Hitze und Starkregen machen den Wäldern rund um Furth im Wald zu schaffen

Von Alexander Frimberger · 6. Februar 2024 um 05:00

Den Klimawandel kann man nach Ansicht der modernen und seriösen Wissenschaft nicht wegdiskutieren. Mit Folgen natürlich auch für die Waldlandschaft rund um Furth im Wald. Wie schlimm es um den Baumbestand steht, weiß Förster Jürgen Köbler.

„Der Weg ist steinig, trocken, heiß und weit“, fasst Köbler die aktuelle Situation zusammen. Der 59-Jährige ist für die Wälder in Furth im Wald, Arnschwang, Weiding, Gleißenberg, Waldmünchen und Waffenbrunn zuständig.

Steiniger Weg

Die wenig erfreuliche Zusammenfassung betrifft in seinen Augen alle Besitzverhältnisse. Egal ob es sich um kleineren Privatwald, „bei uns haben wir da eine durchschnittliche Größe von 3,8 Hektar“ oder Großprivatwald, wie im Fall der Stiftung Voithenberg handelt. „Gerade die kleinen Flächen machen die Bearbeitung in Summe schwierig“, so Köbler. Demnach gilt: Je kleiner der Wald, umso geringer ist das Interesse. „Der Wald braucht aber Pflege, nur so kann er in Zukunft den Klimastressherausforderungen Stand halten.“

Stichwort Klima, das ist in den letzten Jahren immer mehr zur Herausforderung geworden. Zum einen sind da natürlich Hitzeperioden. Die Eschlkamer Meldestationen registrieren (mit Ausreißern nach unten) stetig steigende Durchschnittstemperaturen. Das bedeutet Hitzeperioden mit zu wenig Wasser. Ausgleichen können das Starkregenereignisse nicht. „Das Wasser dringt dabei nur gering in den Boden ein und fließt stattdessen ab“, sagt Köbler und ergänzt: „Häufig haben wir außerdem Starkregen, wenn wir ihn gar nicht brauchen.“ 2023 habe es zudem zwar viel geregnet, es war aber auch sehr warm, so dass das Wasser gleich wieder verdunstet ist. Der Klimawandel macht vor allem auch der Fichte zu schaffen. Köbler empfiehlt, einmal mit offenen Augen durch den Wald zu spazieren.

Unter Fichten liegt häufig kein Schnee, während sich darum herum noch eine dicke Schicht befindet. Rund um den Stamm ist es meist trocken. „Das liegt daran, dass die Beschaffenheit der Äste Schuld daran ist, dass kaum Wasser durchgelassen wird.“ Folge: Die Bäume werden schwach und sind so im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen zum Beispiel für den gefürchteten Borkenkäfer. „Was die Situation in Furth im Wald zusätzlich drastisch verschärft hat, ist das Hagelereignis von 2018.“ Es kam zu massiven Schäden, der Borkenkäfer hat für einen Exodus gesorgt und weite Flächen kahlgefressen. „Am Schafberg und im Further Kommunalwald ist die Fichte nahezu gänzlich verschwunden. Um so eine Katastrophe in Zukunft zu verhindern setzt der Fachmann des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) auf Mischwälder statt Monokulturen. Die sind widerstandsfähiger. Dazu braucht es sachgerechte Pflege, oftmals fehlen die Kenntnisse. Für viele sei ein aufgeräumter Wald ein gesunder Wald, das stimme aber so nicht. „Aus Waldschutzgründen bedeutet saubere Waldwirtschaft , bruttaugliches Material für Schädlinge, wie Borkenkäfer zu entfernen.“ Das Ziel ist laut Köbler eindeutig definiert: „Durch sachgerechte Pflege guten, standortgerechten Mischwald zu etablieren. Dieser sollte möglichst vielschichtig, ungleichaltrig und in mehreren Lagen angeordnet sein.“

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Standortgerecht heißt, dass sich in der Further Senke andere Bäume wohlfühlen, als in Höhenlagen. Unten gedeihen zum Beispiel Eichen und Tannen und zunehmend auch alternative Baumarten, wie die Flatterulme. Im Bergmischwald bis über 900 Meter Höhe würde Köbler mit Buchen, Tannen, Fichten arbeiten und beispielsweise Douglasien als robuste Alternative dazu pflanzen. Der Fachmann betont auch, dass nährstoffreiche Sonnenstandorte anders bestückt werden müssen, als nährstoffarme Böden. In der Sonne fühlen sich hitzetolerante Arten wohl , wie Wildkirsche und Elgbeere, ist es schattiger sollte man an Stileiche, Buche und Esskastanie denken. Im Vordergrund steht aber vor allem die Naturverjüngung. Nachwachsende Triebe, die zum Teil massenhaft aus dem Boden sprießen sind demnach optimal für Kleinststandorte. Nach dem Motto. „Survival of the fittest“, werden die jungen Bäume groß, die sich den besten Platz gesucht haben. Die sind dann auch klimabeständiger. Auch weil die Bäume nicht andernorts ausgegraben und transportiert werden mussten und so keine Wurzelbeschädigungen haben.

Unschätzbarer Wert

Köbler weiß, dass sich die Waldbauern um ihre Wälder sorgen und auch alles tun, damit er als wertvoller und wichtiger Rohstofflieferant erhalten bleibt. Auch seine Funktion als Sauerstofflieferant und Klimaschützer, Trinkwasserspeicher und Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt ist von unschätzbarem Wert. Deshalb gilt in Zukunft umso mehr, den Wald den klimatischen Bedingungen anzupassen. Das AELF bietet in diesem Zusammenhang kostenlose Kurse an. „Wir geben den Waldbesitzern nichts vor, wir beraten nur.“ Köbler sieht für die Zukunft nicht schwarz aber er drängt auf „Vielfalt statt Einfalt. Dann geht der Wald rund um Furth in eine gute Zukunft. Chaos“, sagt er, „ist auch immer die Chance für einen Neuanfang.“

Sturm- und Schneebruchschäden entfernen

Schnee und Sturm haben an den Fichten rund um die Drachenstichstadt großen Schaden angerichtet. Laut Jürgen Köbler ist es zwingend notwendig Schneebruch- und Sturmschäden des Jahres 2023 bis Mitte April zu beseitigen. Diese bieten ideales Brutmaterial für Buchdrucker und Co.

„Ohne saubere Aufarbeitung steht ein brandgefährliches Borkenkäferjahr bevor“, zitiert Köbler die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Waldbauern, die bei der Arbeit Hilfe benötigen können sich an Köbler wenden.

Schlimmer Schädling: Der Borkenkäfer Foto: dpa/Michael Reichel