Optimierung der Pflege: Neumarkts Klinikum setzt auf Flexibilität und individuelle Lösungen

Von Eva Gaupp · 26. Februar 2024 um 19:00

Nur dann arbeiten, wenn es einem passt. Genau das bietet das Klinikum Neumarkt seinen Pflegekräften im neuen Flexi-Pool. Das Modell ist ein wichtiger Baustein, um das gesamte Pflegeteam zu entlasten, wenn es kurzfristig zu Ausfällen kommt.

Fehlen Pflegekräfte, löst das eine Kettenreaktion aus: Die Kollegen müssen die Arbeit auffangen, Patienten können nicht versorgt werden, Betten bleiben leer, dem Klinikum gehen Einnahmen verloren.

Die Pandemie habe gezeigt, dass die bisherigen Lösungsstrategien nicht ausreichen, sagt Pflegedirektor René Sossau. Deshalb wurde zu Beginn des vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Bereiche der Pflege gebildet, um weitere Ansätze zu finden. Einige Maßnahmen wurden schon 2023 umgesetzt – der Flexi-Pool ist zum 1. Januar 2024 gestartet.

Pflegekräfte können in Neumarkt Familie und Beruf vereinbaren

Neben den Springern innerhalb einer Ebene des Klinikums, die zwischen drei und vier Stationen umfasst, sowie während des Nachtdiensts wurde ein bestehender Unterstützerpool quasi zum doppelten Boden erweitert und umbenannt. In diesem Flexi-Pool arbeiten ausschließlich Pflegekräfte, die sich in Elternzeit befinden, erklärt Sossaus Assistentin, Nadine Fanderl.

Weil sie sich ihren Dienstplan selbst zusammenstellen dürfen und keine Nachtdienste übernehmen, könnten sie Familie und Arbeit gut miteinander vereinbaren. Auch kurzfristige Änderungen seien im Flexi-Pool kein Problem. So habe das Klinikum sieben zusätzliche Mitarbeiter generiert. Als die Stellen ausgeschrieben wurden, sei die Nachfrage groß gewesen, sagt Fanderl.

„Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, meint Sossau. Derzeit umfasst der Pool zwölf Personen – und er soll weiter um 1,7 auf zehn Vollzeitstellen wachsen. Falls es mehr Bewerber gebe, würden auch die eingestellt. In der Pflege seien im Klinikum insgesamt 450 Vollzeitstellen vorgesehen – da gebe es immer Spielraum.

Ein neues Dienstplanprogramm biete den Pflegeleitungen einen Überblick über die Personalkapazitäten, so dass sie konkret Unterstützung anfordern könnten. Über eine Dienstplan-App sehen die Flexi-Kräfte bis spätestens 16 Uhr am Vortag, auf welcher Station sie arbeiten.

Und sollte es mal zu keinen kurzfristigen Personalausfällen kommen, werden die Flexi-Kräfte auf pflegeintensiven Stationen eingesetzt oder bieten Kollegen die Möglichkeit, Überstunden abzubauen.

Einarbeitung auf Klinik-Stationen erfolgt ganz individuell

Je nach Vorwissen und Qualifikation gehe den Einsätzen eine individuelle Einarbeitung auf den Stationen voraus, erklärt Nadine Fanderl, die selbst Gesundheits- und Krankenschwester gelernt und vor ihrem Wechsel in die Verwaltung jahrelang in der Stationsleitung gearbeitet hat.

Derzeit seien die Flexi-Kräfte auf den chirurgischen und konservativen Stationen im Einsatz, führt der Pflegedirektor weiter aus. Ziel sei es, auch die Intensivstation sowie die Intermediate Care, ein Bindenglied zwischen Intensiv- und Normalstation, in dieses System einzubeziehen. Das sei aber wegen der spezielleren Qualifikation schwieriger.

Damit die Vertretung auf den Stationen auch funktioniert, wenn keine Führungskräfte da sind, wurde ein Eskalationsstufenmodell erstellt. Dieses bietet dem Schichtdienstkoordinator einen Überblick, welche Maßnahmen nacheinander sie oder er ergreifen kann, wenn akut Mitarbeiter ausfallen.

„Wir wollen die Mitarbeiter befähigen, selbst zu entscheiden“, sagt Nadine Fanderl. Aber der Flexi-Pool sei nicht der einzige Baustein, um die Situation der Pflegekräfte zu verbessern, unterstreicht René Sossau. Dazu zählt er außerdem das zentrale OP-Management, „Same-Day-Surgery“ (übersetzt: „Operation noch am selben Tag“). Auf der Station 5C nehmen Mitarbeiter zentral für alle Stationen neue Patienten auf und bereiten sie für die anstehende Operation vor. Diese beziehen erst dann ihr Patientenzimmer, wenn alle Formalitäten erledigt sind.

Patiententransport entlastet Pflegekräfte in Neumarkt

Von Montag bis Freitag ist darüber hinaus ein „qualifizierter Patiententransport“ im Einsatz: Pflegefachkräfte, die die meist noch narkotisierten Patienten vom Aufwachraum einer Funktionseinheit, etwa dem Notfallzentrum oder der Endoskopie, auf die Station bringen.

Patienten, die keine fachliche Überwachung benötigen, werden von Mitgliedern der Servicegesellschaft, erkennbar an ihren gelben Oberteilen, transportiert. Diese Aufgaben habe es schon früher gegeben, erläutert Sossau, jedoch sei die Struktur seit Januar 2023 verändert worden. „Die Stationen können diese Mitarbeiter über ein EDV-System anfordern.“

Bei Grippewellen könne zwar jedes Personalkonzept an seine Grenzen stoßen, sagt der Pflegedirektor. Doch das Klinikum versuche, die Ausfallkonzepte so zu optimieren, dass nur im Notfall jemand aus seinem freien Tag geholt werde.

„Denn wir müssen die Versorgung der Patienten gewährleisten.“ Ein erster Erfolg zeichnet sich laut Sossau schon ab: Im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern komme Neumarkt ohne Zeitarbeitsfirmen aus, alle Stationen seien in Betrieb und von 500 Betten seien 488 am Netz.