Regensburg im Energiesparmodus: Hat sich der dunkle Dom gelohnt?

Von Philip Hell · 18. September 2023 um 12:03

Kaum geht die Sonne unter, wird der Regensburger Dom von der Dunkelheit verschluckt. Seit rund einem Jahr wird das Denkmal nicht mehr angestrahlt – damals war die Energiekrise der Grund. Nur: Hat das eigentlich was gebracht?

Der Ukraine-Krieg sorgte für massive Turbulenzen auf den Energiemärkten. „Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde zählt“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer damals. Also knipste die Stadt dem Dom und dem Alten Rathaus das Licht aus und drehte die Heizung in ihren Gebäuden herunter.

Seit Sommer 2022 werden verschiedene Bauwerke nicht mehr angestrahlt. Eine Aussage über die Energiekosten, die dadurch eingespart wurden, kann die Stadt derzeit allerdings nur für den Zeitraum von der Abschaltung bis zum Jahreswechsel 2022/23 treffen. In diesen Monaten wurden laut Stadt 3300 Euro eingespart. Zudem wurden durch die Abschaltung 45000 Kilowattstunden Energie eingespart. Rechnet man diese Resultate hoch, dürfte die Stadt in dem einen Jahr, in dem der Dom und andere Bauwerke dunkel blieben, rund 8910 Euro und 121500 Kilowattstunden Strom gespart haben. Das entspricht in etwa 30 Vier-Personen-Haushalten.

Der Dom strahlt bald wieder

Lange beharrte die Stadt darauf, dass der Dom dunkel bleibt – auch als anderswo im Freistaat die Strahler wieder angingen. Inzwischen hat Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ihre Meinung jedoch geändert. Wie sie am Rande des Dombauhütten-Jubiläums sagte, wird das Denkmal ab dem Winter wieder bestrahlt. Die Stadt könne sich das schon leisten, so die OB.

Ein Schritt, den CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein begrüßt. Das der Dom und andere Baudenkmäler nicht angestrahlt werden, sei „Unsinn“, sagt er der MZ. Immer wieder höre er von Bürgern, die bedauern, dass der Dom nicht angestrahlt wird. Die Grünen sehen das ein wenig anders. Fraktionschefin Maria Simon sagt auf MZ-Anfrage, dass sich die Grünen gut vorstellen könnten, das der Dom nur an bestimmten Feiertagen angestrahlt wird.

Laut Auskunft 443.000 Euro eingespart

Neben dem Ausknipsen der Beleuchtung an Baudenkmälern sparte die Stadt auch Energie dadurch, dass sie die Raumtemperatur in ihren Gebäuden senkte. Auf diese Weise, teilt die Pressestelle mit, habe die Kommune 443.000 Euro, 427 Tonnen CO2 und 2.100.000 Kilowattstunden Energie gespart.

Insgesamt betrachtet hätten sich die Einsparmaßnahmen gelohnt, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. Insgesamt habe die Kommune acht Prozent weniger Energie verbraucht als in einem vergleichbaren Zeitraum vor Corona. „Das übertrifft die prognostizierte Einsparung von sechs Prozent.“ Die Stadt wertet das als „sehr positives Ergebnis.“ Und dennoch prüft die Stadt derzeit, welche der Energiemaßnahmen sie weiterführen möchte. Laut Sprecherin gilt weiterhin das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Stadt Regensburg im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent zu senken. Dazu setzt die Kommune auch auf PV-Anlagen. Der Sprecherin zufolge sind derzeit auf zwölf städtischen Liegenschaften Sonnenkollektoren in Planung. Perspektivisch könnten zwölf weitere noch dazu kommen.

Wo kann gespart werden?

Das dürfte bei den Grünen auf offene Ohren stoßen: „Wir sprechen uns für eine Weiterführung der Energiesparmaßnahmen aus. Gerade die Einsparungen bei den Raumtemperaturen in städtischen Gebäuden sind sehr beachtlich“, sagt Fraktionsvorsitzende Simon. „Vielleicht ließen sich an anderen Stelle sogar noch weitere Einsparmöglichkeiten identifizieren.“

Auch die CSU betont, dass bei den städtischen Büros ein großes Augenmerk auf den Energieverbrauch gelegt werden müsse. Gleichzeitig sagt Fraktionschef Eberwein: „Es muss für eine angemessene Temperatur für die Beschäftigten gesorgt werden.“ Die Raumtemperaturen soll seiner Meinung nach nicht unter 20 Grad sinken. „Sitzende Tätigkeiten erfordern auch eine angemessene Umgebungstemperatur.“ Bei der Beheizung von Büroräumen erwarte die CSU eine vernünftige und individuelle Behandlung.

Die Maßnahmen

Der Stadtrat stimmte Ende Juli 2022 über die Energiesparmaßnahmen ab. Damals fürchtete man Engpässe aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Zahlreiche bayerische Städte beschlossen ähnliche Maßnahmen. Konkret beschloss der Stadtrat nicht nur, den Dom nicht mehr anzustrahlen und die Temperatur in den Amtsstuben zu senken: Das Gremium entschied auch, die Beleuchtung in Parkhäusern zu reduzieren und die Straßenbeleuchtung zu dimmen. Außerdem wurde ein Krisenstab gebildet. Darüber hinaus prüfte die Stadt bestimmte Kälteschutzmaßnahmen – zum Beispiel die Einrichtung von Wärmestuben. Diese Pläne mussten schlussendlich allerdings doch nicht in die Tat umgesetzt werden.