Kreistag Kelheim ringt erneut um Klinik Mainburg – zuvor gibt es Proteste und Infos

Die Zukunft des Mainburger Krankenhauses ist kurz vor der entscheidenden Sitzung des Kelheimer Kreistags umstrittener denn je. Immer stärker debattiert wird vor allem der Aspekt stationäre Notfallversorgung/Intensivmedizin.
An diesem Freitag (1. März) bereits ab neun Uhr berät der Kreistag erneut, ob die Ilmtalklinik Mainburg Teil eines „Integrierten Gesundheitsnetzwerks“ mit fünf weiteren – oberbayerischen – Krankenhäusern wird und darin dann wohl von der Klinik zum „Erweiterten regionalen Gesundheitszentrum“ abgestuft würde. Das jedenfalls schlägt die Beratungsfirma PwC für die Kliniklandschaft in und um Ingolstadt vor. Landrat Martin Neumeyer trägt den PwC-Vorschlag mit, bekam dafür allerdings vom Kreistag in der Sitzung am 31. Januar kein Verhandlungsmandat. Fraglich, ob er nun am Freitag eine Mehrheit findet.
Welche Variante nehmen?
Knackpunkt ist, dass PwC für seine „standortübergreifenden Medizinstrategie“ mehrere Varianten erarbeitet hat und daraus zwar Variante E als die geeignetste empfiehlt: ein Verbund des Klinikums Ingolstadt (Versorgungsstufe 2) mit den Häusern Eichstätt, Schrobenhausen und Pfaffenhofen als weiterhin bestehende Krankenhäuser (Versorgungsstufe 1) sowie den Noch-Krankenhäusern Kösching und Mainburg als künftigen Gesundheitszentren mit ambulanter Notfallversorgung; eine stationäre Notfall- und Intensivmedizin für lebensbedrohliche Erkrankungen gäbe es dort dann nicht mehr. Der Eichstätter Kreistag hat kürzlich beschlossen, für seine Häuser Eichstätt und Kösching über Variante E weiterzuverhandeln.
Aber PwC hat eben auch eine Variante C untersucht, in der bei allen beteiligten Kliniken der Status quo in etwa erhalten bliebe – sprich: auch Mainburg weiterhin ein Krankenhaus mit Notfallmedizin. Die Autoren selbst raten von dieser Variante ab; sie stufen sie finanziell, personell und wegen immer strengerer medizinischer Vorgaben als nicht mehr aufrecht erhaltbar ein.
Dem haben sich Kreistags-CSU und Junge Liste vor einer Woche weitgehend angeschlossen. Sie erinnern, dass die Ilmtalklinik Pfaffenhofen beim Ingolstädter Verbund mitmacht und dafür notfalls auch die GmbH mit Mainburg aufkündigen würde. Dann aber wäre dort die regionale Notfallversorgung gänzlich in Gefahr, warnen CSU/JL. Ein Einzel-Krankenhaus Mainburg sei nicht zu halten – also lieber ein gut aufgestelltes Erweitertes Gesundheitszentrum samt Notarzt- und Rettungsdienst-Struktur. Mit dieser Meinung weiß CSU-Sprecher Michael Raßhofer die Mehrheit seiner Fraktion hinter sich.
Widerstand wächst
Wie in der Öffentlichkeit im Raum Mainburg wächst aber in mehreren Kreistags-Fraktionen der Widerstand gegen Variante E. So fordern beispielsweise die Freien Wähler, neben Variante E auch die „Status-quo“-Variante C zu prüfen. Man wolle insbesondere vergleichen können, „welche finanzielle Unterschiede zwischen beiden Varianten bei der Defizitberechnung entstehen würden“, so Fraktionssprecher Christian Nerb.
In vielen Leserbriefen und Statements wird argumentiert, Wirtschaftlichkeit und Defizite dürften nicht das Kriterium sein, aufgrund dessen Mainburg den Krankenhaus-Status verliere. Vielmehr sei es medizinisch notwendig, in einer Region mit rund 42.000 Einwohnern eine stationäre Notfallversorgung vorzuhalten. Das beweise ja schon der Alltag, schildert eine Klinik-Mitarbeiterin:
„Eine volle Notaufnahme in Mainburg, die zu Stoßzeiten aus allen Nähten platzt, zum Teil liefern fünf Rettungswägen zeitgleich. Täglicher Kampf um die wenigen Intensivbetten in Mainburg. Zwangsbelegungen vom Rettungsdienst ist an der Tagesordnung, da kritische Patienten einen noch längeren Transportweg nur mit Einbußen ihrer Gesundheit oder ihrer Überlebenschance schaffen würden. Große Kliniken im Umland – auch Pfaffenhofen und Ingolstadt – lehnen die Patientenübernahme ab, da diese selbst immer voll belegt sind.“
Angesichts dessen wird aus dem Landkreis-Süden die Forderung immer lauter, Mainburg brauche eine rund um die Uhr besetzte stationäre Notfallmedizin. Dem schließen sich, nach der ÖDP-Fraktion nun auch die beiden FDP-Kreisräte Heinz Kroiss und Michael Schöll explizit an: „Einer Lösung (…) ohne eine Zukunft für die stationäre Notfallversorgung in Mainburg werden wir beide einzigen Mediziner im Kreistag nicht zustimmen.“ Alternativen zum Ingolstädter Verbund sehen sie in Kooperationen mit anderen Krankenhäusern im Umkreis oder „auch die Möglichkeiten einer Portalklinik oder die Einbeziehung der Expertise privater Träger“.
Erste Sitzung – erste Trends
Tendenziell zumindest aufgeschlossen für eine weitere Beteiligung an den Ingolstädter Fusions-Planungen zeigten sich – in der ersten Kreistagsdebatte am 31. Januar – Stadt-Land-Union und Grüne: bei den Verbund-Verhandlungen an Bord bleiben, aber auch Alternativen dazu prüfen, so der Tenor in deren Wortbeiträgen. Die SPD hatte aus der ersten Sitzung noch weiteren Beratungsbedarf abgeleitet. Gar keine Position bezogen in der ersten Kreistags-Debatte die Vertreter von AfD und Bayernpartei.
Ein Thema, drei Termin
Protest: Die Initiative „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ veranstaltet am Mittwoch (28.2.), ab 17.30 Uhr eine Kundgebung. Vom Treffpunkt Schöllwiese aus führt der Protestzug zur Stadthalle am Griesplatz. Dort begründen Redner aus Medizin und Wirtschaft die Petition der Initiative, die den Erhalt des Akutkrankenhauses Mainburg mit stationärer Notfallversorgung fordert.
Info: Die CSU bietet ebenfalls am Mittwoch ab 19 Uhr in der Stadthalle Mainburg eine Bürgerinformation mit Landrat, ITK-Geschäftsführer und den Autoren der Ingolstadt-Verbund-Strategie, Schülke und Lackner, an. Einlass ist ab ca 18 Uhr, der Zutritt auf rund 350 Gäste begrenzt. Auf www.petra-hoegl.de wird kurz vor Beginn ein Link zum Livestream gepostet. Dieser wird im Nachgang auch online gestellt.
Beschluss: Am Freitag (1. März) berät ab neun Uhr im Landratsamt der Kreistag über die „Zukunft der Klinik Mainburg“ und die Ingolstädter Strategie. Hier stehen laut Landratsamt rund 100 Plätze für Interessierte zur Verfügung. Vorab, um 8.45 Uhr, will die Krankenhaus-Initiative an Landrat Neumeyer den Zwischenstand ihrer Petition und „ausgewählte Kommentare“ übergeben.