Nach Ärger im Advent: Regensburger Bio-Donaumarkt bleibt freiwillig im „Exil“

Groß war der Ärger, als der Bio-Donaumarkt zugunsten eines neuen Weihnachtsmarkts seinen Standort räumen musste. Jetzt stellt sich die Lage weitaus entspannter dar.
„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“, weiß der Volksmund. Und manchmal öffnet so ein erzwungener Umweg sogar die Augen für die Reize eines Ortes, an den man zunächst auf gar keinen Fall wollte. Organisatoren und Beschicker des Bio-Donaumarkts können ein Lied davon singen:
Im Advent waren sie noch stinksauer, weil sie ihren angestammten Platz vor dem Haus der Bayerischen Geschichte wegen des neuen Weihnachtsmarkts räumen mussten, jetzt bleiben sie freiwillig in ihrem „Exil“ auf der östlichen Hälfte des Platzes. Auch an diesem und allen künftigen Freitagen werden sie ihre Zelte hier aufschlagen.
Woher kommt dieser Sinneswandel nach all dem Ärger? Diese Frage stellen sich die Besucher des Markts genauso wie die Oberbürgermeisterin. Als Gertrud Maltz-Schwarzfischer Ende November den Markt besuchte, wurde sie mit dem geballten Frust der Standler konfrontiert, die sich von der Stadt ungerecht behandelt fühlten. Als kürzlich im Alten Rathaus künftige Marketing-Strategien für den Markt diskutiert wurden, wunderte sich das Stadtoberhaupt, warum keine Rückkehr auf den gewohnten Standort erfolgt ist.
Eigentlich der bessere Platz
Markt-Organisator Daniel Frost macht diese Frage ein bisschen verlegen. Während der Verbannungszeit hat sich bei ihm und seinen Standlern nämlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der zunächst ungeliebte Ausweich-Platz eigentlich der bessere für den Markt ist. „Der östliche Standort ermöglicht ein schöneres Erscheinungsbild. Zudem ist hier im Frühjahr und im Herbst mehr Sonne“, nennt Frost zwei gewichtige Vorteile im Hinblick auf Optik und Aufenthaltsqualität.
Die weiteren Vorzüge sind logistischer Natur. Nicht erst wegen des neuen Weihnachtsmarkts musste der Bio-Donaumarkt umziehen – auch vorher schon war ein gelegentliches Ausweichen notwendig, wenn das Bayern-Museum Feste veranstaltete und die Terrasse für sich beanspruchte. Das fällt nun weg, denn den östlichen Teil des Platzes hat der Markt für sich allein. „Weniger Verkehr ist hier ebenfalls“, fügt Frost noch hinzu. Offiziell hat der Donaumarkt nämlich den Status einer Spielstraße, die ganz legal mit dem Auto befahren werden darf und deshalb gerne als Schleichweg genutzt wird.
Wie der Standort angenommen wird, entscheidet sich im Lauf des Jahres
Wie der Biomarkt an seinem neuen Standort angenommen wird, wird sich naturgemäß erst im Lauf des Jahres bewerten lassen. Das betont auch Gemüsebauer Elmar Alt, einer der leidenschaftlichsten Kritiker der Verbannung im Advent: „Die Struktur ist hier tatsächlich schöner, weil es übersichtlicher ist. Aber für konkrete Aussagen ist es noch zu früh, da muss man erst einmal abwarten.“
Ein Problem sieht er zum Beispiel aufziehen, wenn das Café Jolie seinen Freisitz wieder aufbaut. „Dann steht dem Markt gleich wieder weniger Platz zur Verfügung. Ich weiß nicht, wie die Lösung dann aussieht“, sagt Alt, für den ein anderes Thema aber ohnehin wichtiger ist: „Wir müssen sichtbarer werden.“
Frost kann dem nur zustimmen. „Wir sind jetzt weiter ab vom Schuss. Das erfordert noch mehr Marketing.“ Bei der genannten Zusammenkunft im Rathaus wurden hierzu erste Weichen gestellt, wenige Tage später folgte ein Marketing-Workshop mit einigen Beschickern.
Elke Oelkers, städtische Projektmanagerin der Öko-Modellregion, war bei beiden Terminen dabei. „Wir unterstützen den Markt, wo wir können“, sagt sie und nennt mobile wie feste Beschilderungen als eine der ersten konkreten Maßnahmen, die nun folgen sollen. Zu den mobilen gehört ein Banner, das künftig freitags am Geländer der Eisernen Brücke angebracht werden soll.
Frühlingshafte Stimmung
Der Bio-Donaumarkt gilt als Aushängeschild der Öko-Modellregion, zum neuen Standort sagt die Projektmanagerin: „Ein Vorteil ist, dass der Markt hier unbehelligt ist – auch wenn man ein Stückchen weiter nach hinten gehen muss.“ Für die regelmäßig hier einkaufenden Kunden spiele das aber keine Rolle.
Sofern der vergangene Freitag ein Gradmesser war, haben den Markt am neuen Standort bereits Frühlingsgefühle erfasst. Bei milden Temperaturen war die Frequenz auch am Abend noch ansehnlich, die Stimmung war gut. Auch bei Beschickern, die im Advent vor lauter Ärger mitunter sogar an einen Ausstieg gedacht hatten. „So kann es weitergehen“, richtet Gemüsebauer Alt den Blick nach vorn.