Anna Katharina Hastreiter aus Gleißenberg hilft mit ihrem Verein jungen Mädchen auf den Philippinen

Von Alexander Frimberger · 25. Januar 2024 um 16:25

Was bewegt eine junge Frau dazu, sich in einem Entwicklungsland für die Menschen engagieren? „Ich habe so viel Bildung erfahren, ich wollte etwas zurückgeben“, sagt Anna Katharina Hastreiter, die sich auf den Philippinen für die Ausbildung junger Mädchen einsetzt.

Es ist ganz ohne Zweifel ein beeindruckendes Erlebnis, ein Gespräch mit der heute 32-Jährigen zu führen. Mit Entschlossenheit, Zielstrebigkeit und Empathie hat sie es in den letzten zehn Jahren geschafft, von Gleißenberg aus den Verein „FiliPa“ auf die Beine zu stellen und auch vor Ort dafür zu sorgen, dass junge Frauen eine Zukunftschance bekommen.

Keine Reiseromantik

Los gegangen ist alles vor rund zehn Jahren, als sie durch Zufall über die Maristenbrüder die Chance bekam, sich zu engagieren. Sie hätte nach Kambodscha, Afrika oder Indien gehen können, aber sie entschied sich für den südostasiatischen Inselstaat. Mit damals 21 Jahren reiste sie auf die Insel Mindanao und half in einem Heim für Straßenkinder. Drei Jahre in Folge hat sie die Einrichtung besucht. „Das ist keine Backpacker-Reiseromantik abseits touristischer Pfade, sagt sie.“ Die Menschen sind arm, die Straßen wurden vor allem damals von Gangs regiert. „Als Deutsche war es für mich unmöglich, mich dort frei zu bewegen. Das war mit Sicherheit ein Kulturschock für mich.“ Kontaktleute der Maristen gaben ihr Sicherheit, begleiteten sie auf allen Wegen. Das Schlüsselerlebnis war dann die Bekanntschaft mit dem inzwischen verstorbenen Marcelino Gamutan.

„Er hat mich auf das Problem der ungebildeten Frauen aufmerksam gemacht.“ Hastreiter meint das nicht etwa despektierlich. Das Leben vor Ort ist gerade in dieser von Männern dominierten Welt äußert beschwerlich. Frauen haben die Schule oft nach der zweiten Klasse abgebrochen und keine weitere Ausbildung genossen. Sie geraten an einen Mann, bekommen viele Kinder. Wenn der dann stirbt oder sich eine neue Frau sucht, ist das Elend groß, eine Versorgung beinahe unmöglich.

„Ich habe im Heim Mütter gesehen, die ihre Kinder eigenhändig zu uns gebracht haben, weil sie die einfach nicht mehr versorgen konnten“, sagt Hastreiter. Das konnte und wollte sie nicht hinnehmen. Die Idee reifte, ein Netzwerk zu schaffen, das jungen Frauen die Möglichkeit gibt, einen Beruf zu erlernen. Vor allem Hebammen und Krankenschwestern sind gefragt. „Unser Augenmerk liegt bis heute vorwiegend auf der Ausbildung dieser beiden Berufsgruppen, da diese vor Ort dringend Fachkräfte brauchen. Es herrscht oft mangelnde Grundversorgung“, erklärt Hastreiter, die Gesundheitswissenschaften studiert hat und heute unter anderem an Berufsschulen unterrichtet.

Insgesamt acht Mal ist sie inzwischen in das Land auf der anderen Seite der Erde gereist und hat mit Rat und Tat dazu beigetragen, dass das Leben für die Frauen dort ein wenig besser wird.

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Zuletzt ist sie mit ihrem Bruder Felix vom 27. Dezember bis zum 5. Januar dort gewesen. Die beiden haben unter anderem ein schwer zugängliches Bergdorf besucht, in dem – man kann es wohl so sagen – eine Musterschülerin wohnt: Marjie Bantac. Die junge Frau hat das Programm genutzt und sich zur Krankenpflegerin ausbilden lassen. Heute lebt sie wieder in dem abgelegenen Bergdorf, fährt jeden Tag mit ihrem Motorrad zur Arbeit und kann gleichzeitig die Dorfbewohner medizinisch versorgen.

Die Ausbildung kostet natürlich Geld. Das versucht der Verein FiliPa über Spenden zu sammeln. Circa 5000 Pesos (ca. 82 Euro) benötigt eine Studentin im Monat für Ausbildung, Essen und Lebenshaltungskosten. „Doch wir legen Wert darauf, dass die Familien auch einen Beitrag leisten, der Höchstsatz wird meist nicht ausbezahlt.“ Stolz ist Hastreiter darauf, dass das Netzwerk auf den Philippinen inzwischen perfekt funktioniert, auch wenn die Gleißenbergerin nicht vor Ort ist.

„Ja“, gibt sie zu, sie hat in den Jahren viel Leid und Armut gesehen. Wie verarbeitet man das? Zum einen fangen sie Familie und Freunde auf. „Aber auch wenn es viel Energie kostet, schöpfe ich aus den Erlebnissen auch Kraft. Die Menschen beschenken einen reich.“ Die Wertschätzung und die Gastfreundlichkeit beeindrucken sie.

Es ist wie heimzukommen

„Das Leben dort, das Zusammensein ist viel simpler und unkomplizierter.“ Als sie Ende des Jahres in besagtem Bergdorf war, war es kein Problem die beiden unterzubringen. „Auch wenn mehr Gäste kommen, irgendwie bekommen die das immer hin.“

Von der Gelassenheit könne man noch etwas lernen. Und es ist das Netzwerk auf den Philippinen, das schon beinahe zur Familie geworden ist. „Wenn ich am Flughafen ankomme und abgeholt werde ist das schon ein Stück weit , wie heimzukommen.“

Der Verein FiliPa

Der Verein FiliPa e.V. sammelt Spenden, um jungen Frauen auf den Philippinen zu helfen. Das Geld kommt zu einhundert Prozent dort an, „wir haben keinen Wasserkopf“, sagt Hastreiter. Auch ihre Reisen in das Land finanziert sie selbst. Einmal im Quartal wird das Geld an eine Kontaktperson überwiesen und an die Mädchen weitergeleitet. Bevor sich Hastreiter für die Aufnahme entscheidet, findet sie in Interviews heraus, ob die Person geeignet ist. Rund 50 Mädchen haben das Programm bisher durchlaufen. Spendenkonto im Internet unter: https://filipaev.chayns.site/

Zusammen mit ihrem Bruder Felix interviewt Hastreiter junge Frauen und ermittelt so, ob sie für das Programm geeignet sind. Foto: Anna Katharina Hastreiter