Kinder demonstrieren in Langquaid gegen rechts – beobachtet von AfD-Vertretern

Rund 50 Teilnehmer gingen bei Kinder- und Jugenddemo der „roten Ameisen“ des Kinder- und Jugendverbands Sozialistische Jugend Deutschlands (SjD) − Die Falken in Langquaid gegen rechts auf die Straße. Die „roten Ameisen“ freuten sich über die Aufmerksamkeit.
„Vielfalt statt Einfalt“, „Null Böcke auf Höcke“, „Langquaid bleibt bunt“: Mit klaren Bekenntnissen haben am Mittwochnachmittag Kinder und Erwachsene vor dem Langquaider Rathaus gegen Rechtsextremismus und für Vielfalt demonstriert.
Rund 50 Teilnehmer waren dem Aufruf der „roten Ameisen“, der Langquaider Kindergruppe des Kinder- und Jugendverbands SjD-Die Falken, gefolgt. Organisatorin Kirsten Reiter freute sich, dass es gelungen sei, ein „kleines Zeichen“ zu setzen. Beobachtet wurden sie dabei auch von Vertretern der AfD.
Aus der Geschichte lernen
Der Rechtsruck sei ein Thema, das die Kinder sehr beschäftige, sagte Kirsten Reiter. „Die Kinder sind diejenigen, die ihr ganzes Leben und damit die Folgen der heutigen Zeit noch vor sich haben. Und sie interessieren sich für die Welt und das Zeitgeschehen.“ Es sei logisch, dass auch sie eine Meinung dazu hätten, wenn hunderttausende Erwachsene ihre Sorge vor einem Rechtsruck auf die Straße tragen würden, sagte Reiter, die in ihrer Rede Vergleiche zum Aufstieg der Nationalsozialisten zog und die Unterschiede zu damals benannte. „Wir können aus der Geschichte lernen und wissen heute, warum wir gegen die AfD auf die Straße gehen.“ Auch Markus Upsing von den Falken aus Regensburg ergriff das Mikrofon und sprach sich gegen rechte Hetze und Ausgrenzung aus.
Unter den Demonstranten waren auch die siebenjährige Anna und die elfjährige Johanna. Sie setzten sich dafür ein, dass Langquaid bunt bleibe und alle Menschen hier bleiben dürften, sagten sie. Für Johannas Mutter Martina Heining war es „gar keine Frage“ , an der Demo teilzunehmen. „Man kennt die deutsche Geschichte“, sagte sie. Ihr sei es wichtig , ihre Meinung zu äußern. „Es nutzt nichts, wenn man die Meinung daheim hat.“
Sie hätte gehofft, dass noch mehr Menschen dem Aufruf der Ameisen folgen, wie zum Beispiel auch Susann Nickel und ihre Familie. „Wir wollen verhindern, dass Blau und Braun die Politik bestimmen“, sagte sie. Darüber werde auch zuhause viel gesprochen. „Das wäre eine Katastrophe.“ Die Kinder müssten dies dann ausbaden. „Das wollen wir vermeiden.“
Unter den Augen der AfD
Auch Bürgermeister Herbert Blascheck mischte sich unter die Demonstranten. Es sei wichtig, als starke Gemeinschaft ein Zeichen zu setzen, sagte er. Jeder einzelne mache die starke Gemeinschaft aus. Jeder habe andere Talente und Stärken. Diese gelte es zu bündeln. Eine starke Gemeinschaft definiere sich über das Miteinander, über gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen. „Das macht Probleme der Zukunft lösbar“, sagte Blascheck.
Die Demonstration verlief friedlich. Von der anderen Straßenseite aus beobachteten Vertreter der AfD die Gruppe vor dem Rathaus. Als sie versuchten, AfD-Fähnchen an die Kinder zu verteilen, sei dies unterbunden worden, sagte Reiter.
Im Anschluss trafen sich die „roten Ameisen“ zur Nachbesprechung. „Die Kinder haben sich gefreut, dass sie gesehen wurden und Aufmerksamkeit bekamen“, sagte Reiter auf Nachfrage. Denn die Idee, gegen rechts und für Vielfalt auf die Straße zu gehen, kam von den Mädchen und Buben in einer der Gruppenstunden. Reiter hätte sich jedoch für die Kinder gewünscht, dass noch mehr Teilnehmer ihrem Aufruf gefolgt wären.
