Wer war das? Rätselraten um einen Anti-AfD-Gruß am Regensburger Dom

Von Rainer Wendl · 29. Januar 2024 um 17:00

Ein spezieller Gruß an die AfD prangte Samstagabend am Regensburger Wahrzeichen. Wer dafür verantwortlich war, ist unklar.

Als sich am späten Samstagnachmittag das Demonstrationsgeschehen in der Stadt aufgelöst und die Wintersonne verabschiedet hatte, wurde der nördliche Domturm zur Projektionsfläche einer Art Schlusskommentar. Zusätzlich zur herkömmlichen Beleuchtung wurde dieser Teil des Wahrzeichens mit den sechs Buchstaben „FCK AfD“ angestrahlt. Eine deutliche, auch ohne das üblicherweise weggelassene „U“ für jedermann verständliche Botschaft. Bis etwa 23.30 Uhr strahlte sie, erst dann wurde sie ausgeknipst.

Initiative gegen Rechts freut sich über Kreativität

Wer ist dafür verantwortlich? Dennis Forster, Sprecher der Initiative gegen Rechts (IgR), sagt auf Nachfrage: „Wir wissen nicht, wer hinter der Aktion steckt. Aber wir begrüßen so viel Kreativität beim Kampf gegen Rechts.“ Die IgR hatte am Samstag am westlichen Teil des Domplatzes zu einer Kundgebung aufgerufen, die sich gegen die zeitgleich stattfindende Demonstration mit dem Titel „Gemeinsam gegen den Ampelwahnsinn“ richtete.

Forster und seine Mitstreiter hatten bereits vorab darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Veranstaltung entgegen des Mottos nicht um eine bloße, aus der Mitte der Gesellschaft kommende Kritik an der Bundesregierung handle. „Schon beim Blick auf den Flyer wird sichtbar: Es ist eine eindeutig rechte Demo“, ließ die IgR per Pressemitteilung wissen.

Ohne Zweifel eindeutig war das von der Polizei im Nachgang bezifferte Teilnehmer-Verhältnis: Auf Seiten der Ampel-Kritiker zählte sie 300, bei den Gegendemonstranten 2000. Im Gegensatz zu vielen Regensburgern fiel der Polizei die ganz spezielle Abendbeleuchtung des Doms jedoch nicht ins Auge. „Wir sind erst am Montag durch die Medien darauf aufmerksam gemacht worden“, sagt Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd.

Polizei und Bistum wissen von nichts

Das bedeutet im Umkehrschluss: Offenbar hat sich niemand an der Sechs-Buchstaben-Botschaft gestört. „Es gab keine Mitteilung. Und es geschah auch nicht auf unsere Veranlassung, dass sie wieder ausgeschaltet wurde“, führt Reitmeier weiter aus. Gemäß Sachstand vom Montag besteht für die Polizei daher kein Grund, dem Rätsel der Beleuchtung auf den Grund zu gehen. Beim Slogan „FCK AfD“ handle es sich zudem um „eine Allgemein-Beleidigung, die nicht strafbar ist“.

Auch die Nachfrage bei der Kirche liefert keine Erkenntnisse über die Herkunft der Projektion am Domturm. „Das Bistum hatte von dieser Aktion keine Kenntnis gehabt“, erklärt Bistumssprecher Stefan Groß und lässt dabei nicht unerwähnt, dass der Dom als Gebäude dem Freistaat Bayern gehöre. Dieser scheidet als Urheber des Schriftzugs naturgemäß genauso aus wie die für die herkömmliche Beleuchtung zuständige Stadt Regensburg.

Davon abgesehen stellt Groß klar: „Der Dom sollte nicht als Projektionsfläche für politische Aktionen jedweder Couleur dienen.“ Gleichwohl ist es in der Vergangenheit durchaus vorgekommen, dass mittels der Kathedrale Stellung bezogen wurde.

Als im September 2013 eine Kundgebung der rechtsextremen NPD auf dem Domplatz stattfand, ließ der damalige Dompropst Wilhelm Gegenfurtner mit Billigung von Bischof Rudolf Voderholzer eine halbe Stunde lang die Domglocken läuten und sprengte so die Versammlung.