Werksschließung der Firma Röchling in Wackersdorf: Betriebsratsvorsitzende äußert Bedenken

Von Philipp Breu · 29. Februar 2024 um 15:00

Der Automobilzuliefererer Röchling Automotive SE schmeißt an der Ottostraße in Wackersdorf 2025 hin. Etwa 90Jobs sind davon betroffen. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben die betriebsbedingten Kündigungen so gering wie möglich halten. Doch nach einem Gespräch mit der Betriebsratsvorsitzenden Melanie Bodensteiner wird deutlich: Es könnte Probleme geben.

„Es sind wirklich alle geschockt“, sagt Bodensteiner. Viel Zeit für ein Gespräch mit der Mittelbayerischen hat sie nicht. Seit die Werkschließung am Montag kommuniziert wurde, eile sie von Termin zu Termin. Die Belegschaft erfuhr am Dienstag von der Hiobsbotschaft, ehe das Unternehmen am Mittwoch auch die Öffentlichkeit über die Entscheidung informiert hatte.

Die veränderte Marktlage in Europa habe die Werkschließung unausweichlich gemacht, hieß es. In Wackersdorf produziert Röchling Automotive seit 1997 Komponenten für Fahrzeuge internationaler Marken. Dazu zählen Bauteile für den Unterbodenbereich, aerodynamische Verkleidungen und Abdeckungen, Luftklappensteuerungssysteme sowie Motorabdeckungen.

Schieflage war der Wackersdorfer Belegschaft nicht entgangen

Der europäische Automobilmarkt verharre derzeit aber laut Unternehmensangaben auf einem um rund 20Prozent niedrigeren Niveau als vor der Corona-Pandemie. Hinzu komme insbesondere in Europa ein Umsatzrückgang bei Verbrennerprodukten. Vor diesem Hintergrund sei die Werksschließung ein struktureller Entschluss mit Blick auf das gesamte Unternehmen.

Dass die Zeiten nicht rosig sind, sei auch der Belegschaft in Wackersdorf nicht entgangen, sagt die Betriebsratsvorsitzende. Man habe schon damit gerechnet, dass es angesichts des permanenten Umsatzrückgangs irgendwann eng für die rund 90Mitarbeiter am Standort Wackersdorf werden könnte. Immer wieder sei das Unternehmen in der Vergangenheit gezwungen worden, das Personal über Freiwilligenprogramme anzupassen. „Dass es aber jetzt so schnell zur kompletten Schließung kommt, hätten wir nicht gedacht“, sagt Melanie Bodensteiner.

Den Verantwortlichen des Unternehmens sei der Schritt nach eigenen Angaben nicht leicht gefallen. „Wir haben alle Optionen für eine verbesserte Struktur unserer Werke in Europa intensiv geprüft und uns die Entscheidung keineswegs leicht gemacht. Letztlich führt aber an der Werksschließung in Wackersdorf leider kein Weg vorbei“, sagte Matthias Drehkopf, COO bei Röchling Automotive bereits am Mittwoch.

Röchling-Firmengruppe hat kaum Standorte in der Region

Man sei jedoch bemüht, den den Stellenabbau so „verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten“ und einen Sozialplan zu entwickeln. Man wolle alles daran setzen, die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen gering zu halten. Das Unternehmen werde dazu die natürliche Fluktuation nutzen und verschiedene Möglichkeiten des freiwilligen Ausscheidens – zum Beispiel durch einen vorzeitigen Renteneintritt – anbieten. Außerdem sei man bemüht, Mitarbeitende, deren Stellen wegfallen, in andere Unternehmensbereiche der Röchling-Gruppe zu vermitteln. Neben Röchling Automotive gibt es noch die Sparten Röchling Medical und Röchling Industrial.

Worte, denen Bodensteiner durchaus glauben schenkt, nur könnte es bei diesen Vorhaben Probleme geben: Das Durchschnittsalter der Belegschaft liege bei etwa 45. Bei vielen komme zumindest ein vorzeitiger Renteneintritt damit nicht in Frage. Zudem seien alternative Arbeitsplätze in der Unternehmensgruppe weit von Wackersdorf entfernt. Bis auf ein Röchling Industrial-Werk in Roding gebe es eigentlich keine Standorte in der näheren Umgebung.

Wackersdorfs Bürgermeister besucht das Werk am Freitag

Vielmehr könnte da eine Nachricht aus dem Wackersdorfer Rathaus bei den Angestellten für zusätzliche Hoffnung sorgen. Bürgermeister Thomas Falter (CSU), der zu sämtlichen in der Gemeinde ansässigen Firmen enge Kontakte pflegt, hatte am Mittwoch angekündigt, bei der Vermittlung neuer Arbeitsplätze für die Röchling-Mitarbeiter zu helfen.

Auch für Bodensteiner ist das durchaus ein positives Signal. Am Freitag werde der Rathauschef das Röchling-Werk an der Ottostraße besuchen. Bei dem Treffen will auch die Betriebsratsvorsitzende mit dabei sein.