Mildes Urteil für Drogendealer aus Regensburg: In neun Monaten startet für ihn der Entzug

Das Landgericht hat einen 23-Jährigen wegen Drogenhandels verurteilt. Der Mann aus Regensburg kommt trotz höherer Strafe früher raus als ein Duo, das einst für ihn arbeitete.. Und: Er war wegen der fast zehnfachen Menge an Rauschgift angeklagt.
Zu fünf Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe hat das Landgericht am Freitag einen jungen Regensburger verurteilt. Die Vorwürfe, mit mehr als 51 Kilo Gras und Kokain gehandelt zu haben, gestand der 23-Jährige im Prozess mit einigen, kleineren Anpassungen. Dass er einem seiner Abnehmer zwei Schläger in die Entzugsklinik geschickt haben soll, dementierte Strafverteidiger Michael Haizmann vehement. Der Urteilsspruch gegen seinen Mandanten wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.
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Der Fall des 23-Jährigen war in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert: Während ein Mutter-Sohn-Duo, das mit den Angeklagten am 27. November 2022 nach einer observierten Übergabe geschnappt wurde, in U-Haft kam, wurde er bald darauf freigelassen. Doch das Glück währte nicht lang – als Monate später die Auswertungen seiner Handys vorlag, klickten die Handschellen erneut. IT-Forensiker hatten Chats zu einer Vielzahl von Bestellungen gefunden. In nur 39 Tagen orderte der Mann laut der Anklage Drogen im Wert von mehr als einer halben Million Euro.
Seit der zweiten Festnahme Ende Juli 2023 saß der 23-Jährige bis zu Prozessbeginn in Untersuchungshaft. Nach einem kurzen Rechtsgespräch, das Haizmann angeregt hatte, machte der Regensburger reinen Tisch: Per Threema-App habe er unbekannten Nutzern mit klangvollen Namen wie „Gamboa“, „DerBoy“ oder „Biggi“ Kokain und Marihuana verkauft.
Rauschgift-Qualität im unteren Bereich
Je nach Abnahmemengen rief er Preise von 5000 bis 6000 Euro je Kilo Gras und 50 bis 60 Euro pro Gramm Koks auf – eingekauft habe er die Drogen, die er zudem selbst konsumierte, für etwa 4300 Euro pro Kilogramm und 38,50 Euro je Gramm. Qualitativ sei es jedoch Rauschgift im unteren Bereich gewesen. Wie der 23-Jährige sagte, gab es weder Beschwerden „noch ein Wow von meinen Kunden“.
Zwei der Abnehmer konnten die Drogenfahnder der Kripo in Regensburg identifizieren – ein Mutter-Sohn-Duo. Die 54-Jährige gestand im Prozess im August vergangenen Jahres, dass sie ihren Sohn unterstützt hatte. Der hatte einen kleinen Marihuana-Ring mit zig Straßenverkäufern aufgezogen, während er im BKH einen Drogenentzug machte. Die Mutter holt die Drogen beim jetzt verurteilten 23-Jährigen ab, zahlt ihn aus und kümmert sich um die Verteilung.
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Dass ihnen die Ermittler längst auf die Finger schauten, ahnten alle drei offenbar nicht. Laut dem Sachbearbeiter der Kripo wurden ab Oktober 2022 Telefonate abgehört. So sagte er das im Prozess gegen das Mutter-Sohn-Duo aus. Die 54-Jährige sei bei ihren Touren im Bus eines Behindertenfahrdienstes außerdem observiert worden. Sie und ihr Sohn wurden vom Landgericht zu vier und viereinhalb Jahren verurteilt. Erneute Therapien ordnete das Gericht nicht an.
Gericht ordnet Entzugstherapie an
Im jüngsten Prozess gegen den Lieferanten des Duos hatte die Staatsanwaltschaft fünfeinhalb Jahre Haft beantragt. Strafverteidiger Haizmann forderte dagegen fünf Jahre und verwies auf den schwierigen Lebensweg des 23-Jährigen, der schon als Jugendlicher mit 14 Jahren in die Abhängigkeit geraten war. Das Landgericht blieb mit fünf Jahren und drei Monaten exakt in der Mitte der Schlussanträge – und die achte Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Oliver Wagner ordnete zudem als Maßregel eine Drogenentzugstherapie für den jungen Regensburger an.
Trotz der im Vergleich zum Mutter-Sohn-Duo etwas höheren Strafe, wird der Regensburger durch den Entzug deutlich früher aus der Haft kommen. Und das, obwohl es bei dem 23-Jährigen um fast die zehnfache Menge ging. Laut dem Urteil von Freitag muss er eineinhalb Jahre als Vorwegvollzug absitzen und wechselt dann in die Therapie – was bedeutet, dass er schon im November vom Gefängnis in den Entzug wechseln kann.