Klinik Mainburg: Experten sind sich untereinander einig – aber nicht mit dem Publikum

Im Verbund mit Kliniken in und um Ingolstadt das Beste für ein Erweitertes Gesundheitszentrum Mainburg (Landkreis Kelheim) herausholen: Diesen Weg beschrieben die Referenten beim Infoabend zur Zukunft des Krankenhauses als alternativlos.
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Ansonsten drohe sogar die baldige Schließung des Hauses. Das Publikum indes bekräftigte seine Forderung, ein Mainburger Krankenhaus für die Notfallversorgung zu erhalten.
Nach der Kundgebung der Initiative zum Erhalt des Mainburger Krankenhauses strömten am Mittwochabend viele zum Infoabend in die Stadthalle. Dorthin hatte Kelheims Landtagsabgeordnete Petra Högl Referenten aller beteiligten Planungs- und Verhandlungsparteien eingeladen.
Die Botschaft der Redner: Spezialisierung und Ambulantisierung in der Medizin sowie die politischen Rahmenbedingungen bewirken, dass Mainburg als klassisches Krankenhaus nicht mehr lange zu halten sei. Seine Einbindung in einen großen Ingolstädter Verbund und die Umwandlung in ein Erweitertes Regionales Gesundheitszentrum (ERG) sei die bestmögliche Lösung für das bisherige 90-Betten-Haus.
• Petra Högl: „Nichts wäre uns allen lieber, wenn wir weiter ein Krankenhaus mit stationärer Notfallversorgung hätten“, sagte MdL Petra Högl und lobte diese in Mainburg geleistete Arbeit. Sie dankte auch allen, die sich fürs Mainburger Krankenhaus einsetzen. Aber Änderungen seien unausweichlich, angesichts „einer Vielzahl von Herausforderungen“, etwa der bevorstehenden Krankenhaus-Strukturreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach.
• Christian Degen: Seit vielen Jahren hätten sich Geschäftsführer und Berater an Konzepten zur wirtschaftlichen wie medizinischen Besserung in Mainburg versucht, ohne großen Erfolg. In der jetzigen Situation „werden wir es bei allem Einsatz unserer Mitarbeiter nicht mehr schaffen, die neuen Strukturvorgaben zu erfüllen“, erläuterte der Geschäftsführer der Ilmtalklinik GmbH (ITK) am Beispiel Oberschenkelhals-Bruch: Mittlerweile müsse eine Klinik hierfür nicht nur die OP-, sondern auch geriatrische und physiotherapeutische Kapazität vorhalten. Noch strenger und in Mainburg längerfristig unerfüllbar seien die Kriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine Notaufnahme. Deshalb und wegen des wachsenden Ärztemangels werde Mainburg als einzelnes Haus, ohne Pfaffenhofen, „auf Dauer nicht überleben“.
• Albert Gürtner: Die jetzige ITK-Klinik Mainburg droht alleine dazustehen, wenn Kelheim aus der Medizinstrategie der Region Ingolstadt aussteigt. Denn der „große Bruder“, die ITK Pfaffenhofen, beteiligt sich; das hat der Kreistag „mit sehr großer Mehrheit“ beschlossen, sagte der dortige Landrat und ITK-Aufsichtsratsvorsitzende Albert Gürtner. „Und wenn Kelheim mit Mainburg eigene Wege gehen will, wird es keine gemeinsame Zukunft für die ITK geben“, kündigte er unter Buh-Rufen an.
• Martin Neumeyer: „Wenn wir alles so lassen, wie es ist – dann bekäme ich Applaus“, aber die Gesundheitspolitik von Bund und Land zwinge Landkreise zum Handeln, so der Landrat. Es sei aber „mutig“ von Minister Lauterbach, eine Krankenhaus-Reform anzupacken. Mit ihr sei die angepeilte Variante E der Medizinstrategie Ingolstadt – mit Mainburg als künftigem ERG – „der Strohhalm, den wir für die Zukunft des Mainburger Hauses, für die nächsten 20 und mehr Jahre brauchen“: Es habe „eventuell die Chance auf Level 1i“.
Das sind im Lauterbach’schen System neu definierte „Krankenhäuser light“. Sie „verbinden stationäre Leistungen der interdisziplinären Grundversorgung wohnortnah mit ambulanten fach- und hausärztlichen Leistungen“, schreibt das Ministerium.
Landrat Neumeyer wies Vorwürfe zurück, der Landkreis investiere in seine Klinik zu wenig. Ein „Plan B“ im Falle einer Auflösung der ITK „ist nicht da“, antwortete er auf eine Zuschauerfrage: Weder die „stand alone“-Lösung noch Kooperationen mit Freising oder Kelheim seien realistisch.
Im Live-Ticker haben wir über den Verlauf des Abends berichtet.
• Fabian Schülke: Der Bereichsleiter Krankenhaus bei der Beraterfirma PwC warb für Variante E, weil sie auf „bestmögliche medizinische Versorgung“ setze – und zwar so, dass diese im künftigen Krankenhaus-System dann auch wirtschaftlich halbwegs tragbar sei. Minister Lauterbach habe, bei seinem Besuch in Pfaffenhofen, dies als richtigen Weg gelobt. Gehe Mainburg nicht mit, habe das Haus ein „unmittelbar erhöhtes Schließungs-Risiko“ und sei dann auch „als Gesundheits-Standort nicht mehr zu halten“, warnte Schülke.
• Christian Lackner: Der Unfallchirurg und Medizinstratege versicherte dem Publikum, für das PwC-Gutachten „habe ich Ihre Perspektive eingenommen“ und daher die Notfallversorgung in den Mittelpunkt gestellt. Wissenschaftlich erwiesen sei, dass das Überleben und Genesen nach schweren Notfällen – wie Schädel-Hirn-Trauma, Herzinfarkt oder Schlaganfall – vor allem davon abhänge, dass Rettungsdienst und Notarzt schnellstmöglich erstbehandeln und dann den Patienten in die für seine Diagnose geeignete Klinik bringen.
Für die meisten schweren Fälle sei Mainburg entweder jetzt schon nicht geeignet – etwa für Schlaganfälle – oder könne die neuen Kriterien künftig wohl nicht mehr erfüllen, etwa bei Herzinfarkt. Aber die medizinischen Richtlinien für die Transportdauer in geeignete Häuser lassen sich nach Lackners Überzeugung auch in der Region Mainburg einhalten, auch dank der Rettungshubschrauber in Regensburg und Ingolstadt.
An Grafiken zu den Fallzahlen der Mainburger Notaufnahme von 2000 bis 2023 zeigte er, dass jährlich eine ein- bis niedrige zweistellige Zahl der dort eintreffenden Patienten „sehr dringend“ oder gar „sofort“ behandlungsbedürftig waren. Diese würden in einem künftigen ERG Mainburg nicht mehr behandelt, sondern von dort – oder besser gleich vom Einsatzort aus – in geeignete Kliniken gebracht. Im Schnitt rund ein Drittel der Notaufnahme-Fälle waren per Erst-Triage als „dringend“ eingestuft; sie würden künftig fall-spezifisch erstversorgt und dann verlegt oder in Mainburg behandelt. Als „normal“ und „nicht dringend“ behandlungsbedürftig wurde gut die Hälfte der Notaufnahme-Patienten eingestuft; diese können auch in einem EGR behandelt werden.
• Roland Engehausen: Das jetzige und künftiges Personal in Mainburg brauche „Klarheit, wie es weitergeht“, mahnte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Und klar sei, „es gibt kein ,Weiter so‘: Die künftigen Strukturvorgaben werden Sie mit Ihrem Krankenhaus nicht mehr erfüllen können“. Wenn Kelheim darüber noch ein Jahr und länger diskutiere, „läuft Ihnen die Zeit davon“, warnte er.
Engehausen riet der Klinik Mainburg klar zur „Umwandlung in ein ambulant-stationäres Versorgungszentrum mit Notfall-Anlaufstelle“, gefördert vom Freistaat und in Kombination mit einer Stärkung des Rettungsdienstes und der Bereitschaftspraxis, sowie der Möglichkeit, weiterhin zu operieren, aber eben ambulant, und ergänzt um eine „pflegezentrierte Nachsorge“. Das könne „ein Konzept für die nächsten 20 und mehr Jahre werden“.


