Investition von mehr als 50 Millionen Euro: Nabaltec rüstet sich in Schwandorf für die E-Mobilität

Von Hubert Heinzl · 14. Februar 2024 um 05:00

Die Elektromobilität soll auch bei der Schwandorfer Nabaltec AG für Schub sorgen. Mehr als 50 Millionen Euro will das Unternehmen bis Ende 2025 investieren, um mit seinen Produkten vom wachsenden Markt zu profitieren. Am Standort in Dachelhofen sind die ersten Bauarbeiten schon zu besichtigen.

Für den Laien sehen die Produkte des Unternehmens wenig spektakulär aus. Doch das weiße Pulver unterschiedlichster Korngröße und Zusammensetzung, von dem im Jahr bis zu 200.000 Tonnen die Werkstore verlassen, hat es durchaus in sich.

Zur Produktpalette zählen Aluminiumoxide mit einem Schmelzpunkt von mehr als 2000 Grad, die als feuerfeste Auskleidung in Hochöfen dienen, Zündkerzen isolieren oder als industrielles Schleifmittel Verwendung finden. Aluminium-Hydroxide finden sich als Flammschutzmittel oder sogenannte „funktionale Füllstoffe“ in Telekommunikations- und Datenkabeln, aber auch in Haushaltsgeräten. Böhmit schließlich (für Chemiker: ein Aluminium-Oxid-Hydroxid) komplettiert die Produktfamilie. Der temperaturbeständige Füllstoff wird etwa in Katalysatoren oder Leiterplatten eingesetzt.

Für die Nabaltec in Schwandorf öffnet sich ein Fenster

Mit der Ausbreitung der Elektromobilität geht für die Nabaltec AG gerade bei den funktionalen Füllstoffen „ein Riesen-Fenster auf“, wie es Vorstandsvorsitzender Johannes Heckmann formuliert. Denn vor allem in der Batterietechnik ergeben sich zahlreiche neue Anwendungen. Brandschutz ist in diesem Bereich ein großes Thema – und das nicht erst, seit E-Autos in Flammen aufgingen, weil die Hochvoltbatterie plötzlich Feuer fing.

Die Nabaltec bietet hier gleich mehrere Lösungen an, wie Vorstandschef Heckmann erläutert. Mit Böhmit etwa lassen sich die sogenannten Separatorfolien beschichten, die in den Batteriespeichern die einzelnen Zellen voneinander abschirmen. Eine Ummantelung aus Böhmit kann auch die Grate entschärfen, die bei der Kathodenfertigung in einzelnen Batteriezellen entstehen.

Auch bei den Aluminium-Hydroxiden tun sich laut Heckmann neue Anwendungsmöglichkeiten auf, und wieder hat das etwas mit der gar nicht so einfach zu handhabenden Speichertechnik zu tun. Die Deckel der Batteriegehäuse bedürfen nach seinen Worten einer eigenen Hitzebarriere-Schicht – die technische Lösung besteht in einem Mix aus Kunststoff und Alu-Hydroxid. Gleiches gilt für die Zuleitungskabel und sogar den Klebstoff, der in den Batteriekästen die Zellen verbindet. „Der Kleber muss sehr viel Wärme ableiten. Das kann unser Produkt erfüllen, wenn es in den Stoff verbaut wird“, erläutert der Vorstandschef. Zahlreiche namhafte Hersteller seien an der relativ neuen Anwendung interessiert.

Heckmann räumt ein, dass beim Thema E-Mobilität die Bäume zurzeit nicht in den Himmel wachsen, zumal die Weltmärkte zurzeit ohnehin mit angezogener Handbremse agierten. Das spüre auch die Nabaltec. Nach wie vor sei bei den Kunden Zurückhaltung bei der Auftragsvergabe spürbar. Für dieses Jahr gehe man bei den Umsätzen deshalb nur von einer „Seitwärtsbewegung mit leichter Tendenz nach oben“ aus.

Unternehmen will sich fit für die Zukunft machen

„Doch der Markt wird zurückkommen, auch in Deutschland und Europa“, ist Heckmann überzeugt. Er rechnet gerade bei der Batterietechnik mit allen ihren technischen Finessen mit einem „dynamischen Wachstum“. Wenn nicht schon heute, dann in absehbarer Zukunft.

Für die will sich das Schwandorfer Unternehmen mit einer Reihe von Investitionen fit machen, die sich bis Ende 2025 auf mehr als 50 Millionen Euro summieren sollen. Bereits angelaufen ist die Modernisierung der Böhmit-Herstellung im Osten des ausgedehnten Werksgeländes. Bis Ende 2024/Anfang 2025 sollen die Kapazitäten hier verdoppelt werden. Das Bestandsgebäude bleibt, investiert wird aber in moderne Anlagentechnik, zusätzliche Aggregate und ein weiteres Lagergebäude.

Noch eine Schippe drauf legt das Unternehmen mit der 25-Millionen-Investition im Bereich der Aluminium-Hydroxide, wo Heckmann ebenfalls von einem deutlich steigenden Bedarf ausgeht. Die Altanlage soll nach seinen Worten bis Mitte/Ende 2025 durch einen Neubau, eine „vollautomatische Fabrik“ ersetzt werden. Das Unternehmen wolle damit nicht nur „effizienter werden“ und die Prozesse optimieren, sondern auch Platz für neue Anwendungen schaffen. Parallel dazu sollen auch noch die beiden Drehrohröfen erneuert werden, die Heckmann zufolge das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben. Der Vorstandschef geht von weiteren Kosten von knapp sieben Millionen Euro aus.

All diese Investitionen will das Unternehmen „aus dem laufenden Cash-Flow“ stemmen, also aus eigener Kraft. Finanziell steht die Nabaltec nach den offiziellen Kennzahlen bestens da. Die Eigenkapitalquote lag laut dem jüngsten Quartalsbericht bei 49,2Prozent, und es gibt hohe flüssige Mittel. „Auf die Hilfe der Banken werden wir nicht angewiesen sein“, sagt Heckmann.

Hier wird das begehrte Aluminium-Oxid-Hydroxid produziert. Das Gebäude soll im Bestand erhalten bleiben, die Anlagentechnik jedoch komplett erneuert und ausgebaut werden. Foto: Hubert Heinzl