Ein Hobby nicht nur für den Winter: Zu Besuch bei Neustädter Modelleisenbahnern

Früher gehörte die elektrische Eisenbahn zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum und der Kartoffelsalat mit Würstchen. Die Modelleisenbahn wurde damit zu einem Hobby, das vor allem im Winter beliebt war. Aber was machen Modellbahner im Sommer?
Die Antwort wissen Modelleisenbahner aus Neustadt a.d. Donau. Sie sind mit wenigen Ausnahmen schon im Rentenalter, verfügen also über reichlich Lebenserfahrung und wissen daher vor allem eines: So eine Eisenbahn ist ein Hobby fürs Leben. Auch für den Sommer. Frei nach dem Motto: Die Bahn fährt immer.
Modellbahner Roland Artinger sagt: „Mit der Eisenbahn geht es bei mir schon im Frühjahr los, wenn ich im Neustädter Bahnhof eine Lokomotive sehe, die man nicht mehr so häufig sieht.“ Beispielsweise eine „Ludmilla“. Das ist eine Diesellok aus russischer Produktion, die einst bei der Deutschen Reichsbahn der DDR eingesetzt wurde, und mit der Wende auch in der alten Bundesrepublik unterwegs war.
Bernhard Rieger, den die meisten vor allem als Stadtrat kennen, gesteht: „Die Modellbahn im Sommer ist ein etwas karges Hobby.“ Schließlich lockt mit steigenden Temperaturen nach dem Winter auch die Natur. Trotzdem läuft das Hobby bei Bernhard Rieger weiter. „Man kauft Modellbahnzeitschriften und schaut, in welches Museum man mal fährt“, sagt der Stadtrat.
„Weiterarbeiten am Rohbau“
Vor kurzem war es wieder soweit. Rieger und ein paar weitere Modellbahnfans verabredeten sich und fuhren zum Dampflokmuseum Neuenmarkt bei Coburg. Hier an der „schiefen Ebene“, wie die Bahnstrecke bei Neuenmarkt heißt, gibt es in einem alten Ringlokschuppen auch seltene Lokomotiven wie den Glaskasten und eine Stromlinienlok und eine riesige Modellbahnanlage, die die „schiefe Ebene“ in übersichtlicher Form darstellt und schon deshalb die Herzen der Eisenbahnfans höher schlagen lässt. Außerdem kann man auch mal unter einer Lok schauen und erleben, wie filigran die „Dampfrösser“ von unten sind.
Michael und Luke Scholz aus Geibenstetten waren begeistert. Sie sind Vater und Sohn und frönen gemeinsam dem Modellbahnhobby. Sie haben schon feste Vorstellungen, was in den nächsten Monaten auf ihrer Anlage geschehen soll. „Unser Plan ist es, im Sommer am Rohbau der neuen Eisenbahnanlage weiterzuarbeiten“, sagen sie.
Und während die Modellbahnfans über ihre Ziele für die nächsten Monate sprechen, wird auch klar, dass es nicht nur um Planungen für die Zukunft geht. So erzählt ein Handwerksmeister, dass bei seiner Anlage eine elektrische Weiche nicht mehr funktioniert und repariert werden muss. Michael und Luke Scholz planen für die nächste Modellbahnbörse, bei der sie überschüssiges Material verkaufen wollen, aber auch auf das ein oder andere Schnäppchen hoffen.
Roland Artinger freut sich über einen elektrischen Kran aus den sechziger Jahren der Marke Märklin, den er jetzt über einen Joystick steuern kann. Jetzt muss er nur noch das Ladegut für seine Bahn so aufbereiten, dass es von dem Kran auf die Waggons gehoben werden kann.
Und einer, der bei dem Ausflug zum Dampflokmuseum nicht dabei ist, baue an einer ganz neuen Anlage, wird erzählt. Als Rentner habe sich der Mann seine alte Trix Express nach Jahrzehnten, in denen die Anlage im Keller stand und die Katzen im Bahntunnel schliefen, aus dem Keller geholt, um sie oben im Wohnhaus, wo mehr Licht ist, neu aufzubauen.
Die Leidenschaft für das Hobby ist da. Tipps werden ausgetauscht, wie man dem ewigen Problem, dem Staub, Herr wird, und wie man alte Loks am besten säubert.
Es wird viel erzählt an diesem Tag. Namen fallen, wer noch alles eine Modellbahn hat, weshalb einer in der Runde schließlich meint: „Es ist doch erstaunlich, wer noch was hat.“
Ewig eingepackt am Speicher
Schließlich bringt es jemand auf den Punkt. „Die Sachen waren ewig eingepackt auf dem Speicher. Wenn ich sie nicht jetzt auspacke und aufbaue – wann dann?“ Der Mann sollte wissen, wovon er spricht. Er ist 63 Jahre alt.
Bernhard Rieger übernimmt am Ende das Kommando und sagt, wo die Reise hingehen könnte. „Es gilt, dass wir jetzt noch mehr werden. Es gibt einige Interessenten in Neustadt, die wir zu unserer Gruppe dazu holen wollen“, sagt er. „Und dann schauen wir mal – damit die vielen Packungen Waggons und Lokomotiven endlich mal das Laufen lernen.“
Das sieht nach einem neuen Stammtisch für Modelleisenbahner in Neustadt a.d. Donau aus.

