehe auch für Zeitzeugen-Gespräche zur Verfügung.“

Vertrag kommt noch

Lorenz Baibl, der das Stadtarchiv leitet, bestätigt auf Anfrage, dass er die Idee von Schaidinger „sofort und gerne“ aufgegriffen habe. Es gebe bereits eine mündliche Absprache, der offizielle Schenkungsvertrag müsse dann im Rahmen der Übernahme der Unterlagen ins Archiv geschlossen werden. Deswegen sei auch noch keine detaillierte Auflistung oder Sichtung der Dokumente erfolgt. Wenn es soweit ist, werde das Material Baibl zufolge von den Archivaren des Stadtarchivs nach den üblichen Richtlinien, unter anderem mit einem Inhaltsverzeichnis, erschlossen.

An seinem Geburtstag hatte Schaidinger erzählt, dass er sich zwar öffentlich nicht äußere, die Entwicklung Regensburgs aber natürlich weiter genau verfolge: „Ich fahre an großen neuen Baugebieten vorbei und weiß noch, wie wir im Stadtrat die Bebauungspläne auf den Weg gebracht haben.“ Dann komme ihm sofort auch in den Sinn, dass manche dieser Projekte einst von großen Teilen des Stadtrats stark bekämpft worden seien. „Ich kann mich da sehr gut daran erinnern“, sagt er. Und er registriere auch, dass sich nun mancher, der einst dagegen gestimmt hat, über die Fertigstellung des Projekts freue.

Noch ist unklar, wie umfassend der Nachlass Schaidingers sein wird. Ob etwa auch Dokumente, die einst von den Ermittlungsbehörden im Zuge der Regensburger Korruptionsaffäre untersucht wurden, dabei sind, könne Baibl zufolge erst nach Sichtung der Dokumente gesagt werden.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden auf jeden Fall viele Unterlagen dabei sein, mit denen Schaidingers Amtsführung nachgezeichnet werden kann. Er sagte bereits an seinem Geburtstag über sich selbst: „Ich war nicht der einfachste Chef.“

Spannend könnten zudem insbesondere die Sachverhalte sein, „die nicht in irgendeiner Akte stehen“, wie es Schaidinger selbst beschrieb. Es gebe da „viele Dinge zu erzählen“. Dafür könnten die Zeitzeugen-Gespräche genutzt werden. Der frühere CSU-Politiker kündigt „allen Neugierigen“ aber jetzt schon an, dass „ich den Zeitpunkt, an dem die Akten ausgewertet werden dürfen, selbst bestimme – und er wird in der Zukunft sein“.

Baibl erklärt dazu, dass dies im Bayerischen Archivgesetzklar geregelt ist. Personenbezogenes Archivmaterial könne erst zehn Jahre nach dem Tod der betroffenen Person eingesehen werden.

Eine Frist von 30 Jahren

Diese Regelung werde vermutlich auch auf Teile von Schaidingers Nachlass zutreffen. Sachthematische Unterlagen können derweil in der Regel 30Jahre nach ihrem Entstehen eingesehen werden. Die jetzige Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarfischer sagt, dass das Archiv „das Gedächtnis unserer Stadtgesellschaft“ ist. Es sei der ideale Aufbewahrungsort für den Nachlass: „Die Dokumente haben große Bedeutung für die zukünftige historische Forschung zu Regensburg. Sie werden als Quellen ersten Ranges nicht nur die Persönlichkeit und das Wirken Hans Schaidingers abbilden, sondern auch interessante Einblicke in die Entwicklung unserer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten ermöglichen.“