Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald geht in den Ruhestand

Von Alexander Frimberger · 27. Januar 2024 um 15:00

Am 28. Februar wird Johann Schächtl 60 Jahre alt, einen Tag später geht der stv. Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald (PI) in den Ruhestand. 43 Jahre hat er seine Kraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und viel erlebt. Jetzt freut er sich auf das, was kommt.

Auf dem Weg in Johann Schächtls Büro treffen wir PI-Leiter Sven Buhl. Er freut sich für seinen Stellvertreter, dass der in den wohlverdienten Ruhestand gehen kann. „Aber wir verlieren einen verdienten Mitarbeiter und hervorragenden Kollegen. Für die Zukunft wünsche ich ihm vor allem Gesundheit.“

Mit Menschen arbeiten

Schächtl lächelt und strahlt dabei eine spürbare Ruhe aus. Nicht unwichtig in einem Job, in dem er, wie er sagt, „mit den Facetten verschiedener Gesellschaftssichten zu tun hat“. Doch er beklagt sich nicht, im Gegenteil: „Ich wollte immer schon mit Menschen zu tun haben und mit ihnen in Kontakt treten.“

Losgegangen ist seine Reise durch die verschiedenen Polizeiinstanzen am 1. Oktober 1980, da war er gerade einmal 16 Jahre alt. Weil man aber erst mit 17 Jahren in den Polizeidienst eintreten durfte, hat er in der PI Cham ein Praktikum absolviert. „Gut, dass es so etwas auch heute wieder gibt“, findet er. „Da lernt man den Polizeidienst kennen, wie er wirklich ist.“

Von Hochglanzwerbung mit unrealistischen Versprechungen hält er dagegen wenig. Das bildet in seinen Augen nicht die Realität ab. Gerade deswegen freut es ihn, „dass der Polizeiberuf immer noch so attraktiv ist, wir gut qualifizierten Nachwuchs bekommen.“ Heute sagt er, starten die jungen Beamten top ausgebildet in ihren Dienst, haben sich sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen angeeignet. „Ich hatte nach der Ausbildung zwar ganz viel Theorie im Kopf, aber weil wir nicht in der täglichen Arbeit eingesetzt wurden, fehlte die Praxis.“ Was allerdings in seinen Augen heute wie damals gilt, ist ein Satz, den er von einem Ausbilder übernommen hat: „Die vornehmste Aufgabe der Polizei ist die Prävention.“ Das ist natürlich nicht immer so ganz einfach oder schlicht unmöglich. Er erinnert sich an die Eskalationen rund um die in den 1980er Jahren geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Ein halbes Jahr lang befand er sich mittendrin. Besonders schwer war für ihn, dass damals sein ganzer Freundeskreis aus Atomkraftgegnern bestand. „Nicht einfach, sich dauernd rechtfertigen zu müssen.“ Gefragt nach seinem schwersten Gang als Polizist, fallen ihm zwei menschliche Tragödien ein. Einmal schleuste ein Mann eine Gruppe Flüchtlinge aus Sri Lanka mitten im Winter über das Zwercheck (nähe Osser). Eine junge Frau verließen die Kräfte. „Sie wurde einfach zurückgelassen und ist am Berg erfroren.“ Auch das zweite Drama jagt ihm heute noch einen Schauer über den Rücken. In Arnschwang hat ein Mann einem Kind die Kehle durchgeschnitten. „Das ist für die Kollegen häufig nur schwer zu ertragen.“ Gut, dass es Konzepte gibt, mit deren Hilfe sich Betreuer um traumatisierte Beamte kümmern. Doch natürlich gibt es auch die schönen Momente, die Präventionsarbeit an Schulen, wenn man Vermisste lebend auffindet oder Leben rettet, wenn der Gedanke aufflammt: „Wenn wir jetzt nicht dagewesen wären, wäre es anders ausgegangen“, sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. Selbstverständlich gilt das auch, wenn ein Fall gelöst wurde.

Lesetipp: Anna Katharina Hastreiter aus Gleißenberg hilft mit ihrem Verein jungen Mädchen auf den Philippinen

Für ihn ganz persönlich prägend war auch der Aufbau des deutsch-tschechischen Zentrums von 2000 bis 2003. Er war Teil des Teams. Die Verbindungsstelle war zunächst in Furth im Wald angesiedelt und ist erst später nach Schwandorf umgezogen. „Mir wäre es lieber, sie wäre noch hier.“ Besonders beeindruckt hat ihn die gedeihliche Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen. „Das hat von Anfang an hervorragend geklappt.“

Eindeutig mit „Ja“ beantwortet der 1. Polizeihauptkommissar die Frage, ob sich die Polizeiarbeit über die letzten vier Jahrzehnte verändert hat. „Der Respekt ist geschwunden.“ Anweisungen werden im Gegensatz zu früher häufig nicht mehr klaglos hingenommen. „Unsere Maßnahmen werden nicht akzeptiert.“ Schächtl glaubt, dass das auch an der modernen Erziehung liegt, die ganz unreflektiert Schuld nie beim eigenen Nachwuchs, sondern immer bei Lehrern, Polizisten und anderen Berufsgruppen sucht.

An Häuser geschmierte Beleidigungen oder hasserfüllte Aufkleber an Laternenmasten haben ihn immer kalt gelassen. „Mich hat das nie so recht getroffen, ich weiß ja, dass wir nicht die Beliebtesten sind, da muss man sich nicht angesprochen fühlen.“ Anders sieht das aus, wenn es um seine Familie geht, da versteht er keinen Spaß. Auch zu direkt geäußerten Beleidigungen hat er seine eigene Meinung. „Es ist immer noch ein Unterschied, ob einer sturzbetrunken aus dem Bierzelt torkelt und herumpöbelt oder ob dies ein nüchterner Bildungsbürger tut.“ Aber das hält jeder seiner Kollegen anders: „Der eine fühlt sich in der Ehre verletzt, der andere nimmt es gelassen.“ Ein Richtig oder Falsch gibt es da für ihn nicht. In den Ruhestand gehen wird er mit einem guten Gefühl: „Es war eine schöne Zeit, ich habe meinen Beruf geliebt. Ich habe viele Kollegen kennengelernt, bin gut mit ihnen ausgekommen und habe immer Unterstützung gespürt.“

Motorrad und Wohnmobil

Langweilig, lacht er, werde es ihm im Unruhestand sicher nicht. Er freut sich darauf, mit seiner Frau zu reisen. Am liebsten im Wohnmobil nach Kroatien. Auch ein Bauprojekt wird er in Angriff nehmen. Und er will sich auf sein Motorrad schwingen. „Wir sind ein paar Freunde, sind immer gerne gemeinsam eine Woche unterwegs.“ Früher gab es häufig Probleme wegen des Jobs, langsam kommen alle Biker ins Rentenalter. „Das macht die Terminierung leichter.“ Und wird es zum Abschied eine Party geben? „Ja, das wird es, mehr wird aber nicht verraten.“

Werdegang von Johann Schächtl

aus Furth im Wald

Fünf Monate vor seinem 17. Geburtstag begann Johann Schächtl ein Praktikum bei der PI Cham. Anschließend wurde er in Eichstätt angestellt, war vier Jahre bei der Bereitschaftspolizei, wechselte an den Tegernsee zur Grenzpolizei Kreuth am Achenpass. Um 1986 ging er nach Regensburg und war dort bis 1992 tätig. In dieser Zeit wechselte die Abteilung Landesfernmeldezug von München nach Regensburg. Hintergrund waren die Großdemonstrationen in Wackersdorf. Auch dort war er ein halbes Jahr im Führungsstab als Funksprecher tätig. Es folgte eine zweijährige Aufstiegsfortbildung in den gehobenen Polizeidienst, ehe er 1994 erstmals in Furth Dienst tat, zunächst bei der Grenz-Kriminalpolizei. 1999 gab es noch mal einen Abstecher ins Polizeipräsidium Regensburg, ehe er 16 Jahre Dienstgruppenleiter in Furth war. Am 1. Januar 2020 wurde er Leiter der Grenzpolizei Furth im Wald und seit 1. Juni 2021 hat er seine heutige Position inne.

Die Further Polizeiinspektion.