Platz-Gerangel: Verdrängt der neue Regensburger Weihnachtsmarkt die Bio-Anbieter?

Vor dem Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg gibt es heuer erstmals einen Weihnachtsmarkt. Doch wo soll dann der an jedem Freitag stattfindende Bio-Donaumarkt hin?
Vom Unort zum Vorzeige-Platz mit jeder Menge Aufenthaltsqualität: Diese Entwicklung hat in den vergangenen Jahren der Donaumarkt durchlaufen. So gesehen war es nur eine Frage der Zeit, bis das Areal vorm Haus der Bayerischen Geschichte für einen Weihnachtsmarkt ins Visier genommen wird.
Die Stadtmaus war am schnellsten damit. „Wir haben vor einem Jahr einen Antrag gestellt“, sagt Thomas Ruhfaß, Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur. Von 30. November bis 23. Dezember steigt daher immer von Dienstag bis Sonntag die Premiere vom „Weihnachtsmarkt am Museum“.
In der kommenden Woche soll der Aufbau beginnen, geplant sind ungefähr zwölf Stände. Wo diese genau stehen werden, ist wenige Tage davor allerdings völlig unklar.
Regensburger Donaumarkt: Jeder will vorn am Platz sein
„Die genaue Platzaufteilung ist noch in Bearbeitung“, teilt die Stadt als Eigentümerin der Fläche mit und beschreibt mit dieser Formulierung auch schon das Problem: Der Weihnachtsmarkt ist nicht alleine, er muss sich das Areal mit dem an jedem Freitag stattfindenden Bio-Donaumarkt teilen.
Das klingt angesichts der Größe des Platzes trivial, ist im Detail aber kompliziert. Denn der Weihnachtsmarkt will da hin, wo auch der angestammte Standort des Biomarkts ist, also in etwa zwischen Museumseingang und Goldenem Waller.
„Wir haben verschiedene Pläne eingereicht, auch welche, wo der Biomarkt mit integriert ist“, erzählt Ruhfaß. Die Entscheidung darüber liege aber bei der Stadt, namentlich beim Ordnungsamt, beim Umweltamt und nicht zuletzt bei der Feuerwehr. Unabhängig von der letztendlichen Lösung ist der Stadtmaus-Chef überzeugt: „Die Synergieeffekte werden groß sein, der Weihnachtsmarkt wird auch die Frequenz am Biomarkt erhöhen.“
Diesen Gedanken hatte zunächst auch Daniel Frost, als er erstmals von den Weihnachtsmarkt-Plänen hörte. Mittlerweile ist der Organisator des Biomarkts aber skeptischer: „Wir haben ja versucht, uns zu einigen. Aber klar ist, dass jeder möglichst den vorderen Teil des Platzes belegen will“, schildert er das grundsätzliche Dilemma.
Weil der Weihnachtsmarkt an sechs Tagen in der Woche geöffnet hat und die Stände nicht nach Belieben verschoben werden können, befürchtet Frost, dass er und seine Leute weichen müssen. Einen entsprechenden Plan hat er schon gesehen: Da war vor dem Goldenen Waller eine Servicestation mit Spül- und Müllcontainer sowie Klos postiert, erst dahinter war der Biomarkt eingezeichnet.
„Sollte es so kommen, dass wir so weit nach hinten müssen und dann auch noch eine Barriere dazwischenliegt, gibt es keine Synergieeffekte. Dann gehen die Leute vorn zum Weihnachtsmarkt rein und danach auch vorn wieder raus. Zu uns verirrt sich da keiner. Das war schon im Sommer so, als mal eine Bühne vor dem Museum aufgebaut war.“
„Nicht an Streit interessiert“
Entsprechend nervös sind Frosts Standler. Während der Markt in den „hellen“ Monaten mittlerweile gut etabliert ist und bis in den Abend hinein Publikum anzieht, gilt der Winter als Durststrecke. In dieser Zeit den gewohnten Standort verlassen zu müssen, sehen sie als zusätzliche Erschwernis.
Der Biomarkt-Macher hat daher einen eigenen Plan bei der Stadt eingereicht, bei dem seine Stände nach vorne rücken und sich der Weihnachtsmarkt im hinteren Bereich des Donaumarkts ausbreitet.
Der Entscheidung blickt er nun genauso gespannt entgegen wie Ruhfaß, der meint: „Ich bin zuversichtlich, dass die Stadt eine für alle Seiten gute Lösung finden wird. Außerdem kenne ich Daniel seit 30 Jahren und bin nicht im Geringsten an einem Streit interessiert.“