Kelheimer Kreistag uneins: Was folgt auf Mainburgs Bröselbad nach?

Von Martina Hutzler · 7. Februar 2024 um 11:00

Bekommt Mainburg eine neue Lehrschwimmhalle? In dieser Frage prallen Bürgerwille vor Ort und Haushaltskrise im Landkreis frontal aufeinander. Das zeigte die höchst kontroverse Debatte im Kreistag.

Zuvor schilderte Ingenieur Thomas Koller vom Regensburger Büro lbi drastisch den Bauzustand der jetzigen Lehrschwimmhalle (LSH) Mainburg. So drohe dort die abgehängte Decke streifenweise oder ganz herabzustürzen; aus Betonteilen lasse sich mit kleinen Hammerschlägen ganze Stücke herausbrechen. Der Keller zeige so große Schäden und Baumängel, dass er „massiv statisch gefährdet“ sei.

Grundübel des Bades sei, dass es vor über 50 Jahren wohl mit zu wenig Beton gebaut wurde, erläuterte Koller. Der Beton sei durch Wasser und Kohlendioxid stark chemisch verändert („karbonatisiert“), was zusammen mit Nässe und CO2 die Stahlbewehrung korrodieren lasse. Beim Rosten nimmt der Stahl an Volumen zu – und sprengt weiteren Beton ab. Obendrein bewirke das chlorhaltige Schwimmbad-Milieu „Lochfraß“ am Stahl.

Alles in allem „ist das Bad so nicht zu halten“, die Schließung Ende Januar sei zwingend gewesen, bilanzierte der Ingenieur. Die Frage von Kreisrat Konrad Pöppel (ÖDP) nach einer Generalsanierung verneinte er indirekt: Dafür müsste man zum Beispiel „reihum jede Kellerwand einzeln herausschneiden und ersetzen…“. Ein normgerechter Neubau könnte 50 bis 80 Jahre halten, ergänzte Koller. Abriss und Ersatzneubau an jetziger Stelle „wären erheblich teurer und viel langwieriger“, sagte Rudolf Sattler (Landratsamt).

Die erneut präsentierte Vorplanung für eine neue LSH bezieht sich auf ein nahegelegenes städtisches Grundstück. Das sei „noch das beste“ von drei Mainburger Angeboten, aber wegen Hanglage suboptimal, so Rudolf Sattler zu Kreisrätin Petra Högl (CSU). Kreisrat Pöppel rügte, Schulen und Vereine seien nicht in die Planung eingebunden.

„Aufteilung ist geregelt“

Das wiesen Kämmerer Reinhard Schmidbauer und Landrat Martin Neumeyer zurück: Der Landkreis plane genau nach den Richtlinien fürs Schul-Schwimmen; um Zusatzwünsche und -kosten für die öffentliche Nutzung habe sich die Stadt zu kümmern.

Das tue man, versicherte Mainburgs Bürgermeister und Kreisrat Helmut Fichtner (FW) – aber „der Landkreis bleibt zuständig“ als Bauherr: „Vorrangig brauchen bis zu 2000 Schüler dieses Bad“, wenngleich es auch fürs Schwimmenlernen und die Wasserwacht-Ausbildung dringend nötig sei.

Es sei ja keiner generell gegen das Hallenbad – „es sind wirklich die Kosten“ von mittlerweile geschätzt 20 bis 22 Millionen Euro, warb Landrat Martin Neumeyer um Verständnis: Der Landkreis könne seinen Eigenanteil von 7 bis 8 Mio. Euro derzeit nicht erbringen. Neumeyer schlug vor, in neuen Verhandlungen mit der Stadt den Landkreis-Anteil bei etwa 4 bis 5 Mio. zu deckeln und Mainburg zu mehr Eigenbeteiligung zu bewegen.

Bürgermeister schlagen Alarm

„Dafür ist Mainburg hoffentlich zugänglich“, unterstützte Grünen-Sprecherin Maria Krieger diesen Kompromissvorschlag: Die bisherige Kostenkulisse „ist für den Landkreis gegenwärtig zu viel“. Und ebenso für die 24 Kommunen als Hauptfinanziers des Landkreises, argumentierte der Teugner Bürgermeister und Kreisrat Manfred Jackermeier (CSU): Den Gemeinden fehle schlicht das Geld, um via Kreisumlage eine LSH zu finanzieren, die nun mal keine Pflichtaufgabe sei. „Ich kann und werde der nächsten Planungsstufe deshalb so nicht zustimmen“, sagte Jackermeier. Er zeigte sich aber offen für Kompromiss-Verhandlungen mit Mainburg, wie sie auch SPD-Sprecher Willi Dürr forderte.

Noch drastischer warnte Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald: Seine Gemeinde brauche wohl heuer schon einen Kredit für die Kreisumlage und bekäme künftige Haushalte mit noch höherer Kreisumlage nicht mehr genehmigt, ohne gemeindliche Einrichtungen zu schließen. Das drohe anderen Kommunen auch, warnte der CSU-Politiker.

Sein Saaler Kollege Christian Nerb wollte an der Beschlusslage festhalten. Er rechne, dass Kreis und Stadt je etwa neun Millionen aufbringen müssten, dazu die Stadt das Geld für Zusatzwünsche. Der Landkreis sei auch vor 30 Jahren bereits so hoch verschuldet gewesen, „und trotzdem sind wir noch da“, ergänzte der FW-Sprecher.

„Kein türkischer Basar“

Neue Gespräche schloss Bürgermeister Fichtner nicht aus, beharrte aber auf der Zweckvereinbarung zwischen Landkreis und den LSH-Gemeinden zu den Investitionskosten. „Ein ,türkischer Basar‘ kommt da nicht vor!“ Die Mainburger Kreisrätin Annette Setzensack (ÖDP) befand, ein Nein zur LSH Mainburg „wäre ein grundsätzliches Nein zum Schwimmsport im Landkreis“ und sei der Bevölkerung im Kreis-Süden nicht vermittelbar. Der Landrat kritisierte, es würden Standorte gegeneinander ausgespielt. Dabei habe der Kreis z.B. in die LSHs Abensberg und Mainburg in den letzten zwei Jahrzehnten etwa gleich viel investiert: 2,2 und 2,09 Mio. Euro.

Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger sah die Debatte in Gefahr, „ins Unsachliche abzugleiten“ und beantragte, sie zu beenden. Das kritisierte SLU-Sprecher Andreas Fischer: Infos und Beschlussvorschläge seien da, „es hilft nichts, die Entscheidung immer weiter zu vertagen“. Gegen sieben Stimmen beschloss der Kreistag dennoch die Vertagung.

Das Mainburger Hallenbad ist dauerhaft geschlossen – angesichts der massiven Korrosionsschäden alternativlos, so der Gutachter. Foto: LBI Planung Lammel, Lerch & Partner
Stille Wasser: Schwimmunterricht in der Halle ist zur Zeit in Mainburg nicht möglich. Foto: Abeltshauser