Nach der Verbannung: Dicke Luft am Regensburger Bio-Donaumarkt

Die Standler vom Regensburger Bio-Donaumarkt mussten wegen dem neuen Weihnachtsmarkt ihren angestammten Platz räumen. Am Freitag schaut die Oberbürgermeisterin bei ihnen vorbei.
Am vergangenen Freitag platzte Bernhard Neuhoff der Kragen. „Mir reicht’s, ich geh da nicht mehr hin“, schimpfte er. Der Biobäcker gehört zu den ausdauerndsten Beschickern des Bio-Donaumarkts, seit dessen Gründung im März 2022 war er an jedem Freitag mit dabei. Doch nach der Entscheidung der Stadt, dem neuen Weihnachtsmarkt den Platz vor dem Haus der Bayerischen Geschichte zuzuweisen und den Biomarkt für sechs Wochen in Richtung Osten rutschen zu lassen, hatte er kurzzeitig die Lust verloren.
Eine Woche später hat sich Neuhoff wieder ein wenig beruhigt: „Ich schau es mir jetzt schon noch einmal an. Auch am nächsten Freitag, wenn zum ersten Mal parallel der Weihnachtsmarkt stattfindet. Dann wird man sehen, ob der wie eine Barriere zu unserem Markt wirkt oder ob er uns vielleicht sogar was bringt.“
Standler vom Bio-Markt: „Das geht gar nicht“
Dem Bäcker und den anderen Standlern hätte es gefallen, wenn es eine gemeinsame räumliche Lösung für Bio- und Weihnachtsmarkt gegeben hätte. Ein entsprechender Vorschlag der beiden Organisatoren lag auch zur Genehmigung auf dem Tisch.
„Doch das hat die städtische Bürokratie nicht zugelassen“, weiß Neuhoff und ist damit beim zentralen Adressaten seiner Kritik: „Die Stadt rühmt sich als ,Öko-Modellregion‘ und schmückt sich mit dem Wort ,Bio‘. Doch trotzdem hat man das Gefühl, der Markt wird nur geduldet.“
Dies zeige sich schon allein an dem Umstand, dass der Veranstaltung die Dauermarktfestsetzung verwehrt wird. Tatsächlich muss Organisator Daniel Frost den Markt immer noch für jeden Freitag neu von der Stadt genehmigen lassen. Dass Frost jetzt gegenüber dem neuen Weihnachtsmarkt den Kürzeren gezogen hat und seinen angestammten Platz räumen muss, passt für Neuhoff ins Bild.
Umzug auf dem Donaumarkt: „So kann man nicht mit Leuten umgehen“
Gemüsehändler Elmar Alt vom Biohof Deinhart sieht es ganz genauso: „Das geht gar nicht, so kann man nicht mit Leuten umgehen“, sagt er zu dem unfreiwilligen Umzug auf den östlichen Teil des Donaumarkts. „Seit mehr als eineinhalb Jahren versuchen wir, mit dem Markt etwas auf die Beine zu stellen – aber es werden uns immer wieder Steine in den Weg gelegt.“
So fürchten die Standler als Folge der aktuellen „Verbannung“, dass der Bio-Donaumarkt ausgerechnet im Advent schlechter sichtbar ist, mit negativen Auswirkungen auf die Besucherfrequenz und letztlich auf den Umsatz. Der Bio-Metzger zum Beispiel, der extra fürs Weihnachtsgeschäft mehr Ware vorbereitet hat, hat nun Sorge, dass er wegen des neuen, hinter dem Weihnachtsmarkt gelegenen Standorts darauf sitzen bleibt.
Neuhoff kann es ihm nachfühlen: „Wir sind alles Unternehmer, wir wollen Gewinn erzielen. So aber macht es keinen Spaß, wir fühlen uns einfach abgeschoben.“
Verbesserungen in Arbeit
Diese und andere Bedenken können die Standbetreiber am heutigen Freitag bei der Oberbürgermeisterin persönlich vortragen. Gertrud Maltz-Schwarzfischer besucht den Markt – und zwar nicht nur, weil die bayerische Biokönigin Raphaela I. in der Stadt ist, sondern weil zusammen mit Frost sowie den Öko-Modellregion-Beauftragten von Stadt und Landkreis die Weiterentwicklung des Bio-Donaumarkts im Jahr 2024 skizziert werden soll.
Im Vorfeld wurde bereits eine ganze Reihe an einfachen, aber effektiven Maßnahmen erarbeitet, um den Markt bekannter und attraktiver zu machen. Hinweisschilder im Straßenraum gehören ebenso dazu wie Werbeplakate oder auch eine geänderte Aufstellung der Stände. Eine schnelle Umsetzung dieser Verbesserungen könnte die Standler wohl besänftigen und ihnen den Glauben zurückgeben, dass die Stadt hinter dem Markt steht.
