„Transparent und modern“: Regensburger Dom bekommt neue Sitzbänke

Der Regensburger Dom bekommt neue Sitzbänke. Leicht sollen sie wirken, aber auch massiv genug. Selbstbewusst und gleichzeitig zurückhaltend. Modern, bequem, beheizbar – und des monumentalen Umfelds würdig. Am Freitag wurde der finale Entwurf vorgestellt.
Eins nahm Dompropst Franz Frühmorgen gleich zu Beginn des Pressegesprächs im Dom vorweg: „Es geht nicht um das historische Gestühl. Das bleibt unangetastet.“ Weichen müssen die „neuen Sitzmöglichkeiten“, die in den 1980er-Jahren im Mittelschiff, den beiden Querhäusern, der Sailer-Kapelle und rund um das Denkmal für Kardinal Herzog Philipp Wilhelm aufgestellt wurden.
„Nach 40 Jahren weist die helle Bestuhlung deutliche Gebrauchsspuren auf“, sagte Frühmorgen. Zudem wolle man dem Wunsch nach mehr beheizten Plätzen nachkommen – schließlich handle es sich um die Bänke mit dem besten Blick auf den Altar. „Das neue Gestühl soll den Bedürfnissen der Gläubigen Rechnung tragen“, sagte der Dompropst und stellte neben einer Sitzheizung und einem Kälteschutz im Fußbereich auch eine Induktionsschleife für Hörgeräte und ergonomisches Sitzen in Aussicht.
Neue Kirchenbänke für den Regensburger Dom: „Schwierige Aufgabe“
Zuständig für die Planung war das Staatliche Bauamt Regensburg. Dessen Leiter, Karl Stock, sprach von einer schwierigen Aufgabe, zeitgemäße Architektur würdig in das historische Umfeld zu integrieren. Daran habe man „feinfühlig und in kleinen Schritten, aber immer gemeinsam“ gearbeitet. Auch das Landesamt für Denkmalpflege war von der ersten Planung bis zum fertigen Muster eingebunden.
Die Detailplanung übernahm das Neumarkter Architekturbüro Berschneider + Berschneider. „Es ist ein leichtes Gestühl, das sich zurücknimmt“, sagte Geschäftsführerin Gudrun Berschneider. Geschreinert wird es aus hellem Eichenholz. Die Rücklehnen, Sitz- und Fußbänke – sie sind zwei Meter lang – werden zwischen die Seitenlehnen gespannt. „Das verleiht dem Gestühl eine gewisse Leichtigkeit“, erklärte Berschneider.
Die neue Sitzbank bekommt ein beheizbares Stoffpolster, knien werden Kirchgänger auf Kunstleder. Die Bänke fußen auf einem rund zehn Zentimeter hohen und gedämmten Podest. Es diene neben der Fußwärme auch der Ordnung im Raum. „Das Podest zoniert den Dom. Es macht ihn aufgeräumter“, sagt Berschneider, während sie auf die „frei dastehenden“ Bänke blickt, die ihr Entwurf ersetzen soll.
376 neue Sitzplätze für den Regensburger Dom – für 615.000 Euro
Insgesamt 376 Sitzplätze werden erneuert, darunter auch die freie Bestuhlung im Rücken der Sitzbänke. Die Stühle werden zugekauft. Auch sie seien „leicht, transparent und modern“, sagte Berschneider. In der Farbe seien sie den Sitzbänken ähnlich. Das verleihe dem Dom ein „homogenes Farbbild“.
Rund 615.000 Euro werden die neuen Sitzgelegenheiten laut Dompropst Frühmorgen kosten. Dazu kommen die Rechnungen des Architekturbüros und des Bauamtes. Der Umbau soll nach den Sommerferien beginnen. Auch am historischen Gestühl des Doms – es stammt aus dem 17. Jahrhundert – legen Arbeiter im Herbst Hand an. Die in diesen Sitzbänken verbaute Heizung ist laut Frühmorgen veraltet und „ein wahrer Stromfresser“. Deshalb soll sie erneuert werden.
Überlegungen, wie es sie unter Bischof Gerhard Ludwig Müller gegeben hatte, auch das Barockgestühl zu erneuern, habe man nicht mehr angestellt, sagte Frühmorgen. „Wir gehen respektvoll mit den historischen Einbauten im Dom um.“ Die neuen Sitzgelegenheiten sind laut dem Dompropst als Dauerlösung gedacht. „Wir haben nicht vor, sie nach 40 Jahren wieder zu erneuern.“



