Schwandorfs OB Andreas Feller im Interview: „Ich habe nicht an Rücktritt gedacht“

Das geplante Vier-Sterne-Resort am Klausensee hat in den vergangenen Tagen für einigen politischen Wirbel gesorgt. Denn Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) hat bei der Genehmigung die Stadträte übergangen. Am Mittwoch räumte er bereits im Bauausschuss den Fehler ein und entschuldigte sich. Nun stellte er sich nochmals den Fragen der MZ.
Herr Oberbürgermeister, können Sie nochmals Ihre Beweggründe erklären, warum Sie den Bauausschuss bei der Genehmigung des Hotelprojektes am Klausensee übergangen haben?
Andreas Feller: Wie ich schon den Stadträten erklärt habe, war ich beseelt vom Gedanken, möglichst schnell ein Hotel in einer gewissen Größe zu haben und damit die Übernachtungskapazität insgesamt zu erhöhen. Das würde Schwandorf ermöglichen, auch am Tourismus besser teilzunehmen.
Das erklärt noch nicht, warum der Ausschuss nicht eingebunden wurde. Gab es einen Zeitdruck, das Projekt irgendwie in trockene Tücher zu bekommen?
Feller: Zeitdruck vonseiten des Investors gab es nicht. Es war der eigene Zeitdruck, warum ich so gehandelt habe. Ich wollte nicht, dass mir das vierte Hotelprojekt aus irgendwelchen Gründen, meist sind es Zeitgründe, durch die Finger rinnt.
Die Sitzung des Bauausschusses wäre doch nur wenige Wochen später gewesen und es war nicht zu erwarten, dass das Gremium dem Vorhaben nicht zustimmen würde. Warum haben Sie da nicht einfach abgewartet?
Feller: Wie sie richtig sagen, sprechen wir nicht von Stunden, sondern von Wochen. Der Antrag ist nicht nur über meinen Schreibtisch gegangen. Es wurde schon hingeschaut, die Planung hat gepasst und darum wurde sie dann von mir genehmigt. Ein paar Tage länger zum Hinschauen brauchen wir natürlich.
Sie können also versichern, dass es zwischen Ihnen und dem Investor keine Gefälligkeiten gab?
Feller: Ich habe nichts angenommen und werde auch nichts annehmen. Es wurde mir auch noch nie etwas angeboten.
Die Baugenehmigung ist am 15.Januar erteilt worden. Ihnen war sicher schnell klar, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Gab es seitdem einen Zeitpunkt, an dem Sie auch an Rücktritt gedacht haben?
Feller: Nein.
Ist mit der Entschuldigung die Sache für Sie nun erledigt?
Feller: Ich hoffe, dass meine Entschuldigung von den Stadträten angenommen wird und dass wir zu einer vernünftigen, zielführenden Arbeit zurückkehren. Ich hoffe auch, dass man mir glaubt, dass es mir leid tut. Mehr kann ich da jetzt leider Gottes nicht machen, außer dass ich gut arbeite.
Der Klausensee gilt als das natürlichste Badegewässer im Oberpfälzer Seenland. Passt ein Hotelprojekt, wie es der Investor plant, überhaupt dorthin?
Feller: Das Hotelprojekt belebt nicht nur den Schwandorfer Süden, es ermöglicht auch, größere Gruppen zu beherbergen. Die Stadt soll auch am allgemeinen Tourismus teilhaben.
Es ist angekündigt, dass das neue Hotel mehrere Saunen und einen Thermenbereich haben soll. Ist das ein Mehrwert für den Schwandorfer?
Feller: Das war meiner Erinnerung nach mal im Gespräch, dass diese Angebote auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können.
Im Ausschuss gab es Zweifel, wie die öffentliche Nutzung des Sees mit dem Hotelbetrieb zusammen funktionieren soll.
Feller: Ich habe Vertrauen, dass der Betreiber das regeln wird. Im Übrigen ist es ja auch jetzt nicht so, dass jeder einfach an den See zum Baden gehen kann. Es ist eine private Badeanstalt, die auch Eintritt kostet. Wenn ich Eintritt zahle, erwartet ich auch etwas. Und da ist die Klausensee-Badeanstalt schon etwas in die Jahre gekommen. Sie ist aber über all die Jahre gut gepflegt worden, das will ich ausdrücklich betonen.
Gibt es schon einen Termin, wann die erforderlichen Baumfällungen erfolgen sollen?
Feller: Ich habe noch keinen Termin. Der Investor wird das Nötige zur Baumfällung einreichen.
Die CSU-Fraktion soll Ihnen „den Kopf gewaschen haben“. Können Sie das näher erklären?
Feller: Richtig, diese Formulierung habe ich gebraucht. Sie haben deutlich gemacht, dass es so nicht geht. Ich habe meinen Fehler eingeräumt. Es ist genauso wie im Bauausschuss abgelaufen. Ich habe Besserung gelobt und zugesichert, dass es nicht mehr vorkommt.
Fühlen Sie sich von der eigenen Fraktion im Stich gelassen?
Feller: Nein, die Kritik ist absolut gerechtfertigt, weil ich gegen die Geschäftsordnung und auch gegen das gute Miteinander verstoßen habe.
Es gibt also keinen Bruch zwischen Ihnen und der Fraktion?
Feller: Ich hoffe nicht. Es ist mir natürlich klar, dass ich auch hier arbeiten muss. Aber ich denke, dass es wieder passen wird. Ich erkenne nicht, dass die Kommunikation untereinander dauerhaft gestört wäre.
Wie schätzen Sie nach Ihrem Fehler die Chancen ein, dass die CSU Sie 2026 wieder als OB-Kandidat aufstellen wird?
Feller: Ich hoffe nicht, dass wegen eines Fehlers der Stab über mich gebrochen wird. Ich kann es nicht einschätzen. Das man momentan zerknirscht ist, kann ich aber verstehen. Hier hat das Wort dann eine Delegiertenversammlung zu gegebener Zeit.
Aus den eigenen Reihen wird nicht an Ihrem Stuhl gesägt?
Feller: Wenn es es so ist, werde ich es sicher frühzeitig erfahren. Ich hoffe nicht.
Sollte der Stab über Ihnen tatsächlich gebrochen werden, würden Sie trotzdem 2026 wieder als OB kandidieren?
Feller: Das lasse ich mal auf mich zukommen. Wenn der Stab gebrochen werden sollte, dann mache ich mir dann darüber Gedanken.
Der Investor hat viele Projekte realisiert und ist nicht in jedem Fall unumstritten. Hat es vonseiten der Stadt eine Prüfung gegeben, wie seriös der Investor und seine Pläne sind?
Feller: Ich habe mir einige seiner Investitionen im Internet angesehen und einen guten Eindruck von ihm. Sonst hätte ich so auch nicht verfahren.
Sie vertrauen darauf, dass es mit dem Projekt klappt?
Feller: Ja.
Bei der Aufstellung des Bebauungsplans 1988 wurden Umweltprüfungen durchgeführt. Ist es richtig, dass bei dem aktuellen Projekt, trotz der großen Abweichungen von den Festsetzungen, keine neuen Umweltprüfungen erforderlich sind?
Feller: Ich habe das Hotel, so wie es geplant ist, genehmigt.
Der Investor will bald mit dem Bau beginnen, in einem Jahr fertig sein und dann den Betrieb starten. Wie realistisch ist für Sie dieser Zeitplan?
Feller: Es sieht gut aus. Letztendlich hängt es natürlich an den Auftragsvergaben, an den Firmen die den Bau umsetzen.
