Wo die Augen des Bischofs leuchten: Einblicke in die Schätze, die noch im Bischofshaus stehen

Regensburgs Oberhirte öffnet die Pforten des Bischofshauses und zeigt seine Schätze, über die es im Priesterrat Streit gab. Eine museale Nutzung des neuen Instituts für christliche Welten wird es deshalb nicht geben. Aber in der Bischofswohnung können die Krippen und christlichen Volkstums-Gegenstände auch nicht bleiben.
Oft wirkt er unnahbar. Die Last des Amtes wiegt schwer auf den Schultern von Rudolf Voderholzer. Doch wenn er vor den vielen Krippen steht, die derzeit über das ganze bischöfliche Ordinariat verteilt sind, entdeckt man ein Leuchten in seinen Augen. Aus dem Theologie-Professor von einst und dem strengen Hirten wird ein glühender Erzähler der Heilsgeschichte – erzählt an religiöser Volkskunst.
Ein Bischof ist faktisch Alleinherrscher in seinem Amt. Voderholzer gilt nicht als autoritär. Kritik an ihm gibt es, bei seinen Mitarbeitern aber ist er sehr beliebt, er gilt als aufmerksamer Chef. Doch der Priesterrat stimmte gegen einen Neubau. Jetzt wird wie geplant saniert und die Sammlung an Krippen und anderer Dinge religiöser Volkskunst werden nur auf Anfrage zugänglich sein.
Einblicke ins Bischofshaus
Am Samstag führte der Bischof durch die Räume des Ordinariats. Es ist ein Gang wie durch ein Museum. Überall stehen Krippen, wunderbare polnische „Szopkas“, aus Staniolpapier gebaute riesige Modelle der Krakauer Marienkirche. Manche sogar elektrifiziert. Der Bischof drückt einen Kopf, da öffnet sich das Tor aus Staniolpapier und tänzelnde Teufel, Soldaten, Hexen und allerlei Figuren, die in der polnischen religiösen Vorstellung eine Rolle spielen. Besonders beglückt wirkt der Bischof, als er über eine Krippe erzählt, die aus dem heutigen Tschechien stammt. Die Krippe erzählt die Geschichte einer Vertreibung aus den früher deutschen Gebieten. Der Mann, der sie zurückließ, hatte sie versteckt – unter dem Einsatz seines Lebens hatte er sie schließlich zusammen mit seinem Sohn auf die deutsche Seite geholt. Heute steht sie direkt neben der Krippe, die dem Bischof persönlich gehört. „Es ist eine orientalische Krippe“, sagt Voderholzer. Er erläutert die verschiedenen Arten der Krippen - die Heimatkrippe, in der auch Schnee liegt, die Zeltkrippe, die Höhlenkrippe. Auf die Figur eines jubelnden Papst Benedikt angesprochen, die auf einer Brücke in der Krippe steht, sagt der Bischof: „Ein Geburtstagsgeschenk. Und ein Stilbruch, aber auf der Brücke darf sie stehen.“
Kritiker des Bischofs gibt es. Oder andersrum: Es gibt kein Bistum, in dem auch innerhalb der Priesterschaft völlige Einigkeit herrscht mit einem Oberhirten. Dazu ist die Hierarchie zu streng, sind die Probleme zu groß. Einer seiner Kritiker sagt, der Bischof möge Krippen deshalb so gerne, weil sich in ihnen nichts mehr bewegt. Voderholzer sei einer, der nichts bewegen will, für den der Glauben festgegossen sei.
Die Absage an einen Neubau soll ihn geschmerzt haben, sagen Teilnehmer der Priesterratssitzung. „Das war nie als Museum geplant“, sagt heute Maria Baumann, die Leiterin der Diözesanmuseen und die Frau, die als Volkskundlerin seit Jahren an einem Konzept bastelt. Das Bistum ließ eine Machbarkeitsstudie erstellen. Variante eins wäre die teuerste geworden: Zehn Millionen Euro, dafür ein Neubau, der das Gebäude in der Schwarzen-Bären-Straße behindertengerecht gemacht hätte – ohne diesen Anbau ist eine Museumsnutzung nicht möglich. Der Bischof ließ im Frühjahr 2023 den Priesterrat abstimmen. Die 60 Mitglieder stimmten in geheimer Sitzung gegen einen Neubau. Die museale Nutzung war vom Tisch. „Der Priesterrat muss gar nicht zustimmen“, sagt Baumann heute. „Wir haben die Zustimmung der Ordinariatskonferenz und des Kirchensteuerausschusses.“
Baumann sagt auch: „Wir haben doch das große Glück eines Bischofs, der sich für Kultur interessiert“, sagt Baumann. Der Bischof aber folgte dem Votum des Priesterrats. Die etwa halb so teure Variante wird nun umgesetzt. Aus dem Ehrenfelser Hof, der früheren Domdechantei in der Schwarzen-Bären-Straße, wird nun das Institut für christliche Bilderwelten.
Bischofshaus ungenutzt
2026 soll das Institut fertig sein. Die Galluskapelle könnte freigelegt werden, derzeit zerschneidet eine Wand und eine Decke aus dem 19. Jahrhundert das romanische Juwel. Das Gebäude ist Segen und Last zugleich: „Der Dachstuhl ist 600 Jahre alt“, sagt Architekt Joachim Peithner, der das Haus sanft sanieren wird. Der Ehrenfelser Hof sei ein wunderbares Denkmal, die Sanierung erfolge sanft. „Wir haben zum Maßanzug den richtigen Körper gefunden“, so Architekt Peithner.
2000 Menschen hat Voderholzer schon durch sein Bischofshaus geführt, das er selbst nie bezogen hat. Unter seinem Vorgänger wurde ein moderner Bischofssitz erreichtet. Voderholzer zog in die Wohnung für die Haushälterinnen, die er nicht hat, In der geräumigen Bischofswohnung stehen heute die Krippen.
Wird das neue Institut das Erbe dieses Bischofs? Voderholzer überlegt. Es gebe natürlich das Institut Papst Benedikt, bald erscheine der letzte Band des gesamten Werkes von Joseph Ratzinger. Er nennt das ostkirchliche Institut, die Domspatzen. Dann sagt er aber auch: „Ich sehe das jedenfalls als bischöfliche Aufgabe an, alle Formen der Verkündigung zu nutzen.“ Er habe ein großes Erbe vorgefunden - das wolle er pflegen und irgendwann weitergeben. Dann taucht er ein in den samstäglichen Trubel vor dem Haus in der Schwarzen-Bären-Straße.











